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Oliver Fritsch Mutter Teresa gegen Obama

von Oliver Fritsch

Die Reaktion Uli Hoeneß‘ auf die Klinsmannsche Verteidigung blieb nicht aus. Im DSF-Doppelpass parierte Hoeneß die bemerkenswert offensiven Attacken seines Ex-Trainers. „Das Verhältnis zwischen Jürgen und der Mannschaft war nicht so, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wurde“, begründete er die Entlassung. Und wenn selbst Philipp Lahm nun austeilt („Wäre Jupp Heynckes das ganze Jahr da gewesen, wären wir Meister geworden“), ist dem wohl nur beizupflichten. Klinsmann hatte bei Jauch gesagt, dass ihn Spieler nach der Entlassung angerufen hätten, um ihm ihr Bedauern und ihr Unverständnis mitzuteilen. Hm … wer das wohl gewesen sein mag?

Beschwert hat sich Hoeneß über den Gefälligkeitsjournalismus‘ Günther Jauchs – womit sich Hoeneß als Dauergast im BR ja auskennen dürfte; auch im ZDF-Sportstudio ist er ja nichts anderes gewohnt. „Klinsmann wurde eine Plattform geboten, um Dinge zu erzählen, die nicht stimmen.“ Die Vermutung, das Interview sei mit Klinsmanns Berater Roland Eitel abgestimmt gewesen, verneint Jauch. Ebenso wie meine Frage, ob Klinsmann inhaltliche Bedingungen gestellt hat. Die Kritik Hoeneßens ist nicht unberechtigt. Aber der aufrechte Gang ist im deutschen TV-Sportjournalismus leider abgeschafft.

Es ist erstaunlich, wie sich die Dinge entwickeln. Vor gut einem Monat noch sah man Hoeneß und Klinsmann, wie sie sich in den Armen lagen. Es war eine demonstrative und schöne Geste von beiden Seiten. Vor allem von Hoeneß, der zu dieser Zeit wohl nicht mehr von seinem Trainer überzeugt war. Doch nun könnte diese Scheinharmonie in einen Konflikt eskalieren. Zuerst hatte Hoeneß die Klinsmann-Entlassung mit Genugtuung kommentiert. Und auffälligerweise um Schweigen gebeten (ohne sich freilich selbst daran zu halten). Dann reagierte Klinsmann mit einer unüblichen und selbstgefälligen Gegenattacke. Die Antwort Hoeneßens fiel relativ gemäßigt und souverän, aus. Bemerkenswert ist jedoch Jauchs Behauptung: „Klinsmann weiß mehr als er sagt. Bei Bayern werden nun einige nervös.“ Da muss nichts dahinter stecken, aber Jauch klang nicht, als wäre ihm das rausgerutscht (ok, war aber auch ne schlechte Telefonverbindung). Kommt da noch was nach in dieser Soap?

Zu einem knackigen Spruch ist Hoeneß jedenfalls immer mutig genug: „Wenn Klinsmann der Obama des deutschen Fußballs ist (wie Jauch sagt), dann bin ich Mutter Teresa.“ Mutig ist das deswegen, weil sich Hoeneß auch gerne mal als Gutmensch darstellt; das Zitat könnte also durchaus auf ihn zurückfallen, wenn es Sportjournalisten mit Gedächtnis und Sinn für Zwischentöne geben würde. Vielleicht ist es aber nur eine Form von Selbstironie.

Eine große Schwäche verriet Hoeneß unfreiwillig, als er auf Felix Magath angesprochen wurde. Ob es ein Fehler gewesen sei, ihn zu entlassen. Hoeneß gestand: „Felix weiß, wie sehr wir in München unter Druck sind und möglicherweise schneller Entscheidungen treffen müssen, als das bei anderen Vereinen der Fall ist.“ So offen hat ein Verantwortlicher der Bayern noch nicht eingestanden, dass sie Getriebene sind. Getriebene der Presse, der Fans und den eigenen Ambitionen. Ob er den Widerspruch zu dem bemerkt, was er fünf Minuten zuvor in einem anderen Zusammenhang gesagt hatte? „Wir lassen uns von niemandem auf der Welt und schon gar nicht von der Presse irgendwas vorschreiben.“

Schön auch, dass wir erfahren durften, dass sich die Bayern nicht zu schade gewesen seien, im April erneut Ottmar Hitzfeld angefragt zu haben – also den Mathematiklehrer, den man zwei Mal unehrenhaft entlassen hatte.

5 Kommentare

  1. Lena schrieb am 25. Mai 2009:

    Wer hat angerufen? Wer war es? Der vom Fähnlein Fieselschweif? Nun gut, die textliche Nähe insinuiert nur den einen Schluss. Es war Lahm. Oder doch Klose? Oder Butt? Oder etwa Podolski, der Lahms Stimme imitiert hat?

    Aber so richtig übereinander hergezogen haben beide nicht. Schade für Klinsmann nur, dass sich der Eindruck verfestigt, er sei kein Trainer, kein richtiger halt, sondern allein verantwortlich für das „Vision-Thing“. Und da passt es natürlich mit Obama. Und Honeß als Dick Cheney: „Klinsmann war ein Risiko für die nationale Sicherheit des Titelgewinns. Waterboarding und Medizinbälle sind unverzichtbare Werkzeuge um den Sieg zu garantieren.“

  2. Manfred schrieb am 25. Mai 2009:

    Ich zitiere mal einen Userkommentar aus 11Freunde; Autor ist ‚Wer‘, Link am Ende:

    Bla bla bla, und alle enttäuschen ihn und treiben ein abgekartertes Spiel und sind Intriganten, die versagt haben und jetzt nachtreten, aber da steht man ja drüber. Seht her, wir haben es geschafft, mit meinem alten Freund Jupp, da haben wir das untere drittel der Tabelle aber mal richtig aufgemischt mit dem teuersten Kader der Liga und dann auch noch Stuttgart verprügelt. Und nächste Saison holt man dann auch die Champions League, ganz sicher! Wo man doch so einen modernen Erfolgsschmied wie Louis van Gaal bekommen hat, und was hat der nicht schließlich alles in den 80ern und 90ern international gerissen, haha, und dann auch noch so eine Hammerliga wie die Niederländische aufgeräumt.
    Was vielmehr stört als die ewige Titelsammlung der Bayern, ist die ewige Respektlosigkeit gegenüber allem außerhalb des Vereins. Klinsmann war erst Heilsbringer dann Versager, jetzt ein Arschloch das populistischem Gefälligkeitsjournalismus betreibt.
    Alle anderen Teams sollten sich gefälligst ohnehin dem FC Bayern ergeben, denn im vergleich mit den großen Münchnern sind die doch alle kacke. Hoeneß kann nie eingestehen, das es vielelicht mal anders laufen könnte, das man sich anpassen und modernissieren und andere Zeiten akzeptieren muss, das man vielleicht einfach mal mit der Champions League Quali zufrieden sein und die feiern kann, nach einer ziemlich verkorksten Saison, nein, man erreicht „das minimalziel“ hinter so einem Verein wie Wolfsburg. naja, Gratulation eben, tol,ler Fußball und jetzt verzieht euch, der Magath war ja, wenn ihr euch erinnert, bei uns auch nur so ein Versager.
    Dieser Mensch kotzt mich an, er ist die hässliche, fette, puterrote Fresse des FC Bayern, die mich an diesem Verein so abstößt.
    Es ist nicht einfach die eigene Stärke auf die man sich verlässt, nein, vor allem sind erstmal alle anderen prinzipiell Emporkömmlinge und Scheiße.

    http://11freunde.de/bundesligen/120227/der_tag_des_aufbruchs

    Yo. Unterschreibe ich.

  3. Rax schrieb am 25. Mai 2009:

    Am lustigsten fand ich ja, wie Hoeneß bezogen auf die WM allen Ernstes mit dem alten Argument kam, die Spiele gegen Costa Rica etc könne man ja eh nicht ernst nehmen, und keiner in der Runde mal auf die Idee kam nachzufragen, warum die Bayern Klinsmann überhaupt haben wollten. Wenn die Leistungen der deutschen NM bei dem Turnier nicht der Grund war, was dann sonst?! Und dann redet er über Gefälligkeitsjournalismus…

  4. Linksaussen schrieb am 25. Mai 2009:

    übrigens verbreitete hoeneß ja ebenso genüßlich, mit heynckes wäre man meister geworden, immerhin hätte er aus 5 spielen 13 punkte geholt („rechnen sie das doch mal auf die saison hoch!“)

    schauen wir uns doch mal die bilanz von klinsi in den letzten 5 spielen der hinrunde an, also gegen die gleichen gegner wie heynckes:

    2:2 in gladbach
    4:1 gegen cottbus
    2:0 in leverkusen, das zu diesem zeitpunkt (punktgleich mit den münchnern) auf platz 2 stand (!)
    2:1 gegen hoffenheim in einem, wie wir alle noch wissen, begeisternden und premier, achwas, champions league-würdigen spiel
    2:2 in stuttgart (der fairness halber sei gesagt: die hatten damals eine etwas schwächere form als in der rückrunde, aber bei hoffenheim und leverkusen siehts ja andersrum aus)

    macht summasummarum 11 punkte in 5 spielen. wir rechnen das ganze mal auf 34 spiele hoch und kommen auf, tadaaa…

    74,8 punkte. macht mit bayerndusel 75 und damit wäre man dieses jahr meister geworden, 5 punkte vor wolfsburg.

    aber gut, wir wissen ja alle, daß fußball keine mathematik ist, herr rummenigge.

  5. C. Antonius schrieb am 31. Mai 2009:

    Interessant ist ja, dass sowohl vom Boulevard als auch von den Bayern-Offiziellen die Kritik an Klinsmann via überbordendem Lob an Heynckes geäußert wird; jenem Heynckes, der bei allen Trainerstationen in Deutschland (abgesehen von seiner ersten Zeit in Gladbach) mit Schimpf und Schande aus der Stadt getrieben wurde (in Frankfurt zusätzlich geteert und gefedert).

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