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Schuldig bin ich noch die Nachricht vom Vollzug des Blankeneser Klassenerhalts. Am 4. Mai rupften wir (um in den Jargon der Hamburger Lokalberichterstattung zu wechseln) den SC Sperber mit 1:0. Bei den Nordstädtern zogen wir ein konterorientiertes 4-5-1 auf. Es war unser bestes Spiel, es war überhaupt das beste und schnellste Spiel, das ich in der Hamburger Landesliga gesehen habe, denn der Gegner war sehr spielstark.

Allerdings hat seine Abseitsfalle nicht geklappt, weswegen wir zu einigen klaren Chancen kamen. Dass wir durch einen direkten Freistoß gewannen, war kein Zufall. Denn Standards hatten wir zuvor auf dem Trainingsgelände in der Blankeneser Führungsakademie geübt, also auf militärischem Sperrgebiet, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das kann nur der als Witz erkennen, der das Spiel gesehen hat. Denn unsere dem Tor vorausgehenden Varianten in diesem Spiel waren zum Wegschauen: den Anstoß direkt aufs Tor gekullert, ein missglückter indirekter Freistoß (und das mir!), ein Anlauftrick, bei dem die Zuschauer uns auslachten. Es sind die peinlichen Momente im Trainerleben, wenn die Freistoßtricks misslingen. Man fühlt sich vorwurfsvollen Blicken ausgesetzt.

Am Siegtor aber konnte man ablesen, warum ich die Hartplatzhelden gegründet habe. Marcel Plewka, unsere Nummer 9, schweißte den Ball aus fünfundzwanzig Metern oben rechts ins Torwarteck (71.). Leider lief keine Kamera, besser kann das auch kein Profi. Ohne Zweifel war er bester Mann auf dem Platz, zumal unser Stürmer mindestens auch fünf Eckbälle des Gegners entschärfte. Vergessen wollen wir natürlich nicht, dass Keeper Claus Hencke in der 2. Minute einen Elfmeter halten musste. Und sonst auch noch das eine oder andere.

Nach dem Spiel großer Jubel, Gesänge, ein paar schöne Bilder auf dem Handy, ein Notarztruf, das übliche halt. Die Fussballwurst, die für den Grimme Online Award nominiert ist, war übrigens auch da und hat etwas notiert.

Zum Auswärtsspiel in Rugenbergen vier Tage später wollten wir dem Aufstiegskandidaten nicht den roten Teppich ausrollen. Der Schiedsrichter offenbar aber schon. Sein Handelfmeter für den Gastgeber nach 10 Minuten war eine kreative Entscheidung. Da wir zudem 55 Minuten in Unterzahl spielen mussten, war das 0:3 nicht so tragisch, zumal die beiden anderen Tore in der Schlussphase fielen. Rugenbergen geht nun wohl als Tabellenzweiter in die Aufstiegsrunde.

Mein Fazit seit Amtsantritt (ist Trainer eigentlich ein Amt?): 11 Spiele, 16 Punkte, 3 Plätze geklettert, Klasse trotz vieler Verletzungen gehalten. Dank einer guten Mannschaft, einer guten Teamleistung. Den Abstieg haben wir aber zugegebenermaßen auch deswegen vermieden, weil die Konkurrenz (Nienstedten, Eidelstedt, VfL 93) kaum gepunktet hat.

Mein erster Eindruck vom Hamburger Amateurfußball: zu wenige Zuschauer. Zu unseren Heimspielen auf Waldesruh verirren sich manchmal fünf Rentner. Nichts gegen Rentner, aber wir müssen die Jungen wieder gewinnen. Nicht hilfreich ist die neue Anstoßzeit der Bundesliga um 15.30 Uhr. Wenn der HSV dann spielt, kommen noch zwei Mann weniger. Auch wenn er um 17.30 Uhr spielt. Und der HSV, der Europa-League-Teilnehmer, hat in dieser Saison oft sonntags gespielt. Der Bundesligaspielplan ist nicht die Ursache für den Zuschauerschwund, aber ein zusätzliches Hindernis für die Amateure. Sind nicht ohnehin die schönsten und spannendsten Bundesliga-Spieltage die beiden letzten, wenn alle neun Spiele zeitgleich stattfinden? Gut, der 34. in diesem Jahr war eher langweilig, weil die meisten Entscheidungen bereits gefallen waren – der Bochumer Abstieg spätestens zur Halbzeit.

Was noch? Mit Thomas Tuchel hab ich über Trainersein und veraltete Fußballregeln geredet, Bayern München hat dieses Jahr enorm an Sympathie gewonnen, und den Verlust von Michael Ballack halte ich für kapital. Das darf man gerne anders sehen. Was mich aber ein wenig fassungslos macht: dass „Vize-Ballack“ für die WM 2002 verhöhnt wird, also ein verlorenes Finale, an dem er gar nicht teilnahm. Und dem eine Heldentat seinerseits vorausging: ein taktisches Foul, das eine Gelbsperre nach sich zog. Und für die Fußballinteressierten hier: Die erste Gelbe Karte gegen Ballack aus dem Achtelfinale gegen Paraguay war eine Fehlentscheidung. Was ist daran lustig?

3 Kommentare

  1. Fussballwurst.de » Wursttest » Der Langzeitwursttest beim SC Sperber schrieb am 21. Mai 2010:

    [...] http://www.direkter-freistoss.de/2010/05/21/blankenese-landesliga-hamburg-ballack-bayern/ Tags » Flens, SC Sperber, Süderelbe, SV Blankenese « Autor: S.Beyer Datum: [...]

  2. Wolfgang schrieb am 12. Juni 2010:

    konterorientiertes

    4-5-1 boh äh , mit 10 mann

    ( achtung=ironie )

  3. Constantin schrieb am 16. Juni 2010:

    Herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt! Wollte Dir schon immer dazu gratulieren und tue es hiermit. Clevere Maßnahme übrigens, die Mannschaft in der Kaserne zusammenzuziehen. Wie wirkungsvoll das sein kann, haben die Nordkoreaner ja gestern gezeigt.

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