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gclobes 50+1=Hopp?

von Günter Clobes

„Geil ist geil“ dröhnt so banal wie sinnfrei ein permanent lautsprecherisch veranlagter Markt für mediale Unterhaltung. „Geld ist Geld“ beweist analog dazu Dietmar Hopp mit seinem Luis-Gustafo-Transfer. Er erfüllt so schlussendlich doch noch alle Vorurteile und Befürchtungen, die ihm gegenüber im Zuge des phänomenalen Aufstiegs seines Dorfvereins Hoffenheim lautstark geäußert wurden.

Man mag das bedauern, kritisieren und auch verurteilen. Aber mal ernsthaft: Kann man Hopp das denn wirklich verdenken? Gustafo bringt 17 Millionen Euro, gekostet hat er seinerzeit 1 Million. Das ist ein schöner satter Gewinn, der einmal mehr die Geschäftstüchtigkeit des SAP-Tycoons unter Beweis stellt. Nebenbei zeigt es natürlich auch, dass Gönner oder Mäzene im klassischen Sinne so selten sind wie Zehnjahresverträge für Trainer. Hopps Modell ist dabei nicht nur ehrgeizig, sondern ebenso klar. Erst wird in günstige Talente investiert, später dann üppig kassiert. Oder ein bisschen fußballbezogener und romantischer: Ausbildungsverein statt Spitzenverein. Nimmt man nämlich noch den Verkauf von Carlos Eduardo im letzten Jahr hinzu wird ein echter Schuh daraus. Sieben Millionen beim Kauf an Gremio Porto Alegrense nach Brasilien überwiesen, 20 Millionen kamen von Rubin Kazan beim Verkauf zurück. Man muss also in diesen Tagen kein großer Hellseher sein, um die derzeitige Problematik um und mit Demba Ba vorher sagen zu können. Bei einem „Einkaufspreis“ von damals drei Millionen (an Mouscron) nun vermutlich sieben Millionen zu bekommen (egal aus welcher Liga), passt eine Abgabe des Spielers perfekt ins momentane Raster. Und einen schönen Nebeneffekt hätte es dazu. „Reisende soll man nicht aufhalten“ wie die Fachgrößen und Küchenpsychologen ja überall schon herum posaunen.

Sei’s drum. Hopp ist – Rangnicks nachvollziehbarer Abgang hin oder her – logisch und systemimmanent kein Vorwurf zu machen, immerhin hat er nach egenen Angaben rund 170 Millionen in den Club investiert. Wirklich keiner? Das ganz genau zu beantworten liegt nun bei der DFL, und da wird es für den gemeinen Fußballfan interessant. Sie muss nun nämlich zeigen, was  ihre Statuten wert sind. Stichwort ist die sog. 50+1-Regelung, nach der Anteilseigner und Investoren der Clubs nicht ins operative Geschäft eingreifen dürfen. Das allerdings könnte Hopp gerade getan haben. Er hat zusammen mit Manager Tanner die Gespräche mit Bayern über den Transfer geführt. Ob das rechtens war, wie Hopp behauptet, oder nicht, ist nun eine fast so spannende Entscheidung wie die, ob Dortmund wirklich deutscher Meister wird. Die 50+1-Regel hat ja schon für einige hitzige Debatten innerhalb der DFL geführt, so dass ihre Ermittlungen und vor allem Ergebnisse bzw. Entscheidungen in jedem Fall auch für neue Diskussionen sorgen werden. Vielleicht könnte die DFL in diesem Zusammenhang ja auch einmal Stellung dazu beziehen, inwieweit Hopps 49% Stimmanteile bei Hoffenheim mit den 99% des Stammkapitals, die Hopp am Verein hält, relevant sind für den jetzigen Casus Knaxus.

Sehr unwahrscheinlich dürfte es aber nicht sein, wenn die DFL sich trotzdem den Standpunkt Hopps zu eigen macht, er habe die Verhandlungen als „Sprecher des Beirats“ geführt und sei damit legitimiert gewesen – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bayern darum gebeten hätten. So oder so könnte mit dieser Angelegenheit allerdings etwas ins Rollen kommen, das neue Befürchtungen hinsichtlich des „modernen Fußballs“ schürt.

13 Kommentare

  1. Lujack schrieb am 8. Januar 2011:

    Verstehe nicht warum sich alle auf die Verhandlung mit den Bayern fokussieren. Man muß doch nur Hopps Interviews lesen, um zu erkennen wer in Hoffenheim was entscheidet. Er gesteht dort die Einflussnahme gleich mehrfach ein.

    Wieviel Geld ein Investor dabei in einen Club investiert hat, spielt auch nicht wirklich eine Rolle, bei der Frage, ob er sich an Regeln halten muss.

  2. Linksaussen schrieb am 8. Januar 2011:

    “Das ist ein schöner satter Gewinn, der einmal mehr die Geschäftstüchtigkeit des SAP-Tycoons unter Beweis stellt.”

    was soll das für eine geschäftstüchtigkeit sein? 170 mio (es gibt auch noch höhere schätzungen, das ist letztendlich aber wurscht) investieren, um ca. 30 mio zu erlösen? und nein, ich gehe nicht davon aus, daß hoffenheim jetzt jedes jahr zwei spieler für achtstellige beträge verkaufen kann. wann soll hopp denn dann in die schwarzen zahlen kommen? noch vor seinem lebensende? der mann ist 70. gehen wir mal von einem lebensalter von 90 aus, hat er noch 20 jahre zeit, um die übrigen 140 mio wieder rauszubekommen. macht 7 mio gewinn pro jahr. und da haben wir die finanzierung des laufenden betriebes noch gar nicht reingerechnet. wieviele vereine in der bundesliga machen jedes jahr einen derart satten gewinn? dies ist fußball, keine atomindustrie.

    und auch wenn hopp jetzt mal ein paar einnahmen einfährt: geschäftstüchtig ist das nicht.

  3. anderl schrieb am 8. Januar 2011:

    Das Ganze ist und bleibt eine Scheindebatte.
    Der Rückzug des Bayerkonzerns aus dem heutigen KFC Uerdingen war ein viel gewaltigerer Eingriff ins operative Geschäft. Die ständigen Finanzspritzen des VW-Konzerns in Wolfsburg sind ebenso Eingriffe ins operative Geschäft. Die 100-Mio Anleihe des Audikonzerns beim FC Bayern hat viele Dinge für den FC Bayern möglich gemacht.
    Und der Audikonzern hat bestimmt nicht gesagt: Bauts euch ein schönes Wochenendhaus am Starnberger See. Der Audikonzern wird schon gewusst haben, wem und für was er das Geld in die Hand drückt.

  4. Ulfert schrieb am 9. Januar 2011:

    @anderl: Das ist keine Scheindebatte, sondern offensichtlich längst überfällig. Nur weil andere es auch so machen (oder knapp anders) heißt es ja nicht dass es alles schon ok so ist.

    Wie der Autor schrieb, die DFL muss nun endlich mal entscheiden, ob sie ihre Prinzipien ernst nimmt, oder ob sie sich dem Großkapital beugt. Nach Hopp kann dann gerne über VW, Audi, Bayer oder sonstwen beraten werden, dieser Fall ist hoffentlich nur der erste Stein für die Lawine.

    Einzig, ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Ich halte es nicht für wahrscheinlich dass da wirklich was passiert. Letztendlich geht es auch der DFL um Geld. Damit ist der Handel eröffnet.

  5. g.clobes schrieb am 10. Januar 2011:

    @linksaussen: es geht ja erst einmal garnicht um die gesamtrendite, sondern nur um die der erwähnten spielerkäufe und -erlöse. und da sind die profitraten ja wohl wirklich nicht schlecht, oder?

  6. anderl schrieb am 10. Januar 2011:

    @Ulfert:
    Der DFB macht seit Jahrzehnten nichts und wird das auch nicht tun, solange international der Markt mit im Fieber agiert. Denn niemand beim DFB will sich die Finger schmutzig machen und einen der größten Imageträger dieses Landes zerstören: Den Bundesligafussball und daraus resultierend die Nationalmannschaft.

    Und der eigentliche Akteur, die DFL, wird sich ja nicht selbst abschaffen, oder?

    Traurig? Fakt.

  7. Linksaussen schrieb am 11. Januar 2011:

    @g.clobes: dieses jahr, ja. positive bilanz von 27 mio (quelle: transfermarkt.de).
    letzte saison: -16 mio (dank simunic, maicosuel, zuculini). davor: -11 mio (wellington, beck u.a.)
    davor: -18,5 mio (in der 2. liga!). eduardo, ba, obasi usw.

    wenn man weiß, daß im falle eines scheiterns der mäzen alle verluste auffängt, kann man halt auch für 7 mio€ einen spieler aus der 2. brasilianischen liga kaufen. und dann noch zig andere spieler kufen, über die sämtliche vereine der bundesliga bis auf bayern, wolfsburg und vielleicht leverkusen lange und gründlich nachdenken müssten (wolfsburg/magath hat ja nach einem ähnlichen gießkannenprinzip gearbeitet).

    dann zu frohlocken, weil zwei oder drei dieser spieler mit gewinn verkauft werden können, während man über die letzten jahre gesehen immer noch eine transferbilanz von -18,5 mio hat, hat immer noch nicht viel mit geschäftstüchtigkeit zu tun.

  8. Ballpaket schrieb am 11. Januar 2011:

    Allerdings haben sich auch andere schon nicht dran gehalten

  9. Karl schrieb am 12. Januar 2011:

    Welche Konsequenzen hätte ein Verstoß gegen die 50+1 Regel den überhaupt? Nichtigkeit des Transfers? Vertragsstrafen an die DFL? Oder was?

  10. anderl schrieb am 14. Januar 2011:

    @Karl
    von Konsequenzen scheint nirgends die Rede zu sein. Angeblich könnte das über das Lizenzierungsverfahren als Verstoß gewertet werden und dann so bestraft werden. Habe ich GEHÖRT. Gut möglich, dass es nicht stimmt.

  11. Geschäftsführer schrieb am 30. Januar 2011:

    Ich halte auch absolut nichts von Mäzen oder auswertigen Investoren wie Herrn Hopp. Die 50+1-Regel muss streng durchgezogen werden und Investoren müssen deutlich Grenzen aufgezeigt werden. Durch welches Kontrollgremium auch immer.
    Allerdings sollte man vorsichtig sein Dietmar Hopp mit Leuten wie Abramowitsch zu vergleichen. Er hat die letzten Jahre keine fertigen Stars gekauft, sondern in junge Talente investiert. Zugegeben, er hat wahrscheinlich oftmals Preise deutlich über dem Marktwert bezahlt (weil er es kann), aber ich finde, er hat da in die Zukunft investiert. Ob sie nun Leistungsträger bei 1899 sind oder mit Gewinn weiterverkauft werden, halte ich eher für nebensächlich.

    So ist nun mal das Geschäft!!!!

  12. lemanu schrieb am 31. Januar 2011:

    hmm versteh die ganze aufregung nicht
    in hannover würde doch auch ein Kind dafür sorgen dass der schulz oder wer auch immer noch im winter wechselt wenn der fc bayern mit 15mio winkt,. da interessierts doch keinen was der slomka dazu sagt…

  13. Ulfert schrieb am 31. Januar 2011:

    @lemanu: Der Unterschied zwischen Vereinspräsident und Mäzen/Investor ist ihnen hoffentlich klar. Zudem ist Kind als bekennender Gegner der 50+1-Regelung eins von nur drei gültigen Beispielen: Leverkusen, Wolfsburg und eben Martin Kind.

    @anderl: Ich glaube auch nicht dass die DFL was unternimmt, was aber ja nicht heißt dass es nicht besser wäre oder dass die Debatte unberechtigt wäre ;)

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