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René Martens Der pseudo-braun-weiße TV-Cop

von René Martens

Fußball, genauer: der FC St. Pauli, spielt im „Tatort“ aus Münster bekanntlich zumindest eine wichtige Nebenrolle, weil die Macher dem Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) eine St.-Pauli-Sympathie verpasst haben. Mit dem Autor Matthias Dell, der diesem „Tatort“ das Buch „Herrlich inkorrekt“ (das kürzlich auf eine Weise Aufmerksamkeit sich gezogen hat, die den Machern kaum lieb ist) gewidmet hat, lässt sich nun fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass die Macher eines Krimis, der von „Kadettenhumor“ und „restaurativer Sehnsucht“ geprägt ist (wobei ein wesentlicher Teil der Popularität wohl daher rührt, dass diese Elemente auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind), sich eines Mythos bedienen, der ja eigentlich für ganz etwas anderes steht oder stehen solllte?

„In der grundsätzlichen Gestimmtheit des TATORT Münster ist eine ‚politisch inkorrekte‘ Lesart zum einen immer schon angelegt – während ‚die gute, alte Zeit‘ nostalgisch affirmiert wird, erscheint alles im Zusammenhang mit 1968 als suspekt“,

schreibt Dell (Disclosure: Er ist, wie ich einer der vier Autoren der Medienkolumne Altpapier, die kürzlich mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet wurde). Die Figur Prahl sei

„ein Underdog, ein Aufsteiger, der seine Herkunft aber nicht verraten hat an Karrierestreben. Markantestes Attribut dieser gesellschaftlichen Stellung ist Thiels FC-St.-Pauli-Anhängerschaft, die offensiv thematisiert und im Laufe der Folgen durch die nahezu vollständige Merchandising-Palette (…) dokumentiert wird. Der FC St. Pauli versichert Thiel seiner Herkunft und korrespondiert durch den ihm eigenen Mythos und der damit verbundenen Sonderstellung in der deutschen Fußballlandschaft ideal mit Prahls Charakter. (…) Als Fahrstuhlmannschaft operiert der Klub an der (gesellschaftlichen) Schwelle, auf der auch Thiel zu verorten wäre: Für einen dauerhaften Verbleib in der ersten Liga (auf Thiel gewendet: in der ‚besseren Gesellschaft‘) reicht es nicht. (…)“

Dass sich der Klub mittlerweile in eine historisch gesehen nicht einmal völlig ungewöhnliche Lage hineinmanövriert hat, in der erst einmal der kurzfristige Verbleib in der 2. Liga als Erfolg anzusehen wäre, tut dieser Argumentation keinen Abbruch. Zum Mythos St. Pauli oder, um es mit Dell zu sagen: der Erzählung und davon, was er/sie heute bedeutet, äußert sich der Autor so:

„Kritisch ließe sich die Verlängerung dieser Erzählung in die Gegenwart als bloßes Markenbewusstsein lesen, das sich für einen politisch motivierten Gegenentwurf zum Profifußballgeschäft nicht interessiert, sondern in der Erzählung lediglich ein reizvolles Alleinstellungsmerkmal innerhalb der kommerziellen Sphäre Bundesliga entdeckt (…)“

Wäre der Mythos nicht auf diese Weise „zivilisiert“ worden, hätte es die Figur Prahl in dieser Form nie geben können, argumentiert Dell. Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten Programm der ARD – das ist ein Sendeplatz, auf dem Gegenentwürfe (zu was auch immer) nichts zu suchen haben. Insofern ist im „Tatort“ aus Münster auch allenfalls „das Echo des Mythos“ zu spüren. Dieses

„verortet den Kommissar nur scheinbar auf einer kritischeren Seite des politischen Spektrums. Die FC-St.-Pauli-Anhängerschaft von Thiel korrespondiert mit der ‚inkorrekten‘ Gestimmtheit des ganzen Entwurfs, insofern ihr die Irritation des ‚PC‘-Diskurses schon eingeschrieben ist: Sieht auf den ersten Blick links oder antirassistisch aus, ist sich bei näherem Hinsehen aber ‚keinen Deut besser‘ als dumpfe, intolerante Normalität.“

Ein Sieht-auf-den-ersten-Blicks-links-aus-aber-Gefühl haben manche St. Pauli-Fans bereits aus den unterschiedlichsten Anlässen artikuliert, und auch Anhänger anderer Vereine äußern sich hin und wieder ähnlich, wobei die i.d.R. wesentlich schlechter argumentieren (falls sie es überhaupt tun). Aber interessant ist natürlich, dass man einen derartigen Eindruck auch auf Umwegen bekommen kann – dann, wenn man sich gar nicht mit Vorgängen rund um den Verein beschäftigt, sondern mit einer diffus konservativen TV-Fiction-Figur.

10 Kommentare

  1. Manfred schrieb am 21. März 2013:

    Was sich auch fragen läßt:
    ‚Wie konnte es dazu kommen, dass es den Machern eines Krimis, der von „Kadettenhumor“ und „restaurativer Sehnsucht“ geprägt ist (…), sich eines Mythos zu bedienen, der ja eigentlich für ganz etwas anderes steht oder stehen solllte?‘
    Häh?

  2. René Martens schrieb am 22. März 2013:

    Die Frage ist berechtigt, danke. „dass die Macher eines Krimis (…) sich eines Mythos bedienen“ sollte es heißen.

  3. Manfred schrieb am 25. März 2013:

    Ja, so in etwa hatte ich das auch zu verstehen versucht ;), aber ich wollte vorher doch erstmal keinen Kommentar zum Gesamttext abgeben, sicher ist sicher.
    Jetzt aber:
    ich halte dieses ganze St. Pauli-Gedöns für Quatsch. Diese ganze Mythos-Geschwurbel ist genau das und sonst nichts. Dieses Beharren darauf, anders zu sein und dieser ganze alternative Schmonzes mag ja ggf innert Hamburg gelten als auch für diejenigen Journalisten, die da meinen, die Totenkopfflagge (Fahne?) weiter hochhalten zu müssen, aber sonst: ? Letztlich ist dieses Fansein im Tatort durchaus als subversiv anzusehen, denn auch der Versuch, St. Pauli immer noch etwas sein lassen zu wollen, was es längst nicht mehr ist, ist restaurativ, will sagen: auch St. Pauli ist nur einer von vielen Fußballclubs und die Fans sind grad so wie überall. Fußballkadetten, mehr nicht.

  4. Timo schrieb am 10. August 2013:

    lasst unseren FC doch einfach nur Fußball spielen. Ich bin seit 30 Jahren Fan, habe diese ständige Überfrachtung mit irgendwelcher Ideologie aber auch gründlich satt. Ja, es herrscht eine besondere St.Pauli Atmosphäre, aber so hat jeder Verein seine eigene Kultur – und das war’s dann auch. Politisierer (intern wie extern) gehen mir auf die Nerven.

  5. Torben schrieb am 17. Januar 2014:

    Ich wohne in Hamburg und es ist immer interessant wenn man sich mit Pauli-Fans unterhält. Als sie abgestiegen sind war der Konsens „Ist nicht so schlimm, wir hatten eh keine Chance in der 1. Liga. Es ist besser wenn wir jetzt erstmal 2-3 Jahre in der zweiten bleiben.“ Doch kaum erreicht der FC St Pauli einen Tabellenplatz in den Top 6 kommen die Stimmen „Hoffentlich können Sie die Leistung halten, dann steigen wir direkt wieder in die Erste auf.“ Verständlich aber irgendwie auch seltsam. :/

  6. Sergey schrieb am 20. Februar 2014:

    Oliver Fritsch (Die Zeit) in the great gallery of the pathological russophobes:
    http://tchaykovsky.ru/rusphobi_a/oliver_fritsch.htm
    http://tchaykovsky.ru/rusphobi/edward_lucas.htm

  7. Sportnachrichten schrieb am 25. Februar 2014:

    Ja natürlich ist es auch irgendwie verständlich, aber schließlich zählt ja hier der sportliche Gedanke „dabei sein ist alles“ 🙂
    Und es wäre ja auch schlimm, wenn der Verein nicht aufsteigen möchte, dann bräuchten die da ja überhaupt nicht kicken!

  8. boheme schrieb am 21. Dezember 2015:

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  9. Franz schrieb am 26. April 2016:

    Sind diese links hier absichtlich angebracht? 🙂

  10. Efzehohweh schrieb am 2. Februar 2017:

    Klar ist vieles Mythos am Millerntor und dort wie im Münsteraner Tatort ist vieles auch nur „Echo des Mythos“ (sehr treffend!). Bei knapp 30.000 Leuten in jedem Heimspiel ist das so wie bei 12 Millionen Zuschauern am Samstagabend: Gegenentwürfe oder Kritik geht nur in sehr geringen Mengen. Trotzdem ist es nach wie vor so, dass ich am Millerntor, das ich seit zehn Jahren ein, zweimal pro Saison besuche, noch nie richtig üblen Gestalten begegnet bin, die Stimmung ist einfach was anderes, als in vielen anderen Stadien, wo ich (ähnlich oft in den letzten zehn Jahren war ich mal hier, mal dort in Spielen der 1.-3. Liga) leider fast immer wenigstens einmal rassistische, homophobe oder sexistische Beschimpfungen in meiner Nähe höre. Natürlich ist das auch in Bremen, Osnabrück, Hannover, München oder Bochum nicht unbedingt Mainstream, aber eben seltsamerweise eben doch eine wahrnehmbare Minderheit, die ich bei St. Pauli nicht wahrnehmen kann (und sei es nur, weil sie sich dort nicht trauen, sowas zu rufen)

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