Schlachtfeld Deutschland
von Oliver Fritsch
Drei Fragen am Telefon an den Blogger und Medienexperten Kai Pahl (allesaussersport) über die Ambitionen ausländischer Sender bei den Verhandlungen um die Bundesliga-Rechte
freistoss: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ESPN oder Murdoch Übertragungsrechte an der Bundesliga sichern?
Kai Pahl: Die große Unbekannte ist die DFL. Auf ihre Strategie kommt es an. Wenn sie die Pay-TV-Rechte so verkauft wie immer, also komplett, dann rechne ich nicht mit ESPN oder einem anderen Konkurrenten von Premiere. Die kompletten Rechte zu kaufen wäre vermutlich ein zu großer Schritt für einen Neuling, so wie Arena vor drei Jahren. Doch wenn die DFL Einzelpakete verkaufen sollte, etwa das Samstagsspiel um 18.30 Uhr, dann könnte ich mir vorstellen, dass ESPN zuschlägt (Weiterlesen …)
Aktionismus allüberall
von Günter Clobes
Joseph Blatter ist ein umtriebiger Mann. Ständig hält er Ausschau, wie er den Fußball noch weiterentwickeln kann, manchmal geht es dem obersten Hirten der Fifa-Gemeinde dabei um die Spielregeln, meistens aber ums Geschäft. Michel Platini, sein Counterpart von der Uefa, will ihm selbstverständlich in nichts nachstehen und ist ebenfalls ums Wohl seiner europäischen Schäfchen bemüht. Auch er versteht es, mit lustigen Initiativen zu überraschen (aktuell: 24 statt 16 EM-Teilnehmern, die Neuerfindung des Uefa-Cups). Viele, viele putzige Innovationsvorschläge haben wir Liebhaber des Spiels in der letzten Zeit so vernehmen müssen. Die meisten wurden ohne Not herausposaunt, gerade so als ob die Herren zeigen müssten, dass es sie tatsächlich gibt (Weiterlesen …)
Roadhouse Blues
von Oliver Fritsch
Heute wird der DFL-Vizepräsident Harald Strutz vermutlich als Präsident des FSV Mainz wiedergewählt, die FR berichtet darüber. Hier ein Video von Strutz, wie Sie ihn vermutlich noch nicht gesehen haben: als Sänger der „Stags“, einer Rock’n’Roll-Coverband.
Mir fällt grad nichts witziges ein. Haben Sie eine Idee, wie man das Video kommentieren könnte? Der originellste Antwortgeber erhält ein Fußballbuch. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Arme DFL!
von Günter Clobes
So ist das halt, wenn einem die Felle wegschwimmen. Großes Gejaule, Heulen und Zähneklappern bei der DFL! Alle sind ja so fürchterlich uneinsichtig und wollen ihr nur das Schlechteste. Das Bundeskartellamt spielt einfach nicht mit bei dem schönen Plan, das Optimale aus der Bundesliagaverwertung im Fernsehen herauszuholen. Wie gemein! Und dabei sollte alles doch nur zum Wohle des Fußballstandorts Deutschland sein. Endlich die Wettbewerbsverzerrung im europäischen Maßstab aufheben, endlich Bayern München und Konsorten finanziell so aufrüsten zu können, dass sie nicht mehr in der Gruppenphase der Champions League oder spätestens im Viertelfinale ausscheiden.
Doch nein, da kommen die Wettbewerbshüter daher und stärken einfach auch noch mit ihrer blöden Argumentation, dass eine Zusammenfassung des Spieltags zeitnah im frei empfänglichen Fernsehen zu sehen sein muss, den öffentlich-rechtlichen Sendern den Rücken (und das, wo die alles tun, so wenig wie möglich öffentlich-rechtlich zu erscheinen in ihren Übertragungen). Nun aber soll gehandelt werden. Bei einer Beratung von Vorstand und Aufsichtsrat seien „mehrere Handlungsalternativen mit Blick auf die Rechtevergabe erörtert und beschlossen worden“, teilte die Liga über dpa mit. Und schiebt gleich noch ein sehr, sehr fragwürdiges Argument hinterher: „Angesichts der unverständlichen Position des Bundeskartellamtes müssen wir entsprechend reagieren. Der Sport darf nicht wie eine Industrie behandelt werden“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.
So, so, die Liga ist nicht mit einer Industrie zu vergleichen. Das dürften zumindest die Vereine anders sehen, die bewusst ihre Fußball- bzw. Lizenzspielerabteilungen aus den Vereinen rein geschäftsrechtlich ausgegliedert haben, teilweise ja sogar an die Börse gegangen sind. Und: Wieso haben sich die Profis eigentlich in der DFL einen eigenen Rahmen gegeben, wenn nicht um andere Geschäftsmodelle verfolgen zu können? Was Rauball nun versucht, ist einfach bigott, weil inkonsequent und unehrlich. Jetzt fehlt nur noch, dass er demnächst an die Fans appelliert, vor dem Kartellamt für die DFL zu demonstrieren.
Die Rückkehr der ‚ran‘-Ritter?
von Günter Clobes
Im Sog der Wirrungen und Irrungen, den das Bundeskartellamt zum DFL-Vermarktungsmodell erzeugt hat, feiern ganz schauderliche Dinge fröhlich Urständ (für die Jüngeren: tauchen ziemlich uncoole Sachen wieder auf). Allein die Vorstellung, dass RTL (zur Erinnerung: einst aktiv mit „Anpfiff“, die längste Fußballsendung ohne nennenswerten Fußballanteil) möglicherweise den Kopf wegen der Kurzzusammenfassung der Bundesliga im Free TV heben könnte, war schon sehr, sehr speziell. Ich sah Uli Potofski und Burkhard Weber wieder vor meinem geistigen Auge und war nicht wirklich amused.
Noch schlimmer, weil sehr viel realer ist nun aber die Wahrscheinlichkeit, dass noch einer der alten Fernsehfußballsündenfälle zurückkommt. Sat.1, das ZDF unter den Privaten, erwägt – so will es jedenfalls der „Spiegel“ wissen -, seinen Fußballclaim mit „ran“ wiederzubeleben. Hintergrund ist (Gott sei dank und Glück gehabt) nicht die Bundesliga, sondern die Champions League und der Uefa-Cup, für die sich ProSiebenSat.1 die Rechte an den nächsten drei Spielzeiten gesichert hat. Ob das dann unter dem Titel „ran“ laufen wird, steht noch nicht fest; allerdings – so der „Spiegel“ weiter – „habe (die Zuschauerforschung) aber gezeigt, dass die Marke noch immer positiv bewertet werde.“ Wen haben die denn da gefragt? Fußballfans? Oder eher die Kreativen aus den Media- und Werbeagenturen?
Sei’s drum. Angenommen das käme so mit „ran“, was hätten wir als Fans davon? Um das dann zu stemmen, bräuchte es natürlich Personal. Will man auf das alte „ran“-Niveau zurück, eröffnen sich für uns großartige Perspektiven. Entweder sie holen Beckmann und Kerner, aber auch Steffen Simon und Monica Lierhaus wieder aus dem öffentlich-rechtlichen Dschungel zurück (mit so was kennt sich ProSieben ja aus); nur einer dürfte zurzeit nicht wirklich in Frage kommen: Wilfried Mohren. Oder sie halten sich am DSF oder an Premiere schadlos, indem sie Uli Köhler und Jörg Dahlmann erneut auf die pay roll nehmen. Sollte das alles nicht klappen, kann man ja immer noch die alten Kämpen Jörg Wontorra, Oliver Welke, Lou Richter und sogar Gabriele Papenburg fragen. Heißa, was wäre das für eine Show!
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