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Aus dem Volkspark „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“, schallte es gestern durchs Hamburger Stadion. Wie immer nach HSV-Siegen war die Laune bestens, obwohl der 3:1-Sieg gegen Köln einer allenfalls durchschnittlichen Leistung entsprang. Die erste Halbzeit war sogar bemerkenswert schwach und tempoarm, das Führungstor Paolo Guerreros fiel nicht durch einen Spielzug oder nach einem Eckball, sondern wegen eines Ballverlusts des Kölner Innenverteidigers Pedro Geromel. Es war fast die einzige Offensivaktion der Hamburger. Erst nach dem Seitenwechsel zogen sie an und erspielten sich einige Chancen. Guerreros folgerichtiges 2:0 hätte Schiedsrichter Felix Brych aber nicht anerkennen dürfen, weil Zé Roberto im Abseits stand (so wie manch anderer Schiedsrichter vor dem ersten Tor Foul gepfiffen hätte) (Weiterlesen …)

Was alles fehlt: Über das Hoffenheimer Nicht-Tor von Simunic‘ ist ja alles gesagt (außer dass Rensing gut reagiert hat). Oder gibt es jemanden, der die Meinung vertritt: Wer nicht in der Lage ist, den Ball ins Netz zu schießen, der hat auch kein Tor verdient? Was alle aber übersehen haben: Das Bayern-Tor war irregulär, denn Olic stand bei Altintops Pass auf Pranjic im Abseits. Das Tor hätte aus gleichem Grund aberkannt werden müssen wie das des Leverkuseners Gekas, als Kießling, in Abseitsposition, den Gegenspieler blockte. Das tat Olic mit Beck, also war er nicht passiv. So gleicht sich alles aus.

Zum Thema van Bommel, der Checker, habe ich zwei Denkrichtungen vermisst: 1. Warum wird der DFB nicht zu Ermittlungen aufgefordert? 2. Und die Meinung, von dem ich allerdings auch nicht weiß, wer sie vertreten könnte: Unter Klinsmann hätte er dafür noch Rot bekommen. (Eine These, die ich allen Verschwörungstheoretikern gratis reiche.) Zu weitgehend fand ich hingegen, dass Dietmar Hopp Elfmeter haben wollte. Im eigenen Strafraum wohlgemerkt.

Im Doppelpass stieß der diesmal extrem schroffe Manni Breuckmann kritisch das Thema Anstoßzeiten und Amateurfußball an. Und wurde vom Moderator Jörg Wontorra gebremst: „Mal nicht vom Thema abkommen!“ Ist das Thema von der Redaktion unerwünscht, gibt es gar Absprachen? Ist ja schon ungewöhnlich in einer Sendung, in der eigentlich alles erlaubt ist (siehe unten). Ich werde der Redaktion mal ne Mail schicken und fragen.

Christian Seifert gab bei der Diskussion um den Videobeweis zu bedenken, dass „das Spiel“ die gleichen Regeln haben solle, in der Bundesliga wie in der Kreisliga. Mal abgesehen davon, dass ich den Eindruck hatte, dass er aus Scham kurz zögerte, das Wort „Kreisliga“ in den Mund zu nehmen – in der Kreisliga gibt’s keine Linienrichter. Aber woher soll das Herr Seifert wissen?

Eine letzte Ergänzung: René Martens weist im Rheinischen Merkur darauf hin, dass die ARD durch Fußball am Sonntag die Tagesthemen beschädigen könnte.

Hab ich das geträumt … oder hab ich gestern (nach Bayern gegen Hoffenheim im Dezember 2008) das zweitbeste Bundesliga-Spiel meines Lebens gesehen? Die Wolfsburger scheinen jedenfalls da weiterzumachen, wo sie im Mai aufgehört hatten. Wuchtiger Angriffsfußball, dennoch eilen nach Ballverlust rasch acht bis neun Spieler hinter Ballhöhe. Zwei Giftzwerge im defensiven Mittelfeld, Josué und Karim Ziani. Und zwei Stürmer, von denen ich noch immer nicht weiß, wen ich für den besseren halten soll, wer noch stärker als der andere ist (Weiterlesen …)

Oliver Fritsch Alter Zirkuslöwe Frings

von Oliver Fritsch

16:45 Moin moin. Heute Super Sunday in der Bundesliga, drei interessante Spiele: Der HSV will gegen Wolfsburg Platz 1 von der Hertha zurückstiebitzen. Stuttgart tritt im Derby bei den Gelbfüßlern aus Karlsruhe (an). Und wir bloggen das Duell Gut gegen Böse (Weiterlesen …)

René Martens Vom Schiri zum Terroristen

von René Martens

„Fußballschiedsrichtern wird von ihren Aus- und Fortbildern gerne erzählt, ihre Tätigkeit nütze ihnen auch jenseits des Spielfeldes: Sie stärke die Persönlichkeit, trainiere das Durchsetzungsvermögen und fördere den Mut zu unpopulären Entscheidungen. Kritiker hingegen behaupten, bei den Referees handle es sich um autoritäre Charaktere, die es genössen, dass sie wenigstens auf dem Fußballplatz die unumschränkten Herrscher sein können.“ (Weiterlesen …)

Aus meinem Live Blog für Zeit Online (per copy & paste):
Fazit Schlechtes Spiel. Miese erste Halbzeit, leichte Erhöhung der Aktivität und der Dramatik in der zweiten. Eine Schande, dass die Schalker für eine solche Leistung drei Heimpunkte bekommen. Man hätte sie wegen Passivität disqualifizieren müssen. Von den schön stürmenden Bremern der vergangenen Jahre ist auch nicht mehr viel zu sehen. Diego und Pizarro fehlen zudem. Seltsam oder auch bezeichnend, dass sich die Bremer nach dem Spiel selbst loben. Es gab so gut wie keine Strafraumszenen, Flanken erreichten allenfalls Kniehöhe. Technische Fehler, ungenaue Schüsse ausgehend von Spielfeldkoordinaten, von denen man nicht schießt, wenn kein Engländer im Tor steht. Und das gilt für beide Seiten. Von den ehemaligen, aktuellen und künftigen deutschen Nationalspielern (Westermann, Asamoah, Kuranyi, Mertesacker, Özil und vor allen Frings) wollen wir besser nicht reden. Zugegeben, sie waren wie alle bemüht, und es wurde gegrätscht und verteidigt. Aber heute sahen wir in der Tat den 9. gegen den 10. der Tabelle. Mittelmaß. Kampf. Unzulänglichkeit. Wovor hatten die Spieler Angst? Es geht ja nicht gegen den Abstieg.

Ganz schwach auch wieder der Schiedsrichter (Drees). Mindestens zehn Pfiffe, also Freistöße, zuviel. Mindestens. Die Bundesliga – ein Paradies für Faller wie Asamoah. Eigentlich müssten die Schiedsrichter pro Spiel fünf Elfmeter ahnden, wenn sie im Strafraum die selben Maßstäben anlegen würden wie außerhalb des Strafraums. Aber dafür fehlt ihnen das Rückgrat. Und sie bestreiten es auch vehement, dass sie zwei „Foul-Zonen“ kennen. Klar, müssen sie ja auch, wäre ja nicht regelkonform. Außerdem, warum gibt es so gut wie immer drei Minuten Nachspielzeit in der zweiten Halbzeit (übrigens so gut wie nie in der ersten) – unabhängig von dem, was passiert?

Ich hör jetzt auf, aber Sie können gerne kommentieren, wenn Sie sich registrieren. Ich freue mich über jede Wortmeldung. Haben Sie anderes gesehen als ich?

Endstand Schalke-Bremen 1:0 Nach drei Minuten Nachspielzeit, keiner weiß, warum so viel. Fazit folgt sogleich.

87′ Die Schlussphase ist wieder elendig. Schalke gelingen keine Konter, Bremen schafft es nicht in den Strafraum. Almeida schießt aus fünfunddreißig Metern. Ist das Optimismus oder Verzweiflung?

82′ Werders Tormann Wiese klärt zwanzig Meter vor dem Tor. Wäre fast unter dem Ball durchgesprungen. Stürmerwechsel Bremen: Harnik,der Österreicher, für Rosenberg, der heute gespielt hat wie ein Österreicher. Bei Schalke Sanchez für Farfan.

80′ Wenn die Schalker zu kontern versuchen, sieht das aus, als würden sie nicht wissen, dass es einen zweiten Gang gibt.

74′ Schaaf wechsel Bremens Abwehrchef Naldo aus (Niemeyer ersetzt ihn). Mit Marcel Reif weiß ich nicht, warum. Verletzt? Taktischer Wechsel? Ich würde ja Frings rausholen. Gelb für Jones wegen einer fiesen Bodenaktion.

72′ Frings vergisst beim Dribbling den Ball. Engelaars Laufstil eine Mischung aus Elefant, Pferd und Storch (SZ).

69′ Gute Gelegenheit zum Ausgleich: Özil-Freistoß fällt auf Naldos Schienbein, das den Ball leicht Richtung Tor beschleunigt. Aber wozu hat Neuer Hände?

65′ Bremens Linksverteidiger Boenisch, bereits mit Gelb verwarnt, mit dem x-ten Foul „muss“ ausgewechselt werden, und Pasanen nimmt seine Position ein. Oft waren Boenischs Fouls aber nicht so hart wie der Schiedsrichter und Marcel Reif es werteten. Asamoah fällt nun mal gern dramatisch.

61′ Rakitic geht, und Engelaar, der Mann mit dem wunderbaren Vornamen Orlando, kommt.

54′ Es kommt Musik ins Spiel. Zum ersten Mal muss Schalkes Keeper Neuer eingreifen und Rosenbergs Schuss entschärfen. Özil walzerte sich zuvor durch die Abwehr.

48′ Tor für Schalke 1:0 Nach einem sanften Freistoß von Farfan köpft Höwedes ins lange Eck. Es konnte nur nach einem Standard ein Tor fallen.

47′ Boenisch mit zwei groben Szenen: einmal gegen den Ball einmal gegen Rafinha.

16:28 Entnehme Twitter, dass Peter Lövenkrands heute für Newcastle United ein Tor geschossen hat. Kennt Ihr den Namen, liebe Schalker? Kuranyi, heute mit besonders feinem Bartstrich, kommt für Altintop. Wird mit leichten Pfiffen empfangen, aber ich hab auch mindestens ein halbes Dutzend Leute applaudieren hören.

Halbzeit 0:0 Erster Akt des Trauerspiels vorüber. Beide Mannschaften hängt die Angst sichtbar hinten aus den Hosen raus. Jeweils nur eine halbe Chance. Enorm viele Fehlpässe in den Mittelfeldern, schwacher Spielaufbau. Kaum mal ein Dribbling, nicht mal ein gefährlicher Schuss. Und was will Frings? Der kann doch in dieser Verfassung nicht für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Gut, er kämpft, aber er kriegt ja nicht einen Ball zum Mitspieler.

Ich glaub, ich schalte um. Vor allem brauch ich nen Kaffee und ein bisschen Bewegung, bevor mir die Augen zufallen.

16:12 Wieso hat Schalke eigentlich Fabian Ernst verkauft? So kurz vor Ende der Transferperiode. Er war doch Stammspieler.

Jubel, als das Gegentor für Hoffenheim durchgesagt wird.

38′ Es ist ein schlimmes Spiel. Soeben hat Kobiashvili einen Freistoß vors Bremer Tor flanken wollen, und der Ball hat den Boden kaum verlassen. Danach hat Mertesacker wieder einen langen Pass auf die Schalker Verteidigung geknorzt.

32′ Ein Lichtblick in diesem Spiel der Mutlosen: Ivan Rakitic geht durch zwei Gegner durch und versucht es aus spitzem Winkel. Tim Wiese darf endlich fliiiegen. Wollt schon sagen: Rakitic, der mit Kroatien eine starke EM spielte, kanns doch nicht verlernt haben.

29′ Erste Pfiffe gegen Schalke – Rückpass von der Mittellinie.

26′ Ach, Du grüne Neune! Asamoah schießt mit seinem starken Fuß von der Strafraumecke. Der Ball trifft die Eckfahne. Sowas nennt sich Stürmer, sowas nennt sich (Ex-)Nationalspieler.

19′ Özil schlägt gute Ecken. Vielleicht ein Grund mehr dafür, dass man sich auf den deutschen Nationalspieler Özil freuen sollten. Löw hat ihn am Donnerstag für das Norwegen-Spiel nächsten Mittwoch nominiert. Er war ja auch bei der Türkei im Gespräch. Lies FAZ.

15′ Bremen ist bislang die „Heimmannschaft“: mehr Ballbesitz, mehr Drang nach vorne, eine Kopfballchance durch Naldo nach einem Eckball. Allerdings sehen wir viele leichte Ballverluste von Frings, Baumann, Metzelder, der vorhin den Ball unbedrängt ins Nichts gepasst hat. Viele Unterbrechungen durch den Schiedsrichter – erstens weil ordentlich gegrätscht wird (schieben wir es mal auf den Regen), zweitens weil ein deutscher Schiedsrichter pfeift. Stöhn.

Die Aufstellungen schnell nachgereicht:

Schalke: Neuer – Westermann, Bordon, Höwedes, Rafinha – Jones, Kobiashvili, Rakitic – Farfan, Altintop, Asamoah (Kevin Kuranyi sitzt auf der Bank)

Bremen: Wiese – Boenisch, Naldo, Mertesacker, Fritz – Baumann, Frings, Tzilois, Özil – Almeida, Rosenberg

Schiedsrichter: Jochen Drees

Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)

15:22 Ich sitze auf dem Sofa und freue mich mit Ihnen, liebe Leser, auf das Spiel. Natürlich auf Ihre Kommentare. Wir haben uns für Schalke gegen Werder entschieden, weil in diesem Match die meiste Brisanz liegt; lesen Sie auch den Vorbericht der SZ. Beide Klubs spüren, dass sie an einer Epochenschwelle stehen könnten. Sehen wir gleich zwei Fußballruinen? Was besonders bei Werder zu fürchten ist, denn es ist die Mannschaft, die bis vor kurzem Liebling der Ästheten war (bis Hoffenheim kam und sie ablöste). Ohne dass mein Herz für Bremen schlägt – man musste seine Spielweise, von der noch immer Spuren zu erkennen sind, einfach mögen. Über Schalke will ich nicht viel sagen, denn ich möchte keine religiösen Gefühle verletzen.

Interessant ist natürlich auch die Partie Gladbach gegen Hoffenheim, Letzter gegen Erster, Geschichte gegen Gegenwart, Tradition gegen Emporkömmling.

15:13 Haben sich Bremen und Schalke in den vergangenen daran verhoben, Bayern München Konkurrenz zu machen? Ist es nur eine schwache Saison oder werden die beiden Klubs Hoffenheim, Wolfsburg, Hertha und Hamburg dauerhaft den Vortritt lassen? Oder können beide die Saison noch retten? Bremen hat man ja schon häufiger zu früh abgeschrieben. Und die Verantwortlichen reden ja noch immer von den „internationalen Plätzen“.

15:10 Moin moin

Mladen Petric steht noch lange nach dem Abpfiff in der Mixed-Zone: „Das war mein bester Tag in Hamburg, so eine Stimmung wie heute gab es nicht einmal in Dortmund.“ Dieser Vergleich heißt etwas, das erfüllt auch heimischen Journalisten mit Stolz, die Petric zuhören. Hinter ihm liegt der Rückrundenbeginn, hinter ihm liegt der Sprung an die Tabellenspitze. Hinter ihm liegt ein hinreißend spannendes und gutes Spiel zwischen dem Hamburger SV und Bayern München, in dem er vor ausverkauftem Haus (57.000) zum Hauptdarsteller geworden ist: Er schoss das einzige Tor.

In der 44. Minute konnte Münchens Torwart Michael Rensing einen Weitschuss David Jarolims nur in die Strafraummitte, aber immerhin nach oben abwehren. Petric hob den steigenden Ball geistesgegenwärtig per Kopf über Rensing hinweg. Ein anspruchsvoller Treffer, denn er konnte den Ball nur durch einen sehr hohen Seitwärtssprung erreichen und nur durch extreme Bogenspannung im Oberkörper so viel Fahrt mitgeben, um ihn ins gut zehn Meter entfernte Ziel zu schicken. Dass Petric ein perfektes Kopfball-Timing hat, bewies er oft im Hamburger Strafraum, den er bei Freistößen und Eckbällen des Gegners bewachen muss. Einige Male konnte er die Hereingaben Bastian Schweinsteigers entschärfen. Das macht Stürmer besonders wertvoll.

Doch wer konnte damit rechnen, dass kein Tor mehr fallen würde? Und wer kann es im Nachhinein erklären? Schließlich ließen beide Teams nach sechs Wochen Winterpause keinen Zweifel an ihrem Tatendrang. Die Hamburger begannen mutig und stark, sie wollten beweisen, dass Hamburg nicht Stuttgart ist, das die Bayern vor drei Tagen zerfleddert hatten (5:1). Und wonach Fußballdeutschland wie üblich fragte: Wer kann diese Bayern bremsen?

Bereits zu Beginn näherten sich beide Mannschaften den Toren des Gegners gefährlich. Bastian Schweinsteiger löffelte eine Flanke Christian Lells über das Tor (3.), wofür er sich nachher von Trainer Jürgen Klinsmann rüffeln lassen musste. In der 6. Minute endete ein Versuch Piotr Trochowskis am Pfosten. Der HSV setzte die Bayern-Abwehr unter großen Druck.

Strafraumszenen gab es für drei Spiele. Dem Feld durfte man keinen Augenblick den Rücken zudrehen – abgesehen von einer Phase Mitte der ersten Halbzeit, als die Bayern das Hamburger Tempo aus dem Spiel nahmen und Schiedsrichter Knut Kircher viel zu oft ein Foul erkannte. Am folgenschwersten, als er vor Luca Tonis Tor (29.) einen Regelverstoß gesehen haben wollte. Als einziger im Stadion neben seinem Assistenten. Selbst in der kurzen Phase zwischen Tor und Halbzeitpfiff, als Fans und Stadionsprecher noch skandierten, schossen die Bayern zwei Mal aufs Tor.

In der zweiten Halbzeit flogen die Hamburger Schutzengel Überstunden. So viele gute Chancen für die Bayern! Miroslav Kloses Kopfball (55.) sahen einige hinter der Torlinie; sein abgefälschter Stoß fiel aufs statt ins Netz (66.); Toni nickte einen leichten Ball, eigentlich ein sicheres Tor, aus kurzer Distanz daneben (69.); einen Kullerer des eingewechselten Tim Borowski schaute Tormann Frank Rost um Zentimeter am Pfosten vorbei (80.); und als Klose zwar Rost überwand, aber Jérome Boateng auf der Linie im Weg stand (83.), war klar: Das HSV-Tor ist an diesem Abend versiegelt. Auch die Nachspielzeit, in der man gegen Bayern in Hamburg seit 2001 die Luft anhält, verstrich. Fast hätte sich noch Rensing bei einem Eckball die Gelegenheit geboten, den Ausgleich zu erzielen. Aber irgendetwas und irgendwer verhinderten es irgendwie im letzten Moment.

Auch Hamburg stürmte ständig, auch bei Führung: Petric‘ Kopie des Morlock-Tors von Bern 54 unterschied sich vom Original durch den Pfosten (46.) als Ende, Trochowski und Paolo Guerrero fürchteten durch Rensing wenig Widerstand – so oft und aus so ungünstigen Positionen schossen sie aufs Bayern-Tor. Und das alles ohne den gesperrten Ivica Olic. Allerdings sollten die Hamburger Überzahlkonter üben, wie auch Trainer Martin Jol gesteht: „Damit bin ich unzufrieden.“

Nach dem Spiel bewahren die Bayern Größe und machen die unerwartete Niederlage nicht am Schiedsrichter fest. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge kann nicht ausschließen, dass das Erlebnis Stuttgart manchem Spieler den Kopf verdreht hat. Jürgen Klinsmann, der sich dieser These anschließt, ärgert sich über Unkonzentriertheiten in den ersten 30 Minuten. Manager Uli Hoeneß soll zwar Schiedsrichter Kircher in der Kabine aufgesucht haben, doch es sei „nicht emotional zugegangen“ (Kircher). Ihre Besten waren Philipp Lahm und, der 69. Minute zum Trotz, Luca Toni. Für Hamburg (neben Petric) Trochowski und Jarolim, der sich Fleißkärtchen verdiente.

Der HSV kann auf eine aufregende Woche zurückschauen: Erst die Mitgliederversammlung am Sonntag, deren Wahlergebnis dem Klub Ruhe gibt. Dann der Einzug ins Pokalviertelfinale gegen 1860 München am Dienstag. Nun der Sieg gegen die Bayern, vorübergehend Platz 1 und das Verdienst, allen gezeigt zu haben, wie spannend die Bundesliga werden kann.

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Der Support der Fans hat nicht darunter gelitten, dass ihr Vorsänger die Aufsichtsratswahl verloren hat. Petric hatte mit nichts anderem gerechnet: „Die Fans stehen hinter uns, sie machen uns stark, das wussten wir.“ Der HSV, zurzeit ein einiger Verein.

Im Fußball müssen diejenigen, die etwas Neues anstoßen wollen mit dickköpfigen Reflexen leben – so ist es auch nun mit dem Videobeweis, eine technische Hilfe für den Schiedsrichter, die auch einige andere Sportarten nutzen. Die Kritiker wehren sich mit Händen und Füßen und fürchten nicht weniger als die „Entmenschlichung“ des Fußballs (Weiterlesen …)

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