Hennes am Marienplatz
von Oliver Fritsch
Martin Sonnleitner hat auf Zeit Online (für die ich auch schreibe) über Lukas Podolskis vermutliche Wechselabsichten geschrieben: „Podolski hat abgeschlossen mit München, das steht in seinen immer öfter verspannten Mundwinkeln geschrieben.“ Der Autor hat auch einen etwas älteren Youtube-Clip vom ewigen Kölner gefunden, den ich noch nicht kannte – was nicht verwundert, weil ich zugeben muss, dass es für mich anziehenderes gibt als Meisterfeiern des FC Bayern:
Ja schön öffentlich und laut!
von Günter Clobes
Irgendwie scheinen die Zentrifugalkräfte im Fußballs hierzulande zugenommen zu haben. Ganz wesentlich daran beteiligt sind im Moment aufmüpfige Spieler und schlechtberatene Entscheider. Denn jeden Tag gibt es neue Meldungen über Rücktritte, Auffälligkeiten und das Prinzip „Stille Post“ über die Medienbande.
In München tanzt Berlant Gökan mit einer Kokainabhängigkeit (!) aus der Reihe und muss das Reich der Löwen verlassen. Auf Schalke ist die Lage noch konfuser: Zuerst kehrt der gefrustete Kevin Kuranyi vorzeitig von der Nationalmannschaft zurück nach Haus. Dann werden die „Uruguayos“ (Heribert Fassbender) Carlos Grossmüller und Gustavo Varela aus ominösen „disziplinarischen Gründen“ suspendiert – wobei Manager Andreas Müller in allen Fällen und Belangen ein merkwürdiges Bild abgibt. Freundlich gesagt: Kommunikation suboptimal.
Ähnliches passiert bei der Nationalmannschaft, der momentan auffälligsten Großbaustelle. Nach Kuranyis Nacht- und Nebelaktion hat die Sache richtig schön Fahrt aufgenommen. Erst macht Torsten Frings seinen Unmut öffentlich und lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Dann legt Michael Ballack, der „Capitano“ noch mal richtig nach. Und als wäre das noch nicht genug, begibt sich auch der wohl doch recht dünnhäutige und gar nicht mehr so nette Herr Löw auf dasselbe fragile Gelände. Er will Ballack zu einem klärenden Gespräch, wahrscheinlich aber eher zu einem Canossa-Gang nach Deutschland zitieren. Gleichzeitig – schon mal als deutliche Warnung – reklamiert er die alleinige Aufstellungs- und Deutungshoheit bei der Nationalmannschaft.
Zu verstehen ist das alles nicht. Denn unerklärlicherweise läuft die gesamte Auseinandersetzung gerade zu selbstverständlich und leider nur über die Presse, die das Ganze mit der ihr eigenen Dynamik genüsslich auswalzt. Was soll das alles? Wo ist der vor kurzem noch so oft beschworene Teamgeist und -charakter, der eigentlich echte Auseinandersetzungen auf Augenhöhe aushalten müsste? Warum ging das nicht intern beim letzten Treffen, warum nicht übers Telefon oder sonst wie bilateral? Wo ist die soziale und kommunikative Kompetenz der „Fußballerneuerer“ beim DFB (sprich: bei Löw und Bierhoff)? Gerade in Sachen Nationalmannschaft sollte der Ball flach gehalten werden (und das nicht nur während des Spiels). Sie ist erkennbar in einer Umbruchphase, die eben Reibungen erzeugt. Ob Jogi Löw sich damit einen wirklichen Gefallen tut, den Herr-Hause-Standpunkt zu vertreten und Ballack wie einen Schuljungen stramm stehen zu lassen, ob er sich so von einer nachhaltigen Lösung nicht immer weiter entfernt, ist die Frage. Besonders schlau erscheint es allerdings nicht, sich mit dem einzigen Nationalspieler mit internationalem Format derart anzulegen. In letzter Konsequenz werden nämlich alle die erwähnten Zentrifugalkräfte aushalten müssen. Auch der Nationaltrainer.
Jens Kroh
Seit drei Jahren gratuliert mir Karl-Heinz Rummenigge jedes Jahr schriftlich zum Geburtstag. Auch kurz vor Saisonbeginn denkt der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG immer an mich und schickt mir den aktuellen Fanartikelprospekt des Rekooooordmeisters. Dieses Schreckensszenario habe ich mir selbst zuzuschreiben, war ich doch 2005 einen Moment unaufmerksam – nennen wir es beim Namen: gefühlsduselig. Ein treuer Weggefährte von mir, gleichzeitig notorischer Bayernfan, feierte Hochzeit und als Zeichen, dass echte Freundschaft auch die tiefsten Gräben überwinden kann, habe ich ihm eine FC Bayern-Krawatte geschenkt. Da ich das Utensil auf elektronischem Wege orderte, befinden sich meine persönlichen Daten seither im Besitz der Münchner. Mit bekannten Folgen. Jedes Mal, wenn ich wieder Post aus München erhalte, denke ich, das ist wohl die gerechte Strafe Gottes (der, wie wir spätestens seit Getafe wissen, selbst in Lederhosen bekleidet, den Lauf der Dinge mehr schlecht als recht überwacht).
Doch nach geschätzten zehn – und gefühlten hundert – Prospektsendungen aus München wird mir allmählich klar: Das Unheil ist der Lösung erster Schritt. Der „Break-Even-Point“ ist bald erreicht. Denn in drei Jahren sollte der FC Bayern den Gewinn, den er durch meine Bestellung erzielt hat, durch die Zustellkosten für die Prospekte wieder eingebüßt haben; es braucht hier nicht erwähnt zu werden, dass sich die Bestellung trotz Werbeträger des Schlages Mark van Bommel, Christian Lell und Martin Demichelis niemals wiederholen wird. Denkt man die skizzierte Konstellation konsequent zu Ende, dürften die Münchner spätestens 2012 jährlich einen Verlust von 2,90 Euro durch mich verzeichnen. Bis an mein Lebensende (bei derzeitigen Lebenserwartungsprognosen nicht vor 2060) dürfte ich ihr Festgeldkonto somit um fast 150 Euro erleichtert haben.
Daher verstehe ich mich mittlerweile als leuchtendes Beispiel für weitere Fußballfans, die sich überlegen, wie sie die Dominanz der Bayern durchbrechen können. Ihnen rate ich: Bestellt das günstigste FCB-Gadget (Tipp „Aufkleber Emblem“ zu 2 Euro) per Online-Versand und freut Euch, wenn teure Hochglanzprospekte in Eurem Briefkasten eintreffen; obschon es vor Nachbarschaft und Briefträger durchaus peinlich ist. Gleichzeitig muss ich aber auch mahnen: Vielleicht lässt sich der FC Bayern nämlich gar nicht so leicht ruinieren und verzichtet auf Zusendung von Geburtstagsgrüßen und Werbematerialien, sobald über längere Zeit keine Bestellung eingeht. Doch wer glaubt schon, dass der Kampf gegen die Marktmacht des FC Bayern München ein gänzlich risikofreies Unterfangen ist?
Jens Kroh ist Verteidiger beim MTV Gießen und Autor
Nicht fummeln, Katsche!
von Oliver Fritsch
Christian Eichler singt in der FAZ Hans Georg Schwarzenbeck ein fröhliches Ständchen, der heute sechzig Jahre alt wird. Also die Geschichte des treuen Dieners des großen Künstlers Beckenbauers, der heute ein bescheidenes Dasein als Kioskbetreiber führt (Weiterlesen …)
« Vorherige Seite