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Oliver Fritsch Wie zu Schwarzenbecks Zeiten

von Oliver Fritsch

Die deutsche Nationalmannschaft hat beim 0:3 gegen die Tschechen viele Fehler fabriziert: Schweinsteigers Fehlpass vor dem 0:1, danach Metzelders missglückte Abseitsfalle; das 0:2 wurde den Tschechen dadurch ermöglicht, dass das zentrale Mittelfeld Frings und Schweinsteiger den langen Ball des Torwarts Czech nicht erkannt hat (Stichwort zweiter Ball) und Frings dann „mit dem Gesicht zum eigenen Tor verteidigen“ (Jürgen Klopp) musste, bevor Metzelder schwach im Zweikampf agierte; vor dem 0:3 ein Ballverlust im Mittelfeld, zögerliches Verteidigen auf der rechten Abwehrseite und ein etwas hölzernes Verteidigen von Friedrich.

Doch wer bei allen drei Toren schlecht und einmal sogar schlimm (ja, schlimm) aussah, war Marcell Jansen. Beim ersten Tor hebt er sekundenlang den Arm, um dem Assistenten eine Abseitsentscheidung abzuringen. Das kann man sich doch als Fußballprofi wirklich mal abgewöhnen. Gut, diesen Fehler kann man noch hinnehmen. Schauen wir auf den dritten Treffer, der genau dort fällt, wo ein Linksverteidiger zu sein hat. Gut, zu dieser Phase des Spiels vernachlässigt man schon mal die Abwehrarbeit.

Doch was um Gottes Willlen macht er bei zweiten Gegentor? Der Linksverteidiger folgt dem Gegenspieler bis ins Zentrum, wie ein Manndecker aus den 80er Jahren, und die linke Abwehrseite, auf der das Tor erzielt wird, ist völlig verwaist. Meine Güte, ich dachte, solch einen offenen Raum sieht man allenfalls noch in der Kreisliga.

Bitte jetzt nicht entgegnen, das sei mir diesen Eintrag wert, weil es sich um einen Bayern-Spieler handelt. Ich schreibe das deswegen, weil ich nirgendwo über Jansens Fehler lese. Auch Béla Réthy ist er nicht aufgefallen. Doch besonders Jansens Abwehrverhalten beim 0:2 lässt einem die Haare zu Berge stehen. Spielen wir noch wie zu Schwarzenbecks Zeiten? Kleiner Exkurs: Urs Siegenthaler hat bei der Analyse des WM-Halbfinals 2006 zwischen Deutschland und Italien festgestellt, dass sich die Laufwege aller Viererkettenmitglieder in Abwehr und Mittelfeld, und zwar in beiden Teams (also aller sechzehn Spieler in den vier Viererketten), in den ganzen 120 Minuten nie gekreuzt haben.

Hier die (zwei) Clips zu den drei Toren:

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4 Kommentare

  1. jlu schrieb am 19. Oktober 2007:

    Sehr schön gesehen! Leider gibt es in Deutschland keinen Kommentator, der fähig wäre, solche Analysen während des Spiels zu liefern. Einen “Fehler” von Metzelder kann man hier nicht unbedingt entdecken. Er hätte sicherlich etwas energischer sein können, aber er kann nichts dafür, wenn Janssen nach links den ganzen Raum aufmacht.

  2. philipps schrieb am 19. Oktober 2007:

    Marcell Jansen war aber, wenn ich das richtig sehe, auch schon beim ersten Tor der rechten Abwehrseite näher als der linken. Das lässt für mich zwei Interpretationen zu: Entweder er hat den selben Fehler gleich zweimal gemacht, oder es handelte sich um eine taktische Anweisung, weniger positionstreu zu spielen als sonst. Müsste man Jogi Löw fragen, der, wenn ich mich recht erinnere, diesen Aspekt in Marcell Jansens Abwehrverhalten ebensowenig bemängelt hat wie die gescholtenen Experten.

  3. onkelheini schrieb am 19. Oktober 2007:

    Ich sehe das ein wenig anders. Der strategische Fehler liegt hier bei Torsten Frings, der in dieser Situation nicht seinen taktischen Platz vor der Abwehr besetzt hat. Wenn Jansen nicht mitzieht, läuft der Spieler frei durch, mit der Gefahr, dass er angespielt wird. Jansen kann den Passweg zwischen ihm selbst und Metzelder zumachen, bleibt das Problem im rechten Abwehrbereich, wo der Tscheche näher am Ball steht als Friedrich und zur Mitte zieht. Mertesacker fehlt, weil er war beim Kopfballduell nach dem Abschlag. Deswegen nur ein Zentralverteidiger in der Mitte. Wenn er hinten fehlt, muss der Mann davor zur Sicherheit hinten sichern. Frings! Der war aber ca. 10m zu weit vorne und hätte tiefer für den zweiten Ball stehen müssen. Eigentlich spielt ein Profi in einer solchen Situation Foul und kassiert Gelb. Dumm gelaufen!
    Zu seiner Verteidigung! Frings war lange verletzt und es fehlt ihm Spielpraxis. Vorher war er sehr gut in Form und hat alle Wege problemlos gehen können. Jetzt fehlt die Spritzigkeit und die Spielpraxis, solche Fehler sind eine normale Folge.
    Ist nicht schlimm, wir sind eh qualifiziert.

  4. Oliver Fritsch schrieb am 20. Oktober 2007:

    @philipps: Beim ersten Tor steht Jansen richtig, er muss ja zur Ballseite verschieben. Aber er darf (so gut wie nie) seinen Nebenmann (in diesem Spiel Metzelder) “kreuzen”.

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