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Bald haben wir wieder Zeit zum Bücherlesen, und nicht ganz uneigennützig empfehle ich den 606 Seiten dicken Sammelband Hakenkreuz und rundes Leder. Fußball im Nationalsozialismus. Keine Strandlektüre, aber ein Meilenstein in der Forschung zu diesem Thema. Mit dem Eigennutz hat es folgendes auf sich: Ein Beitrag ist von mir, es geht – was Eingeweihte nicht verwundern wird – um den FC St. Pauli im Nationalsozialismus und dabei insbesondere um die Person Otto Wolff (1907-1992), Ligaspieler Ende der 20er- und während der 30er-Jahre: Er war einer der ranghöchsten Schreibtischtäter der Hamburger NSDAP. Der Multifunktionär Wolff (SS-Rang: Standartenführer) war unter anderem ab 1940 Gauwirtschaftsberater in Hamburg und spielte eine zentrale Rolle bei der Organisation der Zwangsarbeit. Auf dem Platz stürmte er passenderweise rechts. Nach dem Ende des Nationalsozialismus war er wohlgelitten am Millerntor, doch die vereinsseitige Aufarbeitung der Causa hat sich bisher als suboptimal erwiesen – und das ist natürlich einer der springenden Punkte. Weitere Themen unter anderem: die Stadionbauten der NS-Zeit und Fußball im Konzentrationslager.

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3 Kommentare

  1. Max Diderot schrieb am 29. Juni 2008:

    Kotzen könnte ich, kotzen! Einerseits weil der DFB so lange gebraucht hat, um sich seiner braunen Vergangenheit zu stellen, schließlich beauftragte er den Historiker Nils Havemann erst zu Beginn dieses Jahrzehnts mit Forschungen, die in dem 2006 publizierten Buch “Fußball unterm Hakenkreuz” mündeten, und andererseits ob jener Dumpfbalken, die im aktuellen Konvolut des Fußball-Enthusiasmus’ mit schwimmen und mangelnden Respekt durch Brachialgewalt ersetzen.

    Gerade in Süddeutschland gab es ja den für die Zeit des Nationalsozialismus typischen vorauseilenden Gehorsam. Kurt Landauer, ehedem Präsident des FC Bayern München, wurde unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler aus seinem Amt und seiner beruflichen Tätigkeit entfernt und später in Dachau deportiert. Dass der DFB nun einen Julius-Hirsch-Preis verleiht, ist zuerst einmal eine prima Sache. Darüber hinaus gerät aber schnell in Vergessenheit, dass es seinerzeit viele Mitbürger jüdischen Glaubens gab, beheimatet in zahlreichen Vereinen und unterschiedlichen Funktionen, die den arischen Doktrin der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

    Und ebenso erschreckend ist die Willfährigkeit, mit der der “normale” Bürger seinen inkriminierten Zeitgenossen begegnete. Oder sollte man sagen, immer noch begegnet. Auch hier gibt es ein von Anmut strotzendes Zeugnis Julius Hirschs, der die von heute auf morgen erfolgte Abgrenzung beklagt und freiwillig seinen Verein, Karlsruher FV, verlässt. Eben solches tat auch sein Mitspieler Gottfried Fuchs. Dieser und Hirsch waren, glaubt man den Zeugnissen der damaligen Zeit, ein fußballerisches Versprechen, eine Art Traumsturm.

    Unabhängig der faktischen Würdigung, ist für mich eines der schönsten literarischen Zeugnisse, die ein Autor dem Fußball widmen kann, jenes Kapitel aus Ugo Riccarellis Buch “Fausto Coppis Engel” und mit “Die letzte Parade des Torwarts Trussewitsch” überschrieben wurde. Eine Mannschaft aus Spielern von Dynamo Kiew, die sich nach dem Überfall der Ukraine durch die Nazis einem Match gegen ein Team der Besatzer stellen muss.

  2. moz schrieb am 4. Juli 2008:

    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang ja auch, dass “MV” die Initiative “Netz gegen Nazis” scharf kritisiert, weil eben jene durchaus auch Organe wie “Junge Freiheit” und Organisationen wie das umstrittene Studienzentrum Weikersheim kritisch sehen.

    Ohne Worte.

  3. puši kurac schrieb am 31. Juli 2008:

    ist martens nicht der typ, der damals in der spex diesen unsäglichen propagandadreck über die kroatische nationalmannschaft bei der em 1996 zu verantworten hat? ging wohl in die schule eines julius streicher.

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