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Oliver Fritsch Deutschland-Spanien 0:1

von Oliver Fritsch

Zu brav. Die Deutschen verpassten den Moment, das Spiel auf ihre Seite zu ziehen, und zwar in der Anfangsphase. Die Spanier begannen sehr verhalten, sogar nervös, doch den Deutschen fehlte der Glaube daran, schon in den ersten Minuten ein Tor schießen zu können. Klose ersprintete einen zu leichtsinnigen Pass von Ramos, doch statt zum Schuss zu kommen, legte er sich den Ball ins Aus. Zu brav. Eine verpasste Gelegenheit. Gleiches gilt für den harmlosen Schieber Hitzlspergers ein paar Minuten später. Zu brav. Als echte Turnierbestie hätte Deutschland in den ersten zehn Minuten mehr Eindruck machen müssen, stärker Gefahr ausstrahlen, wenn nicht sogar in Führung gehen.

So konnten sich die Spanier nach einer Viertelstunde rasch eine Überlegenheit erspielen, auch begünstigt durch Ballverluste und Fehlpässe von Podolski, Frings, Hitzlsperger, Ballack, Schweinsteiger (jemanden vergessen?). Das 1:0 brachte die ballsicheren Spanier auf den richtigen Weg, und bis auf eine kurze Druckphase um die 60. Minute änderte sich nichts mehr an dem Erscheinungsbild: Die Spanier konnten den Ball verstecken oder monopolisieren und ließen die Deutschen hinterher hecheln. Nicht mal die Brechstange fanden sie. Zu brav. Zu brav. Zu brav.

Dabei wäre das Gegentor leicht zu verhindern gewesen. Lahm war schon vor Torres, daher schien die Sache geklärt. Zu brav. Ob er die Szene zu früh abhakte? Ob Lehmann rief? Aus meiner Sicht trägt auch der deutsche Torwart eine Mitschuld an dem Treffer. Wenn er nicht so weit raus geht und zu Boden geht, wäre die Sache nur halb so gefährlich gewesen.

Eigentlich rächt es sich im Fußball, wenn man trotz einer solchen Überlegenheit und mit so vielen Chancen nicht das zweite Tor schießt. Spanien war schlampig am fremden Strafraum. Aber Deutschland war zu müde, um Autorität auszuüben und den Gegner zu bestrafen. Die Flanken waren bis auf eine von Ballack harmlos, die Pässe blieben hängen, zum Schießen kamen sie kaum, Casillas musste ja fast nicht eingreifen.

Doch halt! Eine Situation hätte fast den Mythos von den Glücksrittern wiederbeleben können. Die Situation in der 91. (?) Minute hätte ich gerne noch mal in der Nachberichterstattung analysiert gesehen. Gomez soll Puyol gefoult haben, jedoch war aus meiner Sicht davon keine Spur zu sehen. Es wäre Deutschlands große Chance zum Ausgleich gewesen, Gomez stand ja alleine vor Casillas. Sehe das nur ich so, dass das eine entscheidende Szene war – unabhängig davon, dass ein Ausgleich, klar!, sehr unverdient gewesen wäre? Schiedsrichter Rosetti war ohnehin schwach. Viel zu kleinlich im Mittelfeld (fast auf Fandel-Niveau), Silvas Kopfnuss übersehen (kann abseits des Spielgeschehens aber passieren) und Situationen im Strafraum anders bewertet als außerhalb. Dass das Spiel mitunter sehr behäbig war, lag auch an seinen vielen Pfiffen.

Bester Deutscher im Finale war Jansen, der in der zweiten Halbzeit kam und den linken Gleis mit Engagement bearbeitete. Mertesacker schlug sich tapfer, und Lehmann hielt sein Team im Spiel. Schwach waren Friedrich, der sich ein paar Mal überlaufen ließ und im Spiel nach vorne wertlos ist. Podolski wurden seine Grenzen gezeigt, sein Spiel ohne Ball ist … aber ich will mich nicht dauernd wiederholen. Ballack absolvierte erneut ein sehr hohes Pensum, doch das Angriffsspiel konnte er nicht lenken. Allerdings war er an so gut wie jeder der wenigen gefährlichen Szenen beteiligt. Schweinsteiger glückte viel weniger als zuletzt. Pech natürlich auch, dass Lahm ausfiel.

Auf Spaniens Seite war Torres immer gefährlich, Xavis Wirken war meisterlich, Puyol und Marchena hatten hinten alles im Griff, und Senna verhaftete alle, was sich seiner Gefahrenzone näherte. Spanien ist die beste Mannschaft des Turniers, sie haben ihren schönen und erfolgreichen Stil konstant gezeigt. Es ist auch eine faire und sympathische Mannschaft.

Für Joachim Löw und sein Team ist Platz 2 ein großer Erfolg, der ihm viel Auftrieb, aber auch neue Erfahrungswerte mit auf seinen Weg geben wird. Doch die spielerische Leistung fällt in der Gesamtbilanz mindestens eine Note unter der Erwartung aus. Auch die Abwehr wackelte fast im ganzen Turnier, Lehmann scheint über den Zenit. Von der Reservebank kamen selten Impulse. Ich bin gespannt, ob neue Spieler eine Chance bekommen werden.


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108 Kommentare

  1. Dr. Soccer schrieb am 30. Juni 2008:

    “Sehe das nur ich so, dass das eine entscheidende Szene war – unabhängig davon, dass ein Ausgleich, klar!, sehr unverdient gewesen wäre?”

    Nein, Herr Fritsch, Sie sind nicht der einzige. Ich sehe das genauso und ärgere mich still in mich hinein. Aber will man mit so einem “lucky punch” tatsächlich die Verlängerung erreichen und dann am Ende auch sogar noch gewinnen… na selbstverständlich!

    Doch wäre es soweit gekommen? Nochmal Fritsch: “Gomez stand ja alleine vor Casillas.” (Böse Zungen würden jetzt sagen: er hätte schon alleine HINTER Casillas stehen müssen…) Vermutlich hätte Gomez (dessen Großeltern in einem Dorf in, äh, Spanien leben, wie Herr Bartels investigiert hat) heute aber das Tor gemacht und sich als “Bierhoff 2.0″ rehabilitiert.

    Doch wie sagte Jens Lehmann in seiner besten Szene nach dem Spiel: “…hätte, hätte, hätte. Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.” Hätte, hätte, hätte in der Schlussviertelstunde nur eine Aktion auf dem Platz die Spitze und Entschlossenheit dieses Karl-Kraus-würdigen Sprachkabinettstückchens erreicht, ja dann…

  2. Shileno schrieb am 30. Juni 2008:

    Nun hat sicher mit Spanien die sowohl ueber das ganze Turnier als auch im Finale beste Mannschaft gewonnen. Ich moechte das folgende auch nicht als Nachtreten verstanden wissen, aber ein bisschen sauer stossen mir schon 3 Fehlentscheidungen auf, die das Spiel haetten entscheiden koennen (da isser wieder, der Konjunktiv):

    1) der nicht gegebene Elfer nach dem Handspiel. Ich weiss nicht, ob man den geben _muss_, aber ich habe schon weniger eindeutige Handelfmeter gesehen
    2) die nicht gegebene rote Karte gegen Silva nach dem (leichten, aber Taetlichkeit ist Taetlichkeit) Kopfstoss gegen Podolski
    3) die schon angesprochenen Szene, wo der Schiri Foul gegen Schweinsteiger oder Gomez pfeift, ich in der Wiederholung aber nur einen Schwaecheanfall des Spaniers erkennen konnte

    Moegliche Fehlentscheidung zugunsten Deutschlands: Lehmann’s Handspiel, wenn es denn ausserhalb war.
    Verdient waer ein deutscher Sieg nicht gewesen, aber vielleicht haetten sie ja besser gespielt nach einem evtl. Ausgleich durch den Handelfer (Konjunktiv, ich weiss)

    Ansonsten kann sich die deutsche Mannschaft gerne noch in Sachen Passsicherheit und Standards steigern, damit die Folge 2006 – Platz 3, 2008 – Platz 2, 2010 ihren gebuehrenden Abschluss findet ;-)

    P.S.: Bin ich der einzige, der meint, dass Metzelder in der Szene vom 1-0 bis zur Torlinie haette weiterlaufen muessen? Ich habe ausser Torres keinen Spanier in der Naehe gesehen.

  3. Pumababy schrieb am 30. Juni 2008:

    Wahrscheinlich kennt jeder aktive Spiele, in die man nicht reinkommt. Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann, sind Spiele in denen man schon ist und sie dann einfach wegwirft.

    Die Mannschaft hat doch gut begonnen – den Ballführenden “gedoppelt”, die Anspielstationen dicht gemacht, kompakt gestanden und im richtigen Moment hellwach (aus allen dreien nicht zuletzt die Chance von Klose) – und dann? Nichts mehr von alledem. Sie hatten ein Rezept (wenn auch ein Kraftraubendes…aber wir sollten ja die physisch stärksten im Turnier sein – dann muss man das länger als 20 Minuten können).

    Und dann auch noch alle “Tugenden” vermissen lassen und spontan das Passen verlernt. Den Kopf ständig unten und eine fatale “Linkslastigkeit” – ständig kam der Ball von links in die Mitte um dann direkt wieder zurückgespielt zu werden. Die Rechte Seite vollkommen verweist und selbst die sonst schlechte Kommentatorenriege hats gemerkt.

    Der 2. Platz ist ein Erfolg, Spanien ein verdienter Sieger – allein man kann sich über einen 2. Platz nicht freuen wenn man das Gefühl hat nicht alles gegeben zu haben.

  4. Oliver Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Nein, Shileno, das hätte ich Metzelder auch gefragt. Wie so vieles andere auch.

    Ich finde es übrigens arg despektierlich, wie es jetzt überall heißt: wieder nur Platz 2 für Ballack. Nur zur Erinnerung, es war sein erstes Finale mit der Nationalmannschaft.

  5. ckwon schrieb am 30. Juni 2008:

    Beim 1:0 tragen meiner Meinung nach Lehmann, Lahm und Metzelder auch nur eine kleine Teilschuld. Bereits der Pass an der Mittellinie kann unbedrängt gespielt werden. Dazu steht dann noch der Vorlagengeber praktisch völlig frei und kann ungestört zu Torres in den lauf spielen. Das Tor muss man also eigentlich der ganzen Mannschaft ankreiden.

    Und, das hat diese EM gezeigt, Fußball ist einfach ein Mannschaftssport. Die Spanier waren die bessere Mannschaft. Da hatte jeder der formidablen Mittelfeldspieler mal ein schlechteres Spiel, die Kollegen haben es aber rausgeholt.

    Mann des Turniers für mich: Senna, der eben diesem Mittelfeld das Ganze erst ermöglicht hat.

    Und Ballack hat immerhin auch schon Finals gewonnen. zB mit den Bayern den DFB-Pokal. Und Dt.Meister war er ja auch mehrfach.

  6. Martin schrieb am 30. Juni 2008:

    Ganz klar, Spanien hat verdient gewonnen.
    Deutschland hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn noch ein weiteres Tor gefallen wäre.
    Bis auf Portugal, hatte die Elf von Löw, keine großen Herausforderungen zu bestehen.
    Sie trafen auf Topteams wie: Österreich, Polen, Kroatien, Türkei und sind deshalb ins Finale eingezogen.
    “SCHÖNREDEN” dass konnten wir schon immer.
    Selbst Legoland wäre ein starker Gegner!!!! ODER????
    Gruss Martin

  7. Herr Wieland (Drei Ecken, ein Elfer) schrieb am 30. Juni 2008:

    “Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.”

    Und selbst das lief schief, ist der Konjunktiv doch der Freund des Verlierers, den er, um seine Schlechtleistung zu kaschieren, zu Hilfe ruft (um in dem Bild zu beleiben).

    Es war eine schlechte EM der deutschen Nationalmannschaft, und wieso es trotzdem fürs Finale reichte, muss wohl niemandem mehr explizit erklärt werden.

    Vizeeuropameister = Zweitbeste Mannschaft Europas?
    Da lach’ ich mir doch den Arsch ab.

  8. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    Mir schien es, als hätte sich die deutsche Mannschaft ein kollektives Sedativum verabreicht und wollte sich und der Öffentlichkeit immer noch klar machen, dass es ein Aphrodisiakum handelte.

    Also ich bin schon sehr enttäuscht. Nicht ob des entgangenen Titels, die Spanier sind verdienter Sieger dieser Finalpartie und in der Betrachtung des gesamten Turniers die beste Mannschaft gewesen, denn vielmehr der Lethargie des deutschen Teams wegens. Ich vermute auch nicht, sollte sich spaßeshalber der Hinweis ergeben, dass die Diskussion um die “Wade der Nation” zu einer Indifferenz der übrigen Mitspieler geführt haben könnte, dass sich in diesem Endspiel ein einzelner deutscher Spieler überdurchschnittlich hervor hob.

    In einigen Partien dieser EM 08 ließ die Leistung der DFB-Elf zu wünschen übrig. Nun ist ja aller Welt klar gemacht worden, dass der mangelnden individuellen Klasse der Teamgedanke voran steht. Und diese Ein-Teil-steht-für-das Ganze-Philosophie wurde gestern als kollektiver Feigenblattgedanke entlarvt. Von den sprachlichen Attitüden, die vor dem Match aus dem Standard-Rhetorik-Selbstbaukasten gezimmert wurden, à la “Wir werden alles geben um den Pokal zu holen!”, war in der Auseinandersetzung mit Spanien aber so gut wie nichts zu spüren.

    Mich erinnerte der Auftritt der Deutschen an einen nicht mehr juvenilen Herrn, der im Schein der aktuellen Diskussion um die Rente mit 67 noch einmal eine stürmische Liaison mit einer wesentlich jüngeren Dame eingehen will, und dabei die Anforderungen verkennt. Oder sachlicher ausgedrückt: In den vergangenen drei Wochen hat sich das Fußballspiel wieder verbessert. Vorreiter dieser Bewegung sind die Spanier. Und der Finalgegner, nämlich Deutschland, kramt die Historie hervor und beruft sich auf seine Reformen. Nur sind diese nicht mehr aktuell, da sich die Fußballwelt zwischenzeitlich schneller gedreht hat als es sowohl individuelle als auch kollektive Fähigkeiten der Deutschen vermagten.

    Die Auguren haben recht behalten. Schon vor der EM hieß es ja, dass die deutsche Abwehr eine Art Achilles-Ferse sei. Nun wirken einige Bewegungsabläufe der Herren schon alleine ob ihrer Größe etwas unbeholfen. Es war vermutlich auch weniger das Defensivverhalten und mehr das mangelnde aktive Umschalten in Angriffsbemühungen, der schnelle Verlust von Bällen, der mir in Erinnerung bleibt.

    Nach der EM ist vor der EM. AM 14. Juli gibt es erneut die Partie Deutschland vs Spanien. Diesmal bei der U19-EM. Es ist zu anzunehmen, da der fußballerische Ausbildungsgrad der Iberer beispielhaft ist, dass auch diese Partie ein Abbild der gestrigen Begegnung werden wird.

  9. Hexenkessel schrieb am 30. Juni 2008:

    Vor dem Spiel ging ich gestern noch in einem türkischen Imbiss mit dem schönen Namen “Dönerstag” (Donnerstag ist Dönerstag, Döner plus Cola zum Sonderpreis!). Natürlich kamen wir – während ich auf mein Kebab wartete – schnell aufs Finale zu sprechen. Meine Meinung: “Wenn Ballack spielt, gewinnen wir.” Der Dönerfachverkäufer: “Gerade mit dem gewinnt ihr nix.” Am Ende muss ich zugeben: Der Imbissexperte hat mehr Fußballsachverstand als ich bewiesen.
    Deutschland spielte ein schwaches Finale, in dem die Mannschaft zu kaum einer Torchance kam. Und das lag auch an einem ganz schwachen Michael Ballack, der mit seiner Leistung einmal mehr demonstrierte, warum er keine großen Titel gewinnen kann. Viele Fehlpässe des Capitano, gegen Senna selten Sieger im Zweikampf, so ging die Ordnung im Mittelfeld der Deutschen verloren. Sein Spiel war eine einzige Enttäuschung, auch in der Art, wie er mit seinen Mitspielern umging. Da war keine Motivation, kein Versuch, sie aufzurütteln außer durch überhartes Einsteigen gegen den Gegner. Nie vermittelte er den Eindruck, als würde er an seine Mitspieler und ihre Fähigkeiten glauben. Hat ihn seine Zeit in Chelsea so verwöhnt, dass er seiner eigenen Nationalmannschaft nur noch mit herablassender Arroganz gegenüber treten kann?
    So blieb niemand, der die Mannschaft mitreißen konnte. Thorsten Frings hatte schon im ganzen Turnier gezeigt, dass er im Moment zu mehr als Zerstörung nicht in der Lage ist. Genauso ineffektiv agierte der sonst so zuverlässige Hitzlsperger. Lukas Podolski war der beste Rechtsaußen des Turniers aber so wie C. Ronaldo ein Spiel an sich reißen kann er (noch) nicht. Blieb nur Bastian Schweinsteiger, dem man am Ende der EURO bescheinigen muss, der einzige Spieler im Kader zu sein, der während des Turniers zu einer Leistungssteigerung im Stande war. Er rackerte links wie rechts, forderte viele Bälle, gab sich alle Mühe, Mitspieler in Szene zu setzen – nur leider hieß einer davon Arne Friedrich. Seine Flanken sind bereits jetzt legendär in ihrer Erfolglosigkeit, nur noch getoppt von der Willy-Sagnol-Flanke. Im Sturm schließlich war Miro Klose erneut auf sich allein gestellt. Sein Potential als Vorbereiter war damit verschenkt. Von Kuranyi und Gomez wollen wir gar nicht reden. Beide haben unter Beweis gestellt, dass sie ihre besten Leistungen (derzeit) nur auf Bundesliga-Niveau bringen. Torgefahr konnte so gegen die beste Abwehr des Turniers nicht entstehen. Vor dieser Abwehr agierte ein brilliantes Mittelfeld, dass gestern noch einmal eine Lehrstunde in Sachen “Verteidigung durch Ballbesitz” gab. Wie sie die deutschen Defensiven hinterher rennen ließen, war eine Demonstration. Mertesacker und Metzelder, beide Meilen von der WM-Form entfernt, konnten froh sein, wenn sie überhaupt in die Nähe des Balles kamen. Ein sehr starker Jens Lehmann rettete sie vor einer Total-Blamage. Bleibt Philipp Lahm: Wie schon im Halbfinale agierte er unglücklich, diesmal mit einem passenden Ende. Verletzt wurde er ausgewechselt. Dennoch ist er wohl der Spieler, der während des Turniers am meisten für Furore sorgte, nicht nur mit seinem Tor gegen die Türkei. Sein Ersatzmann Marcell Jansen machte vieles richtig, kam aber in eine Mannschaft, die offenbar nie wirklich an den Sieg geglaubt hat.
    Womit wir bei Jogi Löw sind. Auch in der Trainerriege wurden Fehler gemacht. Und damit ist nicht gemeint, dass man Marco Marin statt Piotr Trochowski hätte mitnehmen müssen. Das hätte nichts geändert. Doch Löw geht das ab, was seinen Vorgänger Klinsmann so auszeichnete: Er schaffte es nicht, seine Mannschaft auf den Punkt für ein großes Turnier so einzustellen, dass jeder Spieler geistig wie körperlich in Topform war. Unerklärlich, wie Spieler wie Fritz, Jansen, Gomez sich aus der Mannschaft spielen konnten. Sie fingen stark an, um dann von Spiel zu Spiel schlechter zu werden. Das darf einfach nicht passieren. Andere, wie Hitzlsperger, Rolfes, Klose oder Lehmann agierten so zuverlässig wie ein Bahnfahrplan. Einzig Podolski, Schweinsteiger und Lahm konnten insgesamt überzeugen. Vor allem Schweinsteiger steigerte sich nach desaströsem Beginn großartig. Doch leider ist das zu wenig, wenn man die EURO gewinnen will. Vor zwei Jahren waren die Spieler durch die WM im eigenen Land zusätzlich motiviert. Der Topos der “Bergtour” vermochte diesen Reiz nicht zu setzen. Zu sehr waren einige Spieler mit sich selbst und ihrer Zukunft beschäftigt. Wie oft hat die Mannschaft beschworen, “im nächsten Spiel mit einer anderen Einstellung” auf den Platz zu laufen. Geklappt hat es nur einmal, bezeichnenderweise im einzigen Spiel, bei dem Löw nicht auf der Bank saß. Ansonsten dominierten blutleere Vorstellungen. Dazu leistete sich Löw einige taktische Schnitzer, wie beim Spiel gegen Kroatien als er David Odonkor völlig sinnlos einwechselte. Auch gegen Spanien ging sein 4-5-1, mit dem das Team wenig Erfahrung hatte, nicht auf. Erst mit der Umstellung auf 4-4-2 entwickelten Löws Spieler so etwas wie Torgefahr.
    Die Spanier wurden verdient Europameister. Nach der WM 2002 mit Brasilien setzte sich erstmals wieder das spielerisch stärkste Team bei einem großen Turnier durch. Sie verloren kein einziges Spiel, erzielten am meisten Treffer, kassierten am wenigsten, da bleiben keine Fragen offen. Gegen sie zu verlieren ist keine Schande. Aber dass die deutsche Mannschaft alles versucht hat um zu gewinnen, kann man leider nicht behaupten. Der Mann vom Dönerstag wusste es schon vorher.

  10. Seggel schrieb am 30. Juni 2008:

    Ein Trainer im Trainingsanzug mit einer Frau als offensichtlich wichtigstem Mitarbeiter gewinnt. Was für ein Kontrast zu Jogi, Hansi und Andi. Allein deshalb schon geht das mit dem Sieg der Spanier in Ordnung.

  11. w00t schrieb am 30. Juni 2008:

    Diesmal fehlte nicht nur das Glück, nein es kam auch noch Pech dazu. :D

    Aber immerhin: Die Mannschaft hat sich nach der eher mittelmäßigen Partie gegen die Türken doch sichtbar verbessern können. Gelangt hats gegen die überragenden Spanier leider nicht.

    Dies ist aber kein Grund, die Leistung der deutschen Mannschaft madig zu machen. Der Einzug ins Finale wurde nicht micht schönen Spielen sondern mit einer Art effektivem Minimalismus erreicht. Dienst nach Vorschrift statt Zauberfußball. Was solls.
    Wenn eine Mannschaft wie die Türken über weite Strecken ein Spiel dominiert und viele Torchancen hat, die Deutschen ihre raren Chancen aber deutlich besser verwerten kann, dann verliert eben die Türkei. Verdient. Denn für unproduktive Fleißarbeit gibts beim Fußball eben keine Punkte.

  12. schalkoholiker schrieb am 30. Juni 2008:

    um es (wie immer) kurz zu machen: mir hat die em gefallen. bin auch ob der spielerischen leistungen des deutschen teams nicht enttäuscht. hatte nicht erwartet, dass wir den rest europas einfach an die wand spielen und hätte mich deshalb auch über einen glücklichen und unverdienten sieg im finale gefreut.
    jetzt tun sich grandiose freiräume in der freizeitgestaltung auf. die sind auch bitter nötig, um die bier-und-chips-kalorien wieder los zu werden.

  13. jopi schrieb am 30. Juni 2008:

    da hat der herr frisch aber gestern,
    doch eine recht nunja abenteuerliche
    prognose a la gomez abgegeben…wunschdenken
    nennt man so was, aber warum nur?
    wieso sollte sich gomez plötzlich von seiner unterirdischen leistung verabschieden und zum endspiekjoker werden, hey moment:
    war der überhaupt aufm platz…+ kuranyi..
    man da ist keine wirklich spielerisch gute substanz auffer ersatzteillagerbank…fazit:
    löw ade, ballack-> lack ab, frings versprings,
    klose ging in hose, mittelfeld war abbestellt,
    im sturm der wurm, abwehr kam net hinterher,
    summa: ditt war wohl doch zu schwer, aber bitte jetzt nicht die wm mä….

  14. stefan Jacob schrieb am 30. Juni 2008:

    Veränderungen

    Hallo aus Niedersachsen

    Da die Euro nun vorbei ist, kann der ein oder andere Spieler sicherlich über die gebrachte Leistung nachdenken und die hoffentlich richtige Entscheidung für Deutschland treffen. Angefangen bei Lehmann, Rücktritt. Friedrich sollte sich auf den Abstiegskampf in Berlin konzentrieren, Frings mit mehr Spielpraxis die Bayern ärgern und vielleicht bei Senna noch dazulernen oder den Platz räumen, und Klose sollte unbedingt einen weiteren Sturmpartner erhalten.
    Desweiteren sollten vielleicht auch die Einsatzzeiten der Spieler etwas geändert werden. Ballack sagt man konnte zum Schluss nicht mehr zu legen, warum hatte man aber bei den Spaniern immer das Gefühl, wenn nötig noch mal zu legen zu können? Deren Trainer wechselte Mittelfeldstrategen und Stürmer beizeiten aus und wir… ?
    Warum bekommt ein fitter Borowski nicht die Chance, oder ein Trochowski? Auch ein Rolfes ( was ist eigentlich mit Kehl? )hätte einen für mich ganz schwachen Frings ersätzen können.
    Und bitte last den völlig überschätzten Odonkor in Zukunft zu Hause.

    In Hoffnung auf Veränderungen.

    Stefan

  15. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    Hexenkessel, Ihre profunde und detailreiche Analyse ist sehr aufschlussreich und lesenswert.

  16. gam schrieb am 30. Juni 2008:

    Tja, wie soll man mit dieser Niederlage als Fan jetzt umgehen… ich fühle mich um die Trauer beraubt: hätte unsere Elf ein überzeugendes Spiel abgeliefert und verloren, hätte man als Fan allen Grund gehabt, am Boden zerstört zu sein und auch die Analysen hier würden weitaus weniger nüchtern ausfallen.

    Stattdessen müssen wir eingestehen, dass die Spanier verdienter EM-Sieger sind und unsere Jungs nicht wie gegen Portugal ein Feuerwerk abgebrannt haben, sondern wie gegen die Türkei eine grottige Leistung zeigten – mit dem Unterschied, dass es diesmal nicht für den Sieg reichte.

    Man sollte nach so einem Turnier als Verlierer im Finale enttäuscht sein, dass man nur 2. geworden ist – die einzige Enttäuschung, die sich aufdrängt, ist diejenige über das Auftreten der eigenen Nationalelf…

    Geht heute noch jemand zur Fan-Meile nach Berlin oder dürfen Jogi, Poldi, Schweine, Balle, Lutscher und Freunde da alleine feiern?

    Und jetzt Sommerpause…

  17. persiflo schrieb am 30. Juni 2008:

    Kuranyi. Wie viele Aktionen hat der sich denn da eigentlich abpfeifen lassen? Im Abseits lümmeln und den Gegner umschrubben ist eine doch etwas unsubtile Interpretation der Brechstange.
    Und was faselt Ballack da nach dem Spiel? Müde geworden, lange Saison etc… die Spanier hatten auch Saison und das Turnier. Es war versprochen worden, die Spieler seien auf den Punkt topfit.

    Der große Verlierer des Turniers ist für mich Löw. Er hatte alle Möglichkeiten, eine Mannschaft zu entwickeln und reifen zu lassen. Nachdem es das Trostpflaster jetzt nicht gegeben hat scheint es klar.
    Eine eingehendere Analyse enthielte Themen wie die Stabilität Lehmanns, wo Löw es besser wusste als Wenger, das schlichte Verdampfen der geerbten Visionen und Konzepte aus den Worthülsen von “umschalten” bis “Philosophie”, oder diese heillose Psycho-Soße, wohl zur Steigerung von Motivation und Zuversicht; dieses Coelho-hafte Weltbild ist mir zutiefst suspekt.
    Aber jetzt erstmal den EM-Kater kurieren…

  18. methusalix schrieb am 30. Juni 2008:

    “Wir sind schon auf dem Feldberg”.Der Abstieg hat begonnen, nicht erst gestern.Löws EM-Bilanz: ein sehr gutes, ein gerade noch als gut zu bezeichnendes, zwei schlechte und zwei extrem schlechte Spiele. Und im Finale wie gegen Kroatien ein konzeptloser Trainer der sich nicht traut Fehlentscheidungen zurückzunehmen. (i.e. Ballacks Aufstellung war ein Fehler)

  19. Carsten schrieb am 30. Juni 2008:

    @Hexenkessel

    “Podolski bester Rechtsaußen der EM”. Aha.

    Ein “sehr starker Lehmann” wäre auf der Linie geblieben.

    Gomez ist nun doch kein Torres mehr.

    Ballack ist nun wohl auch klobig, pomadig, behäbig, zaudernd, zuguckend, meckernd. Eine Einzelleistung gegen die Österreicher, ein getürktes Tor im Viertelfinale. Es war einmal ein “Capitano”…

    Lahm hat zwei schwere Fehler begangen und Torres hat gezeigt, was die Deutschtümelei und die beschworenen Tugenden wert sind: Endlich mal nichts!

    Quod erat demonstrandum: die bessere Mannschaft gewinnt. Zum Glück. Hut ab!

  20. Irländer schrieb am 30. Juni 2008:

    Morgen Allerseits!

    ne,ne, neee aber auch.

    Man hat schon alles im Voraus gesehn, aber wieder hat keiner auf mich gehört. Das hamm wir nun davon!

    Wie gesagt, ich bin kein echter Fußballexperte, aber wenn es sogar für mich völlig offensichtlich ist, dass die zwei deutschen Innenverteidiger wie zwei betrunkene Walrosse durch den Strafraum geeiert sind (10 points for mixed metaphor!), und beim Gegentor der Aussenverteidiger ausputzen muss, weil Metzelder sich wohl gedacht hat, ach, da komm ich ja eh nicht mehr hin! Sauber. Und dann ist er nicht mal weitergelaufen. Ball könnte ja mal an den Pfosten gehen, und dann müsste man den mal wegschlagen, aber neh, ich lass mir halt lieber nen Vollbart wachsen, da is wohl die Zugluft nich so gut für oder was??? Iss aber ehrlich nich seine Schuld. Wenn er einen Trainer hätte, der aus seiner Einbahnstraßensackgasse mal herausdenken würde, wäre das Metzelder erpart geblieben. Er ist ein guter Fußballer, nicht allzu schnell, aber mit Übersicht. Aber eben nicht matchfit. Löw hatte gutes Recht ihn auszoprobieren, aber allerspätestens nach dem Österreichmatch hätte man sagen müssen: okay, wir habens probiert, es geht halt nich. Im Prinzip haben wir nur gegen zwei Teams mit anständigen Mittelstürmern gespielt: Kroatien und Spanien. Und genau gegen die haben wir auch verloren.

    Wo war Podolski in der zweiten Halbzeit? Am Ball jedenfalls nicht. Hatte schon Angst, dass er sich in der Wiener Kanalisation verlaufen hatte und dort über die Überreste von Harry Lime gestolpert iss.
    Ja, und wen wechselt Löw aus? Klose, der zum ersten mal ein ordentliches Spiel gemacht hat, für den Spiegel sogar der beste deutsche Spieler in der ersten Halbzeit war… In jedem anderen Spiel bisher hätte ich die Auswechslung begrüßt, aber heute hätte ich ihn dringelassen.

    Löw ist gescheitert, die Anfangself war die gleiche wie 2006 (nur Hitzlsperger für den verletzten Schneider), der Fußball war wesentlich schlechter. Er hat das Leistungsprinzip abgeschafft, was sich immer schlecht auf die Motivation der Spieler in der zweiten Reihe auswirkt. Ein Friedrich musste 2006 spielen, weil es keine Alternative gab. Man hat gezittert, aber nicht gemault. Jetzt gab es Alternativen, sie wurden nicht genutzt. Ich hab Westermann nie spielen sehen, aber schlechter hätte er es doch wirklich nich machen können als Schleich und Schnarch (ab und an trifft die Bildzeitung den Nagel auf den Kopf!).
    Löws Ziel war es, attraktiven und erfolgreichen Fußball zu zeigen. Okay, man ist mal wieder ins Finale gestolpert, aber im Gegensatz zu 2002 (ja, ja, das war doch der Rumpelfußball, oder?), war auch das Finale einfach schlecht.
    Anstatt nach vorne ging es quer oder zurück, die langen Bälle nach vor waren ungenau. Die Spanier waren ab der 60sten Minute reif für ein Gegentor. Aragones hat im Gegensatz zu Löw alles dafür getan, dass das deutsche Team noch eine Chance bekommt! (please sign at http://www.aragonesforbundesverdienstkreuz.de) Er hat zwei der besten Spieler ausgewechselt (Fabregas und Torres) und man hätte Spanien nur ein bißchen herausfordern müssen, aber es kam einfach nichts, außer der 5 Minten nach Kuranyis Einwechslung.

    Aber die Selbsttäuschung ging ja schon nach dem verlorenen Heimspiel gegen die Tschechen los. Man verliert 3:0 gegen in tschechisches Team ohne Rosicky und andere Leistungsträger, aber fühlt sich im Kreis der Favoriten, nur weil einige Buchmacher halt auch keine Ahnung haben und Deutschland zum Favoriten machen.

    Ich muss jetzt akademisch werden: In der Kommunikationslehre nennt man das ‘Groupthink’. Ein kleiner Kreis (Löw, Flick, Bierhoff), abgeschottet vom kritischen Umfeld (ich), bestärkt sich gegenseitig in einer falschen Einschätzung der Tatsachen und unterdrückt kritische Äußerungen im nahen Umfeld (nich ich, ich wohn ja in Irland und das is nich nah). Hat zum Untergang des Kommunismus beigetragen (Honecker zu Mielke:’Na, wir sind doch Klasse’. Mielke: ‘Super!’), und in höheren Manageretagen geht natürlich das Gleiche ab (A: sind 5 Millionen Abfindung bei 30% Aktienverlust und total sinnlosen Fusionen zu viel? B: Nee Günther, krieg ich doch bei BMW auch, das passt schon…)

    Ähhh, wo war ich denn jetzt.

    Also, wenn sich Löw an den eigen Asprüchen misst, müsste er zurücktreten. Er hat viel Ahnung, hat aber die großen Entscheidungen alle verhaun. Das hat der Bundestrainer 74 auch, man verlor gegen die DDR 1:0 und dann hat der damals 26-jährige Beckenbauer dem Bundestrainer mal einfach gesagt: So Helmut, jetzt mach ich das mal, hat 3-4 Leute aus dem Team geschmissen, und gegen Schweden hat Deutschland seine beste Turnierleistung gezeigt (http://youtube.com/watch?v=-Zh1ysaoU3I) Na, da hatten wir auch noch einen geborenen Holländer dabei (Bonhoff).
    So, und unser Spielführer? Hätte ruhig mal dem Jogi sagen sollen, was da zu machen gewesen wäre. Ansonsten hab ich von ihm viele Fehlpässe gesehen, gut dass er die Mitspieler zusammengestaucht hat, aber viel besser war er auch nicht.

    In kurzen Worten (ahhh schreit die das gelangweilte Publikum auf, hättest du auch gleich sagen können! Ja, ja…):
    Martin O’Neill (Traineridol, hundert Prozent Leidenschaft, bring mittelmäßige Spieler grundsätzlich dazu in relativ fixem System über sich hinauszuwachsen. Er hämmert es den Spielern so lange ein, dass sie großartig sind, bis sie das, wie nach Gehirnwäsche, einfach glauben… Perfekt für das deutsche Team und das gleiche kann man ja über Klinsmann sagen) sagte in der Halbzeit: die Deutschen haben immer viele Spieler hinter dem Ball wenn die Spanier angreifen, aber sie machen dann nichts. Das ging gegen die Türkei gut, aber gegen Spanien muss das scheitern mit einer solchen Verteidigung. Alan Hansen fügte hinzu: ‘The German coach has a problem, he needs to swap the entire back four, but he can only make three substitutions!’
    Ja, wahre Worte, Lahm hätte ich trotz Fehler dringelassen, aber genau der verletzt sich.

    Also Löw nur gut mit einem Motivator. Den hat er aber nich. Flick kann bei Pressekonferenzen nich mal gerade in die Kamera schauen.

    Apropos Groupthink und Medien. Ballack wurde in den deutschen Medien so dargestellt als ob er bei Chelsea jetzt schon der große Führungsspieler wäre. Er hat wichtige Tore genacht, und das war es dann auch. Ich hab die letzen vier Spiele von Chelsea gesehen. Ballack hat keines dieser Spiele beherrscht, und nach dem Championsleaguefinale war man sich in England einig, dass von den vier Mittelfeldspielern bei Chelsea Ballack der schlechteste an jenem Tag war. Wollte aber keiner hören, man wollte halt zu sehr an die Favoritenrolle glauben.

    So, mir reichts jetzt, hab noch ein Fass Bier hier (wer ersetzt mir das?) und frag mich, was der ganze Käse eigentlich soll. Ist ja nur Fußball, aber hier finden halt menschliche Schwächen und Tugenden auf größter Bühne statt. In diesem Sinne Prost!

    Ich versprech jetzt zwei Jahre den (Fußball)mund zu halten und frage mich dann doch, wie ich über so ein Finale so viel tippen kann, während in Simbabwe ein alter und brutaler Mann ein ganzes Land in den Abgrund reißt (extreme groupthink there)…

    Ach ja, das beste Spiel, das leider nicht stattgefunden hat: Spanien gegen Holland. Zwei starke Angriffsreihen gegen zwei nicht so starke Defensivreihen. Hätte ich echt gern gesehen.

  21. ruppI1 schrieb am 30. Juni 2008:

    “Chancenlos gegen Spanien? Wer war bester Deutscher im Finale? Kann man schlechter pfeifen als Rosetti?”

    Antworten. Frage 1: Ja
    Frage 2: Lehmann (Unglaublich, aber wahr)
    Frage 3: Ja

    Obwohl ich kein Anhänger von Löw bin, muß man doch feststellen, daß der Einzug ins Finale schon ein Erfolg war. Mit so einer Abwehr, zwei fußkranke Innenverteidger, ein rechter Verteidiger, der nach vorne nichts zustande bringt und ein linker, der in den wichtigsten Spielen nie gekannte Schwächen offenbart, Hut ab! Hätte gegen die Spanier auch 0:4 ausgehen können, wenn Lehmann nicht noch ein paar rausgeholt hätte.

    Am Schiedsrichter lags nicht , vielleicht hätte Lehmann auch vom Platz gehört. Bloß keine Ausreden nach dem Desaster gestern. Grundsätzlich muß man aber sagen, daß fast in jedem Spiel der EM eine krasse Fehlentscheidung dabei war.

    Ansonsten, wie schon öfters hier vorgetragen, hat die deutsche 11 gestern wieder Normalform erreicht. Technisch und taktisch haushoch unterlegen, nicht nur gegen die Spanier, hat die deutsche Mannschaft einen Ausreißer nach oben gehabt, gegen Portugal. Das langt nicht, da kann man noch so viel von Bergtouren faseln, Betreuerstäbe weltweit mit Laptops anheuern und einen Strahlemann als Teammanager beschäftigen. Der Putz ist schon lange abgebröckelt und legt das Leistungsniveau schonungslos offen.

  22. Nixwisser schrieb am 30. Juni 2008:

    Lesenswerter Kommentar vom Chef & lesenswerte Beiträge der Leser. Prima!

    Selten habe ich ein deutlicheres 1:0 gesehen als gestern. Mehr war nicht drin & Spanien ist etcpp.

    Was kommt? Wenn die Deutschen mit schnellem Kombinationsspiel – und das ist wohl das Ziel von Jogi & Co. – Erfolg haben wollen, müssen die individuellen technischen Fähigkeiten verbessert werden. Rennen & kämpfen können inzwischen alle und tatktische Blindgänger gibt’s auch immer weniger. Also muß der Hebel bei den grundlegenden fußballerischen Fähigkeiten angesetzt werden. Es mangelt uns an der Präzision, an Ballsicher- und -gewandheit. Ich hatte immer das Gefühl, als sei ein Frosch im Ball, wenn die Deutschen das Spielgerät zu kontrollieren versuchten. Die Ausrede, Filigrantechnik sei uns nicht in die Wiege gelegt, zieht nicht mehr. Wenn wir das nicht deutlich besser hinkriegen, werden in Zukunft auch zwote Plätze rarer werden.

    Daß technisch versierter Fußball mit einem Teil des vorhandenen Personals nicht umzusetzen ist, liegt für mich auf der Hand. Darüber kann auch ein guter Tag gegen die Portugiesen nicht hinwegtäuschen.

    Beckenbauer wurde mal nach seinem größten Wunsch gefragt. Er sagte: “Ich wünsche mir, einmal in einer Mannschaft zu spielen, in der elf Spieler den Ball stoppen können.” Wenn wir elf von der Sorte zusammen haben, können wir wieder über künftige Titel sprechen. Ansonsten bleibt uns nur das “ehrenvolle Abschneiden”.

    Ich bin den Jungs nicht Gram. Mehr war nicht drin und man kann halt von einem Dackel nicht verlangen, daß er einen ins Genick beißt.

  23. Seggel schrieb am 30. Juni 2008:

    @persiflo (18) Kurany ist auf den Platz gekommen, um wie ein Mann (wie ein Spanier) zu spielen. Das hat halt nicht ganz geklappt und deshalb blöd ausgesehen. Aber was Sie zu Löw sagen – sehe ich genau so.

    Und Giovane Elber (wird in der Süddeutschen zitiert) hat gestern eine Schulmannschaft gegen Profis spielen sehen: Unser Bubis (jogi, poldi, schweine, hansi usw.) gegen Männer (aragones, torres, usw.) – das sieht dann halt so aus ..

  24. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    So sehr ich die stellenweise polemischen Repliken nachvollziehen kann, aktuell empfinde ich den gestrigen Auftritt der DFB-Elf als desaströs, sollte vermutlich auch angeführt werden, dass das süße Gift der Begehrlichkeit Fußball-Tifosi immer sehr schnell erreicht, um sich dann, wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt, abrupt ins Gegenteil zu verkehren.

    Vergleicht man Perioden miteinander, lässt sich unschwer feststellen, dass der Status 2008 besser ist als jener vor vier Jahren. Gleichzeitig haben andere Teams (Niederlande, Russland und Spanien) aber spektakuläre fußballerische Akzente setzen können. Allen drei Nationen zu eigen ist der hohe fußballerische Ausbildungsgrad. Auch diesbezüglich haben sich beim DFB Verbesserungen ergeben, und das Spielerreservoir, was ja nicht zuletzt die Diskussion in diesem Forum vor der EM zeigte, hat sich quantitativ und qualitativ verbessert. Einige junge Akteure (Marin, Kroos, die Bender-Zwillinge u.a.) könnten berechtigte Hoffnungen wecken.

    Ein großes Dilemma in Deutschland ist die Trainer-Ausbildung. Hier wird noch im Fußballbereich nostalgisch den Koryphäen Lattek und Weisweiler larmoyant nachgetrauert, während die Gegenwart verblasst und die Zukunft verpasst wird. Vermutlich, so meine gewagte These, besitzen Sporttrainer in Deutschland nicht jene gesellschaftliche Reputation, die ihnen ob ihrer differenzierten Tätigkeit entgegen gebracht werden müsste. Und damit meine ich nicht nur die Bundesligatrainer. Noch wichtiger erscheint mir der Fokus auf den Nachwuchsbereich. Ich finde beispielsweise, dass Christian Streich, Trainer der A-Junioren des SC Freiburg, unlängst Deutscher Meister geworden, so ein Typ ist, der die vielen Facetten des Metiers kongenial vereint.

    Gerade lese ich im TV-Browser die Ankündigungen von ARD und ZDF für den heutigen Tag: Beim Zweiten heißt es da, “EM 08 – Die Rückkehr der Helden” – was für ein Stuss! Ein Held, da sollten die Mainzelmänner vielleicht einmal ihre Korrespondentin fürs südliche Afrika fragen, dürfte aktuell wohl eher bei der Opposition in Simbabwe zu finden sein.

  25. Hattrick2008 schrieb am 30. Juni 2008:

    Wie merkte Michael Ballack hinterher an: Es fehlte die Kraft, dass Turnier sei lang gewesen. Komisch, dass bei der längeren WM mehr Kraft da war. Hatte da ein gewisser unbedeutender Guru namens Peters nicht vor dem portugal-Spiel eine etwas kritische Meinung zum Fitness-Zustand der deutschen Mannschaft abgegeben? Für den vielzitierten Powerfußball fehlte die Power und selbst gegen Portugal reichte es nur für eine sehr, sher gute Halbzeit. Typisch dafür war auch, dass ein sehr ausgeruhter Jansen wenigstens mal das eine oder andere Laufduell bestriit und Kraft in seine Aktionen legte, während die angestammten Spieler seltsam kraftlos wirkten. Ballverluste durch unkonzentriertheiten sind das eine. Fehlende körperliche Präsenz in den Zweikämpfen gegen körperlich unterlegene gegner sind eine Offenbarung.

    Die Entwicklung des Teams scheint in diesem Turnier in der Tat eher rückläufig zu sein. Wie sonst erklärt es sich, dass die nach der WM “reifere Mannschaft” (wieder Zitat Ballack) den Druck des möglichen Scheiterns gegen Österreich und die Türkei nur sehr unzureichend verarbeitet hat.

    Ich bin ebenfalls sehr gespannt, wie Löw jetzt weiter macht. Ein Umbruch wird stattfinden müssen. Von der Bank muss ebenfalls viel mehr Druck kommen. Wirklich begeistert hat das deutsche Team nicht. Beruhigend ist allein die Tatsache, dass es anderen Nationen nicht besser ergeht und alle, bis auf eben die Spanier, den Kräften Tribut zollen mussten. Praktiziert Herr Fuentes eigentlich noch?

  26. Rasenzetreter schrieb am 30. Juni 2008:

    Wie kommt es eigentlich, dass Löw nach einer derart katastrophalen EM die Dreistigkeit hat nicht endlich seinen Rücktritt anzubieten. Und dabei das DFB-Präsidium mitzunehmen. Der ganze Laden muss von Grund auf reformiert werden, damit Deutschland fußballerisch endlich mal wieder ganz oben mitspielen kann. Ansonsten werden wir auch weiterhin Vorstellungen wie gestern abliefern.

    Die Engländer hatten zumindest den Anstand sich mit ihrem Loserteam gar nicht erst zu qualifizieren und damit besseren Mannschaften nicht im Wege zu stehen. Diese Form der Demut würde uns vielleicht auch nicht schaden.

  27. Hattrick2008 schrieb am 30. Juni 2008:

    Nachtrag: In vielen Beiträgen klang es schon an. Die vielbeschworene Mannschaft schien Deutschland bei diesem ebenfalls nicht gewesen zu sein. Der Konflikt Ballack/Frings mit dem Rest des Teams, der sich auf dem Platz immer wieder in anscheinend eher destruktiven verbalattacken äußerte schien nicht so motivierend gewesen zu sein. Könnte gut sein, dass das Riesen-Ego Klinsmanns, der die Chefrolle 2006 komplett für sich in Anspruch genommen hat, vor allem in dieser Hinsicht gefehlt hat.

  28. BArometer21 schrieb am 30. Juni 2008:

    schlechtes spiel, verdient verloren. und das hochverdient. das waren 80 ziemlich schreckliche minuten, so dass ich ca. 3 minuten nach abpfiff eher genervt als traurig war. das war SO SCHLECHTER fussball gestern abend, wahnsinn. und wenn sich manch einer auch dann tatsächlich noch über mögliche nicht gegebene elfmeter oder rote karten beschwert, ist das lächerlich. diese angebliche tätlichkeit ist des ganzen theaters nicht wert, dass darum gemacht wurde. beide berühren sich mit den köpfen, das ist nicht gut und gewiß kein vorbild für jüngere (und ältere) zuschauer, aber schlimm wars dennoch nicht. ich habe in der letzten szene schon ein foul von gomez gesehen, ein elfmeter hätte mich ehrlich gesagt gewundert. und ein geschmäckle gehabt.
    nun sei es so.
    spanien hat das ganze turnier überzeugt, zum teil mit wunderschönem fussball, sie sind in keinem mannschaftsteil schwach gewesen (wie z.b. der sturm und der torwächter portugals), sie sind ein sehr würdiger europameister, wie ich finde. wir haben oft sehr schlecht gespielt, dann wieder gut, aber gerecht ist es schon, dass es spanien geworden ist.

  29. Oliver Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Zur Klarstellung: Vermutlich hätten die Deutschen weder gegen zehn Spanier gewonnen. Noch hätten sie, wahrscheinlich, eine mögliche Verlängerung überstanden. Gomez hätte ja ohnehin erstmal treffen müssen (vor vier Wochen hätte ich noch drauf gewettet). An der Unterlegenheit der Deutschen – und zwar in allen Ressorts – gibt es keinen Zweifel. Aber eine Fehlentscheidung bleibt eine Fehlentscheidung. Und Tabus gibt es nicht in meinem Blog. Einen Elfmeter hat hier übrigens keiner verlangt.

  30. blockquote schrieb am 30. Juni 2008:

    In meiner heutigen Umfrage unter Jugendlichen konnte ich den Begriff “Rumpelfussball” gut erklären. Einige von ihnen kennen Nationalmannschaftsfussball erst seit der WM 2006. So war die EM die Zeit eines fussballerischen Wiedergangs mit besserem Image und sympathischem Trainer. 1 3/4 gute Spiele waren es in den Turnieren seit 1978 immer, nur passte früher das Rahmenprogramm besser zum gespielten Spielstil. Mir scheint, dass Klinsmann durch seine Art der (emotionalen) Ansprache an die Mannschaft eine größere Lücke hinterlassen hat, als allgemein zugegeben wird. Ich möchte kein Fussballer unter Löw, Siegthaler und Co. sein und statt Lust und Spaß aufs Spiel zu bekommen, mir minutenlange Elaborate aus dem taktischen Bereich anhören zu müssen. “Gehts raus und spielts” kann manchmal helfen, gerade bei so Typen wie Schweinsteiger und Podolski. Und der arme Klose hat doch ohnehin immer mit seinen “Kopfbremsen” zu tun. Bei erfolgreichen Turnieren übernehmen mit der Zeit einzelne Spieler oder Mannschaftsteile das Kommando, vor dem Trainer. Das war diesmal nur im Portugal-Spiel zu merken. Für Einzelspiele (Qualis) scheinen mir die Taktiker um Löw und Co. noch richtig, für Turniere brauchs mehr, was diese Analytiker nicht mitbringen oder scheinbar nicht mitbringen.

  31. Seggel schrieb am 30. Juni 2008:

    @OF ..Und Tabus gibt es nicht in meinem Blog. ..

    Ausziehn! Ausziehn! Ausziehn!

  32. persiflo schrieb am 30. Juni 2008:

    Betreff #29 – Löws Demission: Es ist sicher so, dass von Klinsmann und auch Löw wichtige und gute Impulse ausgingen, die vieles zum besseren gewendet haben. Inbesondere wird man wohl die Jugendarbeit kaum hoch genug bewerten können. Ich kenne den DFB nicht von innen, musste aber den Eindruck gewinnen, es gäbe einiges auszumisten; ich freue mich also, dass damit begonnen wurde.
    Eine andere Sache ist aber das coaching der Mannschaft. Ich habe auch geglaubt, dass hier vieles gut bis sehr gut gemacht wird. Ich glaube das jetzt nicht mehr. Und dies dürfte der Moment sein, der ein Fazit erlaubt. Es ist nicht so, dass ich persönlich sauer wäre, weil es den Titel nicht gab. Eigentlich ist mir das recht egal, ich gönne ihn den Spaniern besonders. Was mich aber frustriert sind die Auflösungserscheinungen, die im ganzen Konzept der Nationalmannschaft sichtbar werden. Man hatte zwei Jahre Gelegenheit, alles vorzubereiten; der Turnierverlauf war besonders geeignet, viele Facetten des Erreichten zeigen zu können. Was ich aber gesehen habe, ist ein Scheitern.
    Gestehen muss ich allerdings auch – ich wüsste im Moment nicht, wer es besser machen soll.

  33. Sebastian schrieb am 30. Juni 2008:

    @ Irländer: Deine Ballack-Kritik ist mir nicht verständlich. Auch ich habe die letzten 4-5 Spiele in der Premier-League und alle Chelsea-Spiele in der Championsleague gesehen und muss sagen: der Ballack der da zu sehen war hatte Weltklasse, den nötigen Punch und alle Führungsqualitäten, die man sich von einem zentralen Mittelfelder wünschen kann. Er war in der Schlussphase der Saison Chelseas unumstrittene Führungsfigur. Das haben übrigens auch alle englischen Fachblätter so gesehen.
    Dass er all seine für mich unbestreitbaren Qualitäten in diesem seinem letzen EM-Turnier kaum abgerufen (sic!) hat ist mir unerklärlich.

    Abwehr hin oder her: wie Hattrick2008 es schon angedeutet hat war die eigentliche Problemzone unserer N11 doch das zentrale Mittelfeld. Zu behäbig (Frings), zu unstet (Hitzelsperger, leider auch Rolfes), zu selten Torgefährlich (alle, v.a. Ballack).
    Man kann eine Mannschaft m. E. auch nur dann permanent zusammenstauchen, wen man selbst die entsprechende Leistung bringt an der sich Zusammengestauchte aufrichten können. Das war Ballack nicht so und schon gar nicht bei “Lutscher” Frings.
    @ Max D.: Sehr sehr wahr. Der Helden-Begriff ist so was von unangebracht… Peinlich und traurig, das.

  34. Elwood Blues schrieb am 30. Juni 2008:

    Technische Mängel, spielerische Mängel, falsche Personalwahl – viel von dem Gesagten kann ich unterstreichen, auch wenn das Abschneiden und das Auftreten der Nationalmannschaft insgesamt ordentlich waren. (Fast?) alle Mannschaften hatten bei der EM zumindest zeitweise ihre Hänger in diesen Bereichen, so dass sich die Leistung der deutschen Elf ganz gut einreiht.

    Einen wahren Klassenunterschied konnte ich aber im mannschaftstaktischen Defensivverhalten erkennen. Frappierend war, dass keine Mannschaft eine Antwort auf das 4-1-4-1-System der Spanier hatte (und davon ab auch kaum ein Team die Spanier stoppen konnte, wenn sie mit 2 Stürmern spielten).

    Zum gestrigen Finale und dem Defensivverhalten: Unsicherheit und Naivität paarten sich mit mangelnder Form und Fitness – das konnte nur mit viel Glück gut gehen. Torres hatte meistens einen direkten Gegenspieler (der ihn trotzdem selten aufhalten konnte). Alle anderen deutschen Abwehr- (und z.T. auch Mittefeld-)spieler warteten auf spanische Kontrahenten, hatten aber keine Möglichkeit, in Zweikämpfe zu kommen. Denn sobald sie Kontakt aufnehmen wollten, war der Ball im Raum schon angenommen und weitergeleitet worden, ein Zweikampf nicht mehr möglich. Wie kann das gut gehen, wenn der Gegner den Ball im Strafraum so oft ungestört annehmen kann?

    Natürlich gebührt den Spaniern das Lob, diese Freiräume gesucht und genutzt zu haben. Die Gründe für besagte Nicht-Verantwortlichkeit sind aber nicht nur bei Iniesta, Xavi oder Fabregas, sondern auch bei den deutschen Spielern selbst und vor allem bei den Trainern und ihrer taktischen Schulung und Einstellung zu sehen. Den deutschen Spielern waren gleichzeitig Wille und Verunsicherung anzumerken, übrigens nicht nur gestern, sondern z.B. auch gegen die Türkei. Ein so dilettantisch heraufbeschworenes Gegentor wie das 1:0 von Ugur nach einem noch nicht einmal schnell ausgeführten Einwurf (verunsichert hier: Lahm und Podolski) habe ich in der Bundesliga schon lange nicht mehr gesehen.

    Zugute halten will ich dem Trainerteam, dass seine taktischen Konzepte auch bisweilen aufgegangen sind – wie gegen Portugal. Meine Kritik bezieht sich deshalb nicht so sehr auf die taktische Einstellung im gestrigen Spiel, sondern vielmehr darauf, dass weder Spieler noch Trainer in der Lage waren, flexibel zu reagieren, als die Taktik offensichtlich nicht griff. Auch hier sehe ich eine Parallele zum Türkei- und Kroatien-Spiel.

    Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass sich Joachim Löw als relativ “frischer” Trainer in diesem Kernbereich der Trainertätigkeit noch deutlich steigern kann.

  35. Linksaussen schrieb am 30. Juni 2008:

    wie man löw kritisieren kann, ist mir nicht klar. sicher, er hat im turnier fehler gemacht, aber ihm gestehe ich (im gegensatz zu den meisten vorherigen bundestrainern) selbstreflektion und lernfähigkeit zu. und auch wenn metzelder vielleicht ein bißchen unangetastet blieb, es ist ja nicht so, als ob sich aus der bundesliga die konkurrenten dutzendweise aufgedrängt hätten. das gleiche auf den anderen positionen. und in der em-quali haben wir doch einige großartige spiele gesehen, die löws vision erkennen ließen. was soll der trainer denn tun, wenn eingeplante säulen der mannschaft (mertesacker mit mehr fehlern im turnier als während einer ganzen saison, frings hat dem spiel höchstens ein stempelkissen aufgedrückt, ballack hat auch nur anderthalb mal überzeugt, klose hat auch während der em die leistung nicht wiedergefunden, die er in der rückrunde verloren hat) ausfallen? mitten im turnier die mannschaft umstellen?

    spanien hat verdient gewonnen und ich bin froh, daß nicht irgendeine ecke noch zum ausgleich geführt hat. denn für einen eventuellen sieg hätte ich mich wirklich geschämt.

    andere frage: wie hätte die mannschaft wohl ohne ballack gespielt? das hätte meiner meinung nach einiges über den charakter der mannschaft ausgesagt. besser, weil sich jeder spieler bewußt ist, daß der potentiell stärkste kollege fehlt und man selber dafür 120% geben muß? oder schwächer, weil man davon ausgeht, ohne ballack sowieso keine chance zu haben? (wobei – so hat man gestern ja auch weitgehend gespielt)

    ich würde gerne nach der em einen kleinen schnitt sehen. lehmann weg, ist klar. dann mal ein paar neue innenverteidiger ausprobieren (westermann!) und: frings pensionieren. ich denke, daß der in zukunft noch öfter mit verletzungen zu kämpfen haben wird, und wenn er dann jedes mal so lange braucht, um seine form wiederzufinden, kann man auf den nicht mehr zählen.

    und letzter punkt: hätte lahm doch bloß seinen vertrag bei bayern nicht verlängert und wäre nach spanien oder england gegangen. in der bundesliga, klinsmann-euühorie und omas kuchen hin oder her, lernt man nämlich nicht, wie man auch gegen spieler wie torres bestehen kann, da spielt man ja immer nur gegen internationale mittelklasse.

  36. Hexenkessel schrieb am 30. Juni 2008:

    @ M. Diderot: Danke für die Blumen.
    @ Carsten. Abbitte, was die Qualität der Spanier anbelangt. Sie haben es einfach durchgezogen vom ersten bis zum letzten Spiel. Hut ab! Den Vergleich mit Gomez und Torres hab ich übrigens nie so gezogen, wie du ihn verstanden hast. Zum Capitano hab ich meine Meinung bereits kund getan. Zum Thema Podolski: Das gibt mir Gelegenheit, ein paar Lanzen übers Knie zu brechen. Poldi hat einfach eine sehr starke EURO gespielt. Ich schließe mich nicht den Journalisten an, die um Expertise vorzutäuschen, Defensivspieler nur im Drang nach vorne bewerten und Offensivspieler abstempeln, wenn sie für die Defensive zu wenig tun. Drei Tore geschossen, zwei vorbereitet, in allen Spielen gute Szenen gehabt und sich nie hängen lassen – Podolski gehört zu den wenigen deutschen Spielern, die zum Turnier in Bestform waren.
    Ich bin nicht bereit, eine Mannschaft, die ins Finale gekommen ist, schlechter zu reden, als sie war. Neben aller Kritik hat sie durchaus Qualitäten gezeigt, die über die deutschen Tugenden hinaus gehen: Kombinationssicheres Offensivspiel zum Beispiel (Italien hatte es nicht und flog raus). Tore im richtigen Moment erzielen und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen (woran die Holländer gegen Russland zerbrochen sind). Aus schlechten Spielen dennoch das Beste rausholen (konnte Portugal nicht und verlor erst gegen die Schweiz und dann gegen Deutschland).
    Im Vergleich zu 2004 ist die Entwicklung erst zwei Schritte vor und jetzt leider einen zurück gegangen. Doch mit Sicherheit darf man von dieser Mannschaft hoffen, dass sie bis 2010 möglicherweise wieder aufholt und noch weitergeht. Die Talente von Adler, Marin, Jansen, Gomez, Rolfes & Co. warten nur darauf geweckt zu werden.

  37. Irländer schrieb am 30. Juni 2008:

    @Sebastian: Sicher, Ballack hat sehr gute Spiele für Chelsea und entscheidende Tore gemacht. Absoluter Führungsspieler (wenn es denn heißt, dass es davon nur einen gibt) war er aber in den letzten beiden Spielen (letztes Heimspiel und Championsleague Finale) nicht. Das ware auch der englischsprachigen Presse zu entnehmen.
    Meiner Ansicht waren das die beiden ersten Schritte in einer Entwicklung, die in seiner gestrigen Finalleistung “gipfelte”. Erklären kann ich es mir genausowenig. Die Manndeckung, die er erfuhr kann es allein auch nicht gewesen sein. Ein Rätsel, denn seine fußballerischen Qualitäten sind unbestritten.

  38. olaf schrieb am 30. Juni 2008:

    man sollte nicht alle in die tonne treten, es war ja eigentlich wie immer. man war im finale und die ganze fussballwelt schüttelt den kopf. was dieses mal dazukam, ist, daß keiner weiß, warum man im endspiel stand. war doch kein einziger mannschaftsteil auch nur durchschnittlich. ein unsicherer torwart, eine selbst gegen zweitklassige gegner hilflose abwehr, ein führungsloses mittelfeld sowie ein sturm, der ohne grobe torwartfehler in 6 spielen kein einziges tor erzielt hätte.
    und da ist durchaus ein ansatz zu diskussion über die trainerarbeit der vergangenen jahre zu finden. löw betreut diese mannschaft seit 4 jahren. seither versucht er, ihr ein system aufzuzwingen, daß die spieler überfordert, da es fähigkeiten in technik,taktik und spielverständnis braucht, die einfach nicht vorhanden sind. mit ballfeinden wie friedrich, metzelder, frings oder klose, die bälle weiter stoppen als andere sie schießen, ist technischer fussball auf hohem niveau nicht möglich. das sollte ein trainer erkennen, neue varianten erproben. festhalten an unumsetzbaren zielen ist ein zeichen von starrsinn und von mangelhafter flexibilität des trainers.
    auch die nominierung sollte zukünftig wieder auf den leistungsnachweisen beruhen, einzig und ausschließlich. worterfindungen wie die “soziale kompetenz” dienen ja nur dazu, seilschafterei und amigo-nominierungen zu kaschieren. zumal soziale inkompetenz (lehmann, frings, ballack) ja auch kein grund für ein nichtnominierung ist.
    all die, die meinen, der schiri sei mal wieder schuld, sei folgendes mitgegeben: vorausgesetzt, in deutschen spielen hätte es keine fehlentscheidungen gegeben, wo wären sie dann wohl gestern gewesen? den polen mit nem abseitstor den zahn zu ziehen war schon ne hilfe, ballacks foul gegen portugal nicht zu sehen ist eigentlich unmöglich. auch der uefa ist zu danken. den türkentorwart für ein identisches foul wie das von schweinsteiger doppelt so lang zu sperren war auch schon sehr nett von denen.
    jetzt ein silva-rot auch nur entferntest zu fordern ist schlicht grotesk. kann jedem nur raten, sich die wiederholung mal anzusehen. unser gaststümer kam aus ca 10 metern angerannt, um silva auf allerbilligste weise zu provozieren. das wäre, wenn schon, dann rot für beide. der schiri hat, wie jeder am tv, podolskis schäbige absicht, eine rote karte zu schinden, durchschaut. aber, keine sorge lukas, bald ist wieder buli und dein heimschiedsrichter heißt fandel. da geht dann wieder alles…
    also bleibt mal in den hosen, ihr schiri-beschimpfer. die üblichen deutschen schlechte-verlierer-reflexe sind absolut fehl am platz.

  39. Dr. Hammer schrieb am 30. Juni 2008:

    Erst mal Kompliment und Dank für den Chefkommentar sowie die ergänzenden Statements. Macht viel Spaß!

    Natürlich war der Sieg der Spanier hochverdient und die beste Mannschaft des Turniers hat es auch gewonnen. Aber. will man das denn wirklich? Nein, man will dass Deutschland gewinnt. Von daher habe ich mich gestern wirklich über den Auftritt der Deutschen geärgert. Man kann auch schlecht spielen und trotzdem gewinnen – wenn man denn wil. Und der Wille fehlte gestern deutlich.

    Die größte Schwäche des Deutschen Teams sind für mich Jogi und seine Homo-Trainer-Truppe (NB: ob die wirklich alle schwul sind? Oder wirkt nur diese Mischung aus Dialekt und Modebewusstsein so?! Meine Freudin meint: “Solche Hemden trägt kein Hetero…”). Löw wollte wohl alles genau so wie Klinsmann machen – hat aber offensichtlich nicht verstanden, was die Idee hinter Klinsmanns Konzept war.

    Das ging schon mit der Mannschaftszusammenstellung los: da fehlte der Klinsmannsche Mut zu unbequemen Entscheidungen, das konsequente Aufstellen nach Leistung. Wenn es danach gegangen wäre, wären Vorruheständler (Lehmann), Rekonvaleszente (Metzelder, Frings) und Antifußballer (Odonkor) zu Hause geblieben. Odonkor 2006 mitzunehmen, war halt eine geniale Idee, ihn 2008 mitzunehmen einfach nur albern. Klinsmann hätte statt dessen Marin geholt.

    Dann die Fitnesstrainer – da gibt der DFB zig Millionen für eine Spezialistentruppe aus – nur damit die Spieler im Endspiel völlig in den Seilen hängen. Da hätte man auch André Trulsen als Fitnesscoach holen könne, der hätte die Jungs wenigstens mit Bleiweste und Medzinbällen fit bekommen. Auch hier hat es sich nicht ausgezahlt, Klinsmanns Maßnahmen eins-zu-eins weiterzuführen.

    Was aber Mannschaftsaufstellung und Taktik angeht, kann ich nur wenig Positives erkennen: Gomez erst noch eine Chance zu geben und ihn dann rauszunehmen, das System gegen Portugal mit Balacks offensiverer Ausrichtung und die Einwechslung von Janßen im Finale. Deutlich länger ist die Negativlist – die bizarre Odonkor-Einwechslung, späte bis fehlende Reaktion auf taktische und personelle Mängel, Festhalten an “bewährtem” Personal.

    Mit einer fitteren, motivierteren Mannschaft hätte man die Spanier durchaus beeindrucken können. Denn selbst die Spanier haben Angst vor den Deutschen, irgendwie gelten wir ja als “Panzer” und “Turniermannschaft”, die trotz spielerischer und taktischer Unterlegenheit Spiele gewinnt. Diese Chance hat Löw aber nicht erkannt und genutzt – statt dessen hat er fast komplett auf die Mannschaft gesetzt, die 2006 erfolgreich gespielt hat. Es fehlte die Konsequenz aus der Erkenntnis des schwachen Spiels gegen die Türkei, dass das 4-2-3-1 keine Allheillösung ist.

  40. Oliver Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Schlechter Verlierer? Ich bin kein Verlierer. Ich wäre auch kein Gewinner gewesen.

  41. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    olaf, jetzt fängt wieder das kokettieren mit den Stereotypen an – “…die üblichen deutschen schlechte-verlierer-reflexe …” – ich kann es nicht mehr hören geschweige denn lesen! Das sind Attitüden, die so einer Beliebigkeits-Stigmatisierung folgen, fernab aller Realität und ähnlich den Panzern, Bombern und anderer Militaria, die vornehmlich die Presse aus ihrem arg beschränkten Hut zu zaubern glaubt, wenn es gilt, mal wieder (unzu-)treffend der Welt erläutern zu wollen, was die wesentlichen Merkmale der deutschen Kultur seien. Oder verkürzt: Blödsinn!

    Einer so galanten und erfolgreichen Darbietung, wie jener der Spanier vom gestrigen Abend, kann man nur zuerst irrational begegnen, zumal das Tun der eigenen Mannschaft eher an Sisyphus erinnerte und mit zunehmender Spielzeit auch so anmutete.

  42. nedfuller schrieb am 30. Juni 2008:

    hach die Deutschen. Erfolgreichste Mannschaft aller EM Turniere, aber wir meckern.

    Und das auch zurecht.
    Ich hoffe, dass nun wieder das Leistungsprinzip gilt. Das Leistungsprinzip sollte dann auch vor einem Ballack, Frings, usw. nicht halt machen.
    Die Harmonie im Jogi Team ist klasse. Keiner zerfleischt den anderen in der Öffentlichkeit und stellt den Stammplatz in Frage. Aber genau das halte ich für ein Problem: Was hat der Jogi viele Spieler in der Vorbereitung getestet und dann stehen fast die gleichen Spieler wie bei der WM 2006 aufm Platz? Sind die anderen zu schwach?
    Wo ist der Druck der Ersatzspieler, wenn klar ist, dass ein Ballack auch mit Verletzung spielt? Nirgendwo. Dann wird weiter schön harmonisch auf der Bank gesessen und zusammen Nutella Brot gegessen.
    So kann es nicht sein. Die ‘jungen’ Spieler sollten Druck ausüben und der Trainer dies honorieren.

    Aber Angst und Bange sollte uns nun nicht werden. Es war das erste Turnier von Löw. Lasst uns sehen, wie der Weg weiter gegangen werden soll.

    Haben wir eigentlich das gleiche Fitnesstrainerteam (uff) wie 2006? Ich finde es erschreckend, wie platt einige Spieler wirkten. Die Spanier hatten doch auch 5 Spiele in den Knochen, oder?
    Vielleicht sollten wir doch neben allen ‘modernen’ Trainingsmethoden auf die Kondition achten.

    Was ist nun mein Fazit?
    Gewonnen hat die beste Mannschaft und wir schaffen es ins Finale. Und das deutsche Spieler in einem internationalem Finale stehen (diese Saison nur einer: Ballack mti Chelsea) hat doch auch was. Im Vereinsfussball wird dies in nächster Zeit nicht geschehen.

    Eine letzte Frage: Kauft Abramowitsch nun die iberische Halbinsel auf?

  43. Sebastian schrieb am 30. Juni 2008:

    @42 (olaf): keine ahnung worauf du hier hinauswillst. dein beitrag ist gelinde gesagt widersprüchlich. “man sollte nicht alle in die tonne treten” meinst du zu beginn um dann genau dies zu tun…
    zur schiri-diskussion: fakt ist doch, dass rosetti nicht gerade souverän gepfiffen hat. sowohl für als auch gegen die deutschen. darauf die niederlage abzuwälzen hat hier niemand gemacht. wir sind ja auch nicht im forum der zeitung mit den großen buchstaben. kein rot für da silva aber auch kein foul von gomez, so hab ich’s gesehen. aber wer wollte schon, dass wir nach so einer umstrittenen szene den ausgleich erzielen und
    womöglich noch gewinnen? ich.

  44. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    Fischers Fritsch, vielleicht erinnern Sie sich, dass Joachim Löw nach dem Portugal-Spiel, ich glaube, es war auf einer Pressekonferenz, wo er mit der Bernhard-Peters-Kritik konfrontiert wurde, sinngemäß gesagt haben soll, dass die Trainingsmethodik so ausgerichtet sei, in den finalen Partien ans körperliche Limit gehen zu können. Und vom Psychologen der Nationalmannschaft, Hans-Dieter Hermann, wurde auch immer wieder die hohe Motivationsbereitschaft der Nationalspieler gelobt. Beide Aspekte schienen mir gestern eher suboptimal ausgeprägt.

  45. Hexenkessel schrieb am 30. Juni 2008:

    Die größte Schwäche des Deutschen Teams sind für mich Jogi und seine Homo-Trainer-Truppe (NB: ob die wirklich alle schwul sind? Oder wirkt nur diese Mischung aus Dialekt und Modebewusstsein so?! Meine Freudin meint: “Solche Hemden trägt kein Hetero…”)

    @ Dr. Hammer: Sorry, aber wer so einen (Sorry OF für die Wortwahl) Scheiß schreibt, geht mit seinen Analysen am besten gleich zum Nazi-Stammtisch um die Ecke. Ich glaub es einfach nicht, dass du es überhaupt wagst, in dieser doch auf sehr angenehmem Niveau diskutierenden Runde solche schwulenfeindlichen Sprüche zu reißen. Dank Typen wie dir trauen sich viele Schwule nicht einmal ins Stadion, geschweige denn, dass sie in einem Verein mitspielen würden. Nächstes Mal einfach mal gepflegt die …, bzw. gar nichts sagen.

  46. Seggel schrieb am 30. Juni 2008:

    @Dr. Hammer .. und wie er gehüpft ist nach dem 3. Tor gegen die Türkei, wie ein Hoppel-Häschen – niedlich der Jogi. Aber lassen wir das, das disqualifiziert ihn nicht als Fußballtrainer.

    Was ihn aber disqualifiziert, zumindest auf dem Top-Niveau mit Stars wie Ballack und Konsorten, ist seine Schwäche, sich von diesen Stars – ich sach nur “Trainer Frings” – in die Manschaftsaufstellung reinreden zu lassen.

    Aragones hat Raul rausgeworfen. Klinsmann hat bei der WM-Eröffnung Ballack gezeigt, wer der Chef ist. Auch Morinho .. Der nette Herr Löw lässt es zu, dass sich Frings selber aufstellt (ich möchte nicht wissen, weshalb ein guter Wettbewerber von Frings, Jones, nach Hause geschickt wurde bzw. wer das entschieden hat).

    Löw fehlen die Cojones, deshalb ist er kein guter Chef-Bundestrainer.

  47. Dr. Hammer schrieb am 30. Juni 2008:

    Sorry, Hexenkessel (#50), das war wirklich nicht schwulenfeindlich gemeint. Ich kicke selbst in einer Mannschaft mit einigen Schwulen zusammen.

  48. olaf schrieb am 30. Juni 2008:

    @43
    deinen NIEMAND findest du unter nr 2. da ist die rede von einem nicht gegebenen elfer, das gomez-foul wird ignoriert. und lehmanns handspiel war natürlich innerhalb, obwohl es ja nicht drauf ankommt, wo die hand den ball erstmals berührt, sondern wo sie ihn letztmals berührt.
    die aktion zwischen villa und podolski rotwürdig zu erachten impliziert, daß deutschland benachteiligt wurde. daraus ist zu folgern, das spiel wäre sonst anders ausgegangen.
    vor 2 jahren wars ähnlich. unterlegen gegen italien, aber nach dem spiel nur meckern über vermeitliche benachteiligung durch vollkommen gerechtfertigte frings-sperre. dabei mußte die fifa da erst mal, deutschenfreundlich, die bis dahin unbekannte bewährungsstrafe erfinden, um irgendwie die lächerlich geringe strafe zu rechtfertigen, einen endspieleinsatz von frings zu ermöglichen.
    @ diderot
    die beiträge von anderen als blödsinn abzutun, zeugt von schlechter erziehung. meinungen sind was individuelles, egal ob in meiner wortwahl oder triefend selbstverliebt wie bei dir. offenbar hälst du seitenlanges schwallen um des kaisers bart für das, auf das hier alle warten. ein bißchen fachkenntnis und praktische erfahrung wäre mir persönlich lieber als deine philosophischen ergüsse, mit denen du dein zweifellos großes theoretisches wissen unters volk zu bringen versuchst.

  49. Sebastian schrieb am 30. Juni 2008:

    nanana, bevor hier alles ins allzuprivatime abrutscht nochmal zum spiel: why the hell waren unsere jungs weder von der körperlichen physis als auch von der mentalen psyche her gestern nicht auf’m damm? kann es mir nicht so recht erklären. hatte der herr peters etwa doch recht mit seiner kritik an der vorbereitung?

  50. Linksaussen schrieb am 30. Juni 2008:

    “Keiner zerfleischt den anderen in der Öffentlichkeit”? ich erinnere da eine bemerkung von ballack, als er auf seine sprintgeschwindigkeit angesprochen wurde und er meinte, odonkor wolle er nicht konkurrenz machen, schließlich gehöre zum fußballspielen auch der ball dazu (sinngemäß). und wie ballack und frings sich benommen haben, ist ja in 45 bereits angesprochen. siehe auch das interview mit den beiden in der sz vor der em. wenn sie eine leistung gezeigt hätten wie bei der wm, wäre das okay gewesen. aber so hatte es den eindruck, daß ihre selbstbestimmte autorität nur noch besteht, weil der trainer nicht ohne sie kann und die nachkommenden generationen dieses rummotzen ohne grund nicht draufhaben. oder draufhaben wollen.

  51. Carsten schrieb am 30. Juni 2008:

    @Diderot
    “Desaströs” war der Auftritt der deutschen Elf mitnichten – den dargebotenen EM-Leistungen und dem Leistungsvermögen des Kaders (unter diesem Trainer!!!!) angemessen. Aber das paßt zu dem Schlechten-Verlierer-Reflex, den Du gerne auf andere projizierst. Spanien war in allen Belangen besser und turmhoch überlegen. Punkt. Und Fußball ist nur ein Spiel. Ausrufezeichen.

    @Olaf (53)
    Ganz großer letzter Absatz, der mir aus der Seele gesprochen hat. Aber ein Blog ist nun mal auch ein Tummelplatz für Sesselpuper (oh sorry, wie konnt ich nur?)
    @ Hexenkessel
    Man sollte andere Leute nicht so anblaffen, wie Du mich letztens an gleicher Stelle – dann brauch man auch nicht Abbitte leisten. Du bist nicht der einzige, der das Gesehene in eigene Gedanken und Worte fassen kann…

    Was mich insgesamt gestört hat: vor dem Finale haben sich die meisten Blogger in die eigene Tasche gelogen. Zwar wurde der Rückfall unter Löw kritisiert, aber weil Gewinnen alles ist, und Wir alle Deutschland sein sollen (wollen?), haben “wir” gehofft, daß es so läuft wie immer (?!).
    Schön, daß es anders kam.

    Ein EM-Sieg wäre weniger schmeichelhaft als peinlich gewesen…

  52. Carsten schrieb am 30. Juni 2008:

    huch, sind da Beiträge verschwunden?
    Jedenfalls meinte ich Olafs Retourkutsche gegen den Nachfahren des französischen Schriftstellers…

  53. Joern schrieb am 30. Juni 2008:

    Mich erstaunt schon, mit welcher Heftigkeit in vielen Kommentaren drauflosgedroschen wird: Alles eben doch nur Rumpelfußball! Frings hau ab! Löw ist gescheitert! usw.
    Natürlich: Die Mannschaft hat schlecht gespielt, der Trainer hat Fehler gemacht usf.
    Aber bitte die Kirche im Dorf lassen.

  54. zola schrieb am 30. Juni 2008:

    liebe leute,

    ich habe jetzt eure kommentare und analysen gelesen und vermisse folgende fragestellung: es gibt viele fehler, die die deutsche mannschaft sicherlich gemacht hat. es war voraussehbar, daß sich die beiden starren hochäuser in der abwehrzentrale der deutschen gegen das schnelle spanische spiele schwer tun würden. die diskussion um friedrich erinnert mich an jene um wörns, den man – immer wenn es nicht lief – als das alleinige arschloch auserkor. dann haben wir die em-all-time-blinzen klose und gomez und das angeblich schwule trainergespann (so ein scheiß) und natürlcih darf auch in diesem zusammenhang auch diesmal (deutsches abo) das italienische element an dem desaster nicht fehlen: der schiedsrichter rosetti. interessanterweise fehlt in der gesamten diskussion das duo frings-ballack, und zwar nicht als einzelne spieler, sondern als führungspaar der deutschen mannschaft.

    löw und sein team hatten gestern tatsächlich beschlossen zwei spieler ins zentrum des geschehen zu stellen – und vor allem anderen fitten spielern zu bevorzugen: ein rippengebrochener, formschwankender, uninspirierter fings und ein wadenverhärteter ballack, der erst kurz vor beginn des spiels endgültig “angeschaltet” wird, sind in dem deutschen spielkontext von höherer relevanz als ein fitter und ausgeruhter borowski. da hält man also an spielern oder an einer idee von spielern, weil diese offenbar zu denkmälern geworden sind: ein erfolgreiches spiel ist mit anderen, gesunden und erholten spielern ist offenbar nicht denkbar gewesen. spieler, die in einem lebendigem team einen solchen gewicht erreicht haben, nähern sich ihrem status als denkmal. denkmäler aber gehören im fußball stets gestürzt, bevor sie in ihrer zementhaut erstarrt sind. zumindest für dieses eine spiel.

    ansonsten: die offizielle sprache des fußballs in den medien verkommt mehr und mehr zur pr-sprache.

  55. Seggel schrieb am 30. Juni 2008:

    Joern! Wenn wir hier nicht Tacheles reden, dann weiß doch Deutschland gar nicht, wie es aus dem Schlamassel mit Jogi wieder raus kommen soll. Auf uns kommt es an hier, verstehst Du?

  56. Kurdtis Dohnald Cohbaine schrieb am 30. Juni 2008:

    fakt ist, daß sich niemand an ein derartig einseitiges finale erinnern wird. fakt ist weiterhin, daß nach 15 min jeder, auch die unmittelbar beteiligten herren spieler und trainer, wußte, wie das spiel ausgehen wird. fakt ist schließlich, daß seitens des herrn löw nichts dagegen unternommen wurde. hallo, er wechselt kevin ein? nichts gegen kevin, aber ein gomez, der es sich und seinen großeltern in spanien beweisen will wäre die einzig logische einwechslung gewesen. er hätte auch nichts mehr zu verlieren gehabt. spätestens ab der 70 min muß er mit gomez und neuville spielen und die pille eben nur noch hoch gen strafraum schlagen lassen. alles andere war gestern offensichtlich sinnlos. die letzten 15 minuten eines endspiels sind dazu da, sich noch einmal mit allem gegen die niederlage zu stemmen. stattdessen konnte man den ball nicht mal über die mittellinie bringen und brachte es erst ganz kurz vor abpfiff auf EINE semigefährliche situation mit schweini und gomez im strafraum.

  57. Sebastian schrieb am 30. Juni 2008:

    @ Zola: stimmt schon, das mit Balle und Fringser. Aber vergessen hatten wir das nicht (27+33). War meiner Meinung nach nicht nur gestern sondern im ganzen Turnier das größte Problem. Kein Mut zu unbequemen und evtl. risikoreicheren Entscheidungen bei der Aufstellung des ZMF. Frings in der Form gehört nicht in eine Mannschaft, die schnelles, “vertikales” Spiel in die Spitze praktizieren will. Und Ballack in der Form von gestern und dem Türkei-Spiel erst recht nicht… Weg mit den Denkmalen und lieber Mal denken (3€ in die KarlAuer-Kasse).

  58. Oliver Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Nun, Hitzlsperger hat ja gestern gespielt. Eher schwach. Und Rolfes war im Halbfinale in der ersten Halbzeit dabei und konnte keine Löcher stopfen. Mit Frings wurde es gegen die Türken schon ein Stück besser. Ob Borowski gestern mehr gebracht hätte als Frings und Ballack? Keine Ahnung.

  59. Robert aus Wien schrieb am 30. Juni 2008:

    Man schreibt sich halt immer ein wenig Mut an und weiss nachher alles besser – das war in der österreichischen Blogosphäre vor dem Match gegen Deutschland nicht anders.

    Sowohl der deutsche Trainer Löw wie der österreichische Trainer Hickersberger haben aus dem vorhandenen Material etwas gemacht – mit den richtigen Cojones wäre aber sicher noch mehr drinnen gewesen – siehe die Russen.

  60. Sebastian schrieb am 30. Juni 2008:

    @ 56: Fällt mir schwer, dass als Eintracht-Fan zu sagen, aber JONES wäre der Mann mit den Cojones gewesen, den wir gebraucht hätten! Der einzige, der Druck auf Frings gemacht hätte. Und: wieso Trochowski mitnehmen, wenn der never ever eine Option gewesen zu sein schien? Und: ein Borowski der halbwegs in Form ist MUSS besser sein als das, was wir da gestern im ZMF sahen…

  61. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    Hey, ganz großes Theater. Und die Seelen, besser Seelchen, die zuvor kräftig austeilten, hadern nun mit dem ihnen entgegenschlagenden Widerspruch.

    Olaf, “… seitenlanges schwallen um des kaisers bart …” empfinde ich als angenehmer als die tumbe Darstellung von irgendwelchen Stereotypen. Und um Ihre, von mir im Zitat angeführte Aussage mit den diversen Vorurteilen zu verbinden, was ich als sachlich gerechtfertigt ansehe, wählte ich den Begriff Blödsinn. Es stimmt, nicht immer gelingt es mir, das Niveau Ihres Beitrags (#38) zu erreichen, aber gebe Sie mir Zeit und noch ein paar Ihrer diesbezüglichen Meinungswiedergaben und wir erreichen einen annähernden Level. Im übrigen habe ich nicht umsonst auf die Trainerausbildung hingewiesen – #24. Ob Ihre oder meine praktische und fachliche Erfahrung imposanter ist, interessiert mich genauso viel wie das Rad, dass der Pfau für die Henne schlägt.

    Carsten, Bravo, das nennt man mannschaftsdienlich! Aber bitte aufwachen – der erste Absatz (#24) den Sie mir vorwerfen soll Ironie vermitteln. Ich bedauere, dass mir das bei Ihnen nicht gelungen ist. Und ich meine auch kein schlechtes-Verlierer-Image zu besitzen, zumindest wäre diese Erkenntnis ob meiner Vereinstätigkeit neu, sondern beklage vielmehr, dass Ihr Mannschaftskollege Olaf so willfährig mit diesen Plattitüden argumentiert. Im übrigen darf ich darauf hinweisen, dass ich schon in einer früheren Ausführung (#8) die Leistung des spanischen Teams zu würdigen wußte. Ausdrücklich schließe ich mich aber Ihrer Auffassung an – Fußball ist nur ein Spiel. Punkt!

  62. Shileno schrieb am 30. Juni 2008:

    @olaf: Fehlentscheidung bleibt Fehlentscheidung, und ich dachte, ich haette oben schon klar gemacht, dass auch ich der Meinung bin, dass Spanien zu Recht gewonnen hat. Irgendwann werde ich sogar froh darueber sein, aber 1 Tag nach dem Spiel ist das zuviel verlangt ;-)

    Und: “podolskis schäbige absicht, eine rote karte zu schinden”? Dann haette er sich wohl fallen lassen, und nicht nur verbluefft geguckt, oder?

    Zu hoffen bleibt, dass das Auftreten der Mannschaft und des Trainers auch innerhalb des DFB kritisch hinterfragt wird. Insbesondere bin ich von der fehlenden Risikobereitschaft Loews enttaeuscht. Nun kenne ich natuerlich die Trainingsleistungen der Spieler nicht, aber Loew hat selbst bei schlechten Leistungen immer den “gestandenen” Spielern vertraut und sich vor Veraenderungen gescheut. Mir schienen auch die Auswechselungen in den Spielen meist zu spaet und wenig treffsicher. Aber ich gestehe ihm gerne Zeit zum Lernen zu (die Alternative waere Sammer als Trainer? Besser nicht). Im grossen und ganzen sehe ich die Entwicklung seit 2004 ja immer noch positiv.

    P.S.: @ckwon – ich habe leider nicht alle Spiele sehen koennen (6 Stunden Zeitdifferenz, und man muss ja auch mal arbeiten), aber von allen Spielern der EM hat auch mich Senna am meisten beeindruckt. Vielleicht weil ich ihn vorher gar nicht kannte.

  63. Psycho schrieb am 30. Juni 2008:

    Das Einzige was nach diesem Spiel ein bisschen Hoffnung macht ist die Tatsache, dass wir wirklich nicht die einzige “große” Mannschaft waren, die bei diesem Tunier schlechte Spiele gemacht hat! Anscheinend haben auch andere Probleme, woran das jetzt liegt… lange Saison?? ich weiß es nicht…
    Und man muss anerkennen, dass wir auch nicht das einzige Team waren, dass gegen Spanien kein Land gesehen hat! Italien hat sie zwar bis ins 11meterschießen gezwungen, aber wie?? Diese Spanier mit der Offensive waren einfach zu stark bei diesem Tunier.
    Natürlich hätte ich mich über einen deutschen EM-Titel gefreut, aber wenigstens hat wieder eine Mannschaft gewonnen, die mich durch ihre offensivleistung begeistert hat und nicht irgendwelche Betonmischer

  64. Shileno schrieb am 30. Juni 2008:

    lese gerade auf der FAZ Seite ein Zitat von Loew: “Spielerisch waren wir in den vergangenen zwei Jahren häufig auf einem besseren Niveau als bei dieser EM. Möglicherweise hängt das mit der Drucksituation für den einen oder anderen Spieler zusammen.” Obwohl man zu Letzterem hinzufuegen moechte “…Spieler und den Trainer…”, stimmt mich diese Aussage doch vorsichtig optimistisch, dass die Leistung bei der EM von Loew realistisch gesehen und der 2. Platz nicht ueberbewertet wird.

  65. Max Diderot schrieb am 30. Juni 2008:

    Erstaunlich, jetzt spielen die primären Geschlechtsmerkmale für die Darbietungen während der EM 08 eine Rolle. Daran übten sich doch schon die Niederländer vor der WM 06 als sie den Namen Ballack verballhornten. Dass sie damit auf die Nase aka Schnauze fielen ist nur ein weiteres Histörchen der an Historien reichen Fußballgeschichte.

  66. Hendrik schrieb am 30. Juni 2008:

    Für mich ist diese EM, aus deutscher Sicht und trotz der Finalteilnahme, abschließend eine Enttäuschung. Nicht wegen der Niederlage gegen in allen Belangen besseren Spaniern, sondern wegen des Auftretens der DFB Elf und deren Leistungen in den meisten Spielen.

    Den z.T. Teil gro0en Ankündigugnen (“..wird eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen…” vor den Spielen gegen AUT und TUR) waren doch eher maue Leistungen gefolgt. Wie schon viele vor mir schrieben sind evtl. Ursachen dafür die Abkehr vom Leistungsprinzip und die Bereitschaft lieber verdienten aber verlezten Natispielern den Vorzug zu geben. Natürlich wollte ich nicht in Hr. Löws Haut stecken, wenn er im Finale auf z.Bsp. Frings und Ballack verzichtet und deren “Replacements” eine schaurige Leistung auf den Platz zaubern.

    Aber in dieses Dilemma hat sich die sportliche Führung ja selbst gebracht, als sie die Vorbereitungsspiele als auch die letzten Qualispiele) zu Trainigseinheiten für formlose Kicker verkommen ließ.
    Anstatt z.Bsp. für jedes Spiel eine veränderte Mannschaft aufzustellen um Spielsysteme und Personal zu testen.

    Zudem frage ich mich schon warum sich der DFB in seinem Quartier so abschottet, wenn schon ein Sieg gg Polen und das anschließende Rauschen im Blätterwald ausreicht, den Spielern den Kopf so zu verdrehen.

    Die größte Enttäuschung des Turniers für mich ist aber die Tatsache, dass die Weiterentwicklung des Teams nicht nur ins Stocken kam, sondern sich geradezu verflüchtigt hat. Ein paar sensationelle Konter sind für mich hier nur die berühmten Ausnahmen der Regeln. Dominanz? Vertikales Spiel? Begeisternder Fußball? Es scheint vielmehr als habe sich die Mannschaft reflexartig auf das besonnen was sie letztendlich über Jahrzehnte ausmachte.

    Wenn man sich die Leistung seit letztem Oktober (zum Teil auch die Ergebnisse) anschaut, war die EM nur die Folgerung dessen (Wales, Tschechien, Irland). Daß das Finale erreicht wurde hinterläßt dann nur ein Kopschütteln bei mir, denn gegen gut verteidigende Teams sehen wir auch 4 Jahre nach Klinsmanns/Löws Amtsantritt immer wieder schlecht aus. Nichts anderes ließ Aragones, der auch über einen Urs verfügen dürfte, im Finale spielen. Analog hierzu Croatien, Schweiz z.Teil AUT Spiel.

    Ich hoffe Bundesjogi baut nun mit mehr Entschlossenheit das teilweise hervorragned besetzte Team (Mertesacker, Lahm, Podolski, Schweinsteiger, Rolfes, Adler) für die WM 2008 um und hat bei seinem Coaching und bei den Einwechslungen mehr Erfolg.

    Wäre uns schließlich allen zu Wünschen.

  67. Albert singt schrieb am 30. Juni 2008:

    Finale-emotionale Analyse. Dies war mein 12. EM-/WM-Finale mit deutscher Beteiligung. Bin leider kein Junger mehr. 1966 vergoss ich Tränen (die einzigen). Ansonsten machte ich alles durch: Jubel, Wut, Purzelbäume, grenzenlose Leere, ein Finale war psychische und physische Tortur, Achterbahn oder Folterkammer. Meistens beides. Und gestern? Nie hat mich ein Endspiel, eine Niederlage so emotionslos hinterlassen. Selbst die durchaus diskussionswürdige 91. Minute. Nichts. Wir waren schlechter, ohne Chance, Spanien hat uns gedemütigt. Basta. Meine vom Event-Fußball kommenden Freunde diskutierten 5 Minuten nach Spielende über gutes und schlechtes Cholesterin und Blutdruck. War mir egal, meiner war wenigsten seltsam normal. Und trotzdem, auch das ist heute noch da: eine riesengroße Enttäuschung. Aber, wie gesagt, 130/80, völlig ok.

  68. Carsten schrieb am 30. Juni 2008:

    @Diderot
    Schöner Konter.

  69. nedfuller schrieb am 30. Juni 2008:

    @Albert
    Komisches Gefühl, oder?
    Liegt es vielleicht daran, dass uns der Fussball geklaut wurde und zum Event hoch sterilisiert wurde?
    Wenn man in die Presse- und Medienlandschaft schaut, dann wird alles für einen billigen Lacher (Detzer und Nelling) oder tobenden Applaus (Koch Schiri und Trainer) gemacht.
    Die Endspiel Übertragung begann um 18:50 Uhr !!!

    Ich war auch seltsam unbeteiligt. Selbst über die teilweise schlechte Leistung der Kicker habe ich mich nicht aufgeregt.

    Ich werde nun alle meine Emotionen in die neue Bundesliga Saison stecken. Da trifft man weniger Eventfans, wenn es gegen Hoffenheim, Cottbus oder Bielefeld geht.

  70. Albert singt schrieb am 30. Juni 2008:

    @Hendrik
    Eine exzellente Analyse. Löw muss JETZT zeigen, dass er lernfähig ist. Seine Trainer-Vita und die seines Co. sind bekannt. Vom Tellerwäscher zum Millionär oder ein Sommermärchen. Parallel müsste Lounge-Bierhoff dazulernen. Kleine Zweifel sind angebracht.
    @nedfuller
    Meine “Philosophie”. Noch kann man uns das SPIEL nicht klauen. Noch nicht. Taktisch war das gestern hochspannend. Hier so rum , dort so. Klar, nach dem Finale erinnert man sich: Gipfelsturm! Unsäglich, infantil. Ein kluger Freund sagte mir am Samstag: Spanien soll gewinnen, mich interessiert dieser Hype nicht mehr. Ich sage, in Spanien ticken die Medien nicht anders. Wenn der Schiri anpfeift…. Kreisliga B oder Bundesliga, live dabei, Länderspiel im TV. Dort kann ich einschalten, wenn das Spiel beginnt und dann aus. Trotzdem, es tut schon weh zu sehen, wie oft der Fußballsport in den Hintergrund getreten wird.

  71. indian summer schrieb am 30. Juni 2008:

    Die von dt. nm regelmäßig erreichten guten platzierungen bei e- und wms, sie waren höchst selten ausdruck fußballerischer klasse. Ausnahme: Em 1972.

    Endspielteilnahme 2002: ein witz, ein schlechter.
    Dritter Platz 2006: Besser, aber in der summe, so wie dieses Jahr, folge vor allem des unglaublichen dusels bei den auslosungen.

    Diese reihe ließe sich trefflich fortsetzen (82,88,ja: auch 90, 96).

    Will sagen: Außerhalb unseres landes wird regelmäßig spott und häme darüber verbreitet, w i e es den jeweiligen editionen der schwarzweißen je wieder auf’s neue gelingen konnte, dritter-zweiter-erster zu werden.

    Warum wohl?

  72. Fischers Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Ich frage mich gerade, ob sich die EM vielleicht schon ein ganzes Stück weit in den Viertelfinalspielen entschieden haben könnte: Spanien hat es (nicht zuletzt aufgrund der exzellenten Qualität des Kaders auch in der Breite) als einzige Mannschaft geschafft, im letzten Vorrundenspiel wichtige Spieler zu schonen, OHNE dabei den Spielrhythmus zu verlieren. Alle anderen Teams sind entweder bereits im Viertelfinale ausgeschieden, weil sie es nicht hinbekommen haben, den Schalter vom letzten, unwichtigen Gruppenspiel wieder auf „Turniermodus“ umzulegen (Portugal, Holland, wohl auch Kroatien); oder aber ihnen fehlte die Kraft, um gegen die spielstarken Spanier zu bestehen (Russland, Deutschland, vielleicht sogar auch schon Italien?). Ich will jetzt die Diskussion gar nicht auf den Fitnessaspekt reduzieren – das würde den Spaniern nicht gerecht, die nicht nur aufgrund ihrer physischen Überlegenheit verdient Europameister wurden. Aber Ballack meinte gestern ja auch, das deutsche Team habe „gewollt, aber nicht mehr gekonnt“. Und die Einwechslung des noch frischen Marcel Jansen brachte definitiv Bewegung ins Spiel.

  73. lootschi schrieb am 30. Juni 2008:

    @ albert: geht mir genauso. war auch mein 12. endspiel (unglaublich, was?) und ich war schon 10 minuten vor dem ende am tresen zum bezahlen, damit ich schnell wegkomme. unterbrochen wurde alles vom unsäglichen gekreische der eventfans, die mit plastikklatschhänden, deutschland-perücken und aldi-tröten “stimmung” gemacht haben. was mich nur noch schwermütiger werden ließ.

    eine so leblose vorstellung in einem finale – da ist irgendwas massiv falsch gelaufen. selbst die berüchtigte schlucksee-truppe von häuptling derwall anno 82 hat sich ja zumindest bis zur 65. minute gewehrt. ich habe mich dabei ertappt, dass ich mich nach diesen dunklen 80er jahren gesehnt habe, als man wirklich noch denken konnte, dass die deutschen immer noch irgendwie ein tor schaffen.

    was mich traurig macht, ist, dass durch diese vorstellung (und andere mehr) so langsam der nimbus unserer mannschaft verloren geht. “die schwarze bestie” etc. – das glaubt ja bald keiner mehr.

  74. Fischers Fritsch schrieb am 30. Juni 2008:

    Der Nimbus der schwarzen Bestie – la bestia negra – haftet(e), soweit ich weiß, noch nie der Nationalmannschaft sondern den Bayern an. Aber im Kern haben Sie, lootschi, natürlich vollkommen recht: Der Lineker’sche Glaube an die unbesiegbaren Deutschen, die es trotz grausamen Spiels immer wieder schaffen, irgendwie ein Tor hinzuwursteln, schwindet. Die dahingehende Entwicklung ist aber nicht nur im Ausland zu beobachten, sondern vor allem auch im Inland, wo sie vor wenigen Jahren ihren Ursprung fand: Alle in den letzten Jahren vorgenommenen Reformen beruhen doch auf der (Sie mögen einwerfen: irrigen) Erkenntnis, dass mit Rumpelfußball auf Dauer nix zu holen ist. Der Zweifel am eigenen Nimbus ist dem gegenwärtig beschrittenen Weg immanent.

  75. lootschi schrieb am 30. Juni 2008:

    nein nein nein, so würde ich das nicht sagen. der rumpelfußball alleine hat uns ja die schrecklichen 10 jahre zwischen 96 und 2006 beschert, die aberwitzige wm 2002 mit den sechs vorrundengegnern bis zum finale war ja eben die fatale täuschung, dass es doch ginge. den bestien-ruf trugen uns ja die mannschaften der 70er und 80er ein, und die haben ja mit rumpelfußball wenig zu tun. wichtig und entscheidend war dann aber eher die mentalität, dieses vielleicht auch arschloch-gehabe, mit der diese mannschaften auftraten: sie haben sich für die ausreißer nach unten nicht entschuldigt. sie wussten einfach, dass turniere so laufen.

    das heißt, das die mannschaft gestern an dem anspruch gescheitert ist, immer schön, vertikal, schnell etc. spielen zu müssen, anstatt einfach mal zwischendurch das dreckig-einfache anzubieten, um irgendwie wieder ins spiel zu kommen. und das könnte das coaching problem sein, von dem geredet wird. wenn beckenbauer sagte: geht’s raus und spielt fußball, wusste er genau, dass die versteckte attacke, der fiese trick, das hinterhältige foul und die emotion dazugehören – wie auf dem bolzplatz ja auch, wo es ja beileibe nicht nur darum geht, schön zu spielen.

    abgesehen davon war spanien einfach eine klasse besser. wie sie den deutschen ab minute 15 durch ihre ballpassagen die zähne gezogen und den rhythmus genommen haben, war schon großer fußball. und das zeichnet eben gute mannschaften aus: wie sie auf spielsituationen reagiert. in dem punkt waren mannschaft und trainerteam in der gesamten em nicht finalreif.

  76. Schwarzseher schrieb am 30. Juni 2008:

    Und welche Rolle spielt die Bundesliga? Deutsche Vereine haben seit 2002 nicht mehr in einem europäischen Finale gestanden. Vor allem im taktischen und technischen Bereiche sind alle Vereine hinter die europäische Spitze und Russland / Rumänien zurückgefallen, hier muss sich einiges ändern, die Diskussion um falsche Einwechselungen oder Fitness sind nur Ablenkung, die Trainer haben wohl aus dem vorhandenen Spielermaterial das beste gemacht.
    Welcher Bundesligaspieler konnte sich empfehlen, vielleicht Altintop, aber sonst? Das es nicht zum EM-Titel gereicht hat ist dann sogar gut, so gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit wie nach 1990 und 1996.

  77. Sohn des Dreiecks schrieb am 30. Juni 2008:

    Interessant, wenn auch keinesfalls schlimm, ist meiner Meinung nach der geringe Raum, der im hiesigen Expertenzirkel den Europameistern zugedacht wird. Auch, bzw. gerade für das Finale gilt: Was für eine Demonstration. Alles in allem, da werden mir die meisten hier zustimmen, war das ein Sieg des Fußballs. Ein Sieg im Duell foie gras gegen Leberwurst.
    Dazu muss man das deutsche Spiel nicht schlechter machen, als es war. Aber: diese Spanier zeigten alles, was ihr Spiel ausmacht. Sie waren risikofreudig, verspielt, dazu gedankenschnell und streckenweise genial. Und das unter diesem Druck in einem Finale.
    Man nenne es romantisch, aber Fußball, der gestalten will und nicht auf gegnerische Fehler angewiesen ist, ist mir nach wie vor lieber als eiskaltes Ausnutzen eben solcher. Auch wenn man es aus der Bundesliga nicht anders gewohnt ist: Schöner Fußball besteht aus mehr aus Standardsituationen und Kontern, von Halbfeldflanken ganz zu schweigen.
    Spanien hat es, im Gegensatz z. B. zu den Brasilianern der 80er Jahre, geschafft, vor allem sich selbst zu beweisen, dass auch mit einer solchen Spielweise Titel möglich sind. Zuletzt gelang das Menottis Argentinien 1978.
    Zu Deutschland. Meiner Ansicht nach hat sich Löw auf erschreckende Art und Weise entmachten lassen. Die Kernkompetenzen eines Trainers, Spielsystem, Mannschaftsaufstellung? Hat nach dem Österreich-Spiel offenbar, so war es den Medien zu entnehmen, Ballack übernommen. Taktische Einstellung auf den Gegner? Man erinnere sich an die Szene, als Siegenthaler gegen die Türkei angesichts der bevorstehenden Einwechslung Frings’ aus seiner Loge zur Bank rannte. In allem weiteren (u.a. Motivationsfähigkeit, eine große Stärke Klinsmanns) liegen seine Stärken nicht gerade.
    Die beiden positiven Erscheinungen: Lahm und Podolski. Letzterer hat das gemacht, was er am besten kann: gestürmt. Seine Probleme in der Defensive sind m. E. ein Risiko, das der Trainer eingegangen ist und die Konsequenzen zu tragen hat. Gleiches gilt für Lahm. Oft alleine aufgrund von Podolskis angesprochenen “Problemen” sah er einige Male nicht gut aus. Ein Klassespieler bügelt so etwas aber aus.
    Entschuldigt den langen Text.

  78. juwie schrieb am 30. Juni 2008:

    Wir müssen wohl einräumen: Zu mehr reicht es momentan nicht (sowohl vom Turnierergebnis als von der Spielkultur). Die deutsche Mannschaft hat momentan halt nur einen aktiven Spieler in einer großen Liga – sowie einen Bank- (bis heute) und einen Tribünenhocker (der nach den gezeigten Leistungen dort auch bleiben wird). Zusätzlich hat die Bundesliga im Vergleich einfach an Bedeutung verloren (auch wenn man das “Produkt” in wenigen Wochen wieder hochjazzen wird). Was für mich das Erschreckende ist: Aus anderen Ligen der zweiten Leistungsklasse tauchen international immer wieder Mannschaften aus, die wegen eines überzeugenden Spielsystems, guten Coachings und überzeugendem Scouting eine Weile in der CL “mitheulen” können (Porto, Eindhoven, Lyon). Warum schafft das eigentlich der deutsche “Branchenprimus” nicht (aber vielleicht fängt gerade deshalb Klinsmann dort an)?

    Okay, das sind jetzt 3 Euro: Es ist zwar schon besser geworden, aber trotzdem brauchen wir in der BL mehr “Konzeptfußball” (willkommen Hoffenheim!) und einige Spieler mehr in England oder Spanien (schade, dass Lahm statt Tapas zu kosten lieber bei Oma zu Mittag isst und Gomez mit der bei der EM gezeigten Leistung maximal zum FCB wechseln darf).

    Wenn die Info aus dem Trainerteam stimmt, dass die Standards so bescheiden sind, weil seit vier Jahren intensiv am Defensivverhalten gearbeitet wurde, dann ist es ein Wunder, dass sich die NM in den letzten zehn Jahren überhaupt für Turniere qualifizieren konnte. Was da in Klagenfurt, Wien und Basel, aber auch im letzten 3/4-Jahr geboten wurde, war nämlich nicht sehr überzeugend…

    Und dem BT wünsche ich dringend eine “Entnostalgisierung” seines Handelns: Weniger Rücksicht auf Verdienste früherer Jahre (Metzelder, Odonkor, Lehmann, leider wohl auch Frings), etwas mehr Mut beim Wechseln. Und man darf auch mal ein siegreiches Team ändern, wenn sich eindeutige Schwachstellen ausmachen lassen.

  79. nedfuller schrieb am 1. Juli 2008:

    Oh die Standards …
    Ich erinnere mich an ein Kommentar in den Medien: Die sollen weniger Basketball spielen und mehr Ecken üben …

    Die Bundesliga ist eh aussen vor, wenn es um internationale Finals geht.
    Wer hat denn noch den Mut einen Trainer einzustellen, der ein Konzept hat? Hoffenheim mag die Asnahme sein, aber das zeigt sich auch in der ersten Hälfte der Saison, wenn mehr Spiele verloren als gewonnen sind und die Schatulle des Herrn Hopp geöffnet wird …

    Die Bayern geben 100 Mio in der letzten Saison aus und schaffen es im Verlierer- erm UEFA Cup nur bis ins Halbfinale. ManUtd hat 100 Mio für Spieler ausgegeben, die teilweise nur von der Bank kommen (Nani) damit über die lange Saison genügend Qualität im Kader ist.

    Bei der zentralen Vermarktung und weniger Geld als in anderen Ligen werden wir weiterhin eine spannende Bundesliga erleben. Aber international reissen wir nichts.

    Warum wohl trauen sich nur wenige Spieler ins Ausland? Weil sie in ihren jungen Jahren schon soviel Geld bekommen und Erfolg haben (zumindest wenn sie zu Bayern wechseln), dass sie satt sind.
    Ich will ein Lahm in England spielen sehen, damit er reift. Ein Podolski auf der Bank macht mich traurig. Warum nicht nach England oder Spanien gehen? Das kann viel ausmachen, siehe Torres, Ronaldo, …

    Nu reichts aber. Freuen wir uns auf den 2. Platz und träumen weiter davon, das unsere NM sich weiter entwickeln wird.

  80. Max Diderot schrieb am 1. Juli 2008:

    Tag 2 als gefühlter Vize-Europameister scheint zumindest den emotionalen Nebel ein wenig aufgeklärt zu haben und den rationalen Aspekten ein wenig mehr Raum zu gewähren.

    Konzeptfußball – das Zauberwort der Neuzeit! Wurde der nicht immer schon gespielt? Die Engländer mit ihrem Kick-and-Rush genauso wie die Italiener mit dem Catenaccio, Niederlande mit 4-3-3 oder Deutschland mit seiner physischen Präsenz. Es heißt, dass die fulminanten Darbietungen des AC Milan unter Arrigi Sacchi nur möglich gewesen wären, weil dieser vom taktischen Kalkül des Trainers Walerij Lobanowskyj, ehedem Coach von Dynamo Kiew, der sowjetischen und der ukrainischen Nationalmannschaft, fasziniert gewesen sei. Dieser Lobanowskyi gilt gemeinhin als einer der fußballerischen Freigeister. Im Gegensatz zu Sacchi, der sein Personal vor allem durch das finanzielle Engagement eines Silvio Berlusconi rekrutieren konnte, wurde und wird im osteuropäischen Raum sehr viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung junger Spieler gelegt. Ehrlicherweise muss hinzugefügt werden, dass dieses Prinzip in einer circa zehnjährigen Phase nach dem Zusammenbruch des Kommunismus verloren ging, jetzt aber wieder und verstärkt aufgegriffen worden ist.

    Fußball-Deutschland dagegen wurde lange Zeit emotional und nur teilweise von Erkenntnissen bestimmt. Das hatte unterschiedliche Gründe und mündete in einem Spektrum zwischen ökonomischer Unmöglichkeit und generellem Desinteresse. Das die Leidenschaft für schönen, eleganten, attraktiven Fußball in Deutschland genauso vorhanden ist wie in anderen Ländern, dokumentieren Namen wie Weisweiler, Mönchengladbach, die stürmische Phase des 1.FC Kaiserslautern, das Kurzpassspiel des SC Freiburg unter Volker Finke und Werder Bremen. Leider ist den meisten dieser Mannschaften, national und international gemein, dass sie nur so etwas wie ein temporäres Mosaik darstellen, aus dem im Laufe der Zeit Einzelteile herausfallen.

    Möglicherweise, ich würde behaupten: ziemlich sicher, kommt aber nun Besserung für den deutschen Fußball in Sicht. Die komatösen Zustände nach den Europameisterschaften 2000 und 2004 sind eh überwunden, und die Nachwuchs-Akademien der Bundesligisten kreieren zahlreiche Talente. Dass es dabei auch Probleme gibt, dokumentierte jüngst ein Artikel auf Spiegel-Online*. Fußballerisches Talent alleine ist aber nicht alles. Wichtig ist auch der eigene Wille, Defizite zu erkennen und sie beheben zu wollen; ein Trainer muss einen begabten Spieler fördern wollen und benötigt manchesmal viel Verständnis und Ausdauer für diese subjektive Entwicklung. Hinzu kommt der intellektuelle Aufwand. Eine Spielphilosophie zu konzipieren, Alternativen zu entwickeln wenn der Gegner das System antizipiert, verlangen eine mentale und intuitive Stärke aller Protagonisten.

    Die spanischen Fußballer waren nicht immer für ihren technisch-taktischen Fußball berühmt. Aber der spanische Fußballverband hat es spätestens seit Beginn der 1990er Jahre vorzüglich verstanden, seine Jugendarbeit erfolgreich zu gestalten. 8 U-17-EM-Titel, 5 U-19-EM-Titel und ein Erfolg als Juniorenweltmeister, nebst einigen Finalteilnahmen, sind eindrückliche Indizien für diese Intention. Dabei wird schon in der Jugendausbildung der Iberer, die Portugiesen waren lange Zeit auch recht eindrücklich in der Weltspitze des Jugendfußballs vertreten, konnten aber seit 2003 (U-17) nicht mehr reüssieren, viel Wert auf eine technisch-taktische Differenzierung gelegt.

    *http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,562482,00.html

  81. moritz schrieb am 1. Juli 2008:

    @72:
    sehe ich in einem punkt anders, die dt. nationalmannschaften ende der 70er und durchgängig 80er jahre haben erst den begriff rumpelfussball geprägt und salonfähig gemacht

  82. M.Wiemer schrieb am 1. Juli 2008:

    Tag 2 nach dem Finale. Fußball ist schon sehr faszinierend. Er bezieht seine Faszination aus vielen emotionalen Momenten und seinen Unwägbarkeiten. Beim Finale hatte ich die ersten 10 Minuten ein gutes Gefühl. Danach nicht mehr. Es war schon ein Klassenunterschied auszumachen. Die Erwartungen waren mit der inszenierten “Bergtour” hochgeschraubt und die Messlatte von Löw sehr hoch vor dem Turnier gelegt. Während des Turniers und den doch teilweise so gar nicht zu seinen vollmundigen Ankündigungen von Offensivfussball (sowie den spielerischen Lösungen) passenden Angsthasenfußball seiner Jungs ruderte er zurück. Ins Finale sind weder die Niederlande noch Portugal (sollten sich mal einen vernünftigen Torwart zulegen) oder das zwischenzeitlich wie entfesselt stürmende Russland gekommen. Dafür Löw seine Truppe mit einer Elf die sich gegenüber 2006 nicht wirklich weiter entwickelt hat.

    Ich hatte schon vor dem Turnier die Meinung: Diese DFB Elf ist mehr Schein wie Sein. Ich hatte ihr noch nicht mal die Finalteilnahme zugetraut. Wie sollte dies denn auch gehen. In der Vorbereitungsphase 3 Spieler aus der 2. Liga im erweiterten Kader. Einen Torwart mit Schwielen am Po, einen Abwehrpflegefall Metzelder, einen Leichtathleten mitgenommen (dessen Überraschungsmoment seit 2006 verpufft war), Stammplatzgarantien für die – Schon immer dagewesenen -
    Bergsteiger.
    Spieler mit weniger Schulbubenimage und einem nicht abgeschliffenen Charakter wie Jones und Hildebrandt wegen der Friede, Freude, Eierkuchen Harmoniesucht nicht mitgenommen.

    Ggenüber dem Vorrundenaus 2004 und 2000 natürlich eine Steigerung. Nur irgendwie habe ich das Gefühl einer Mogelverpackung. Dies kennt man ja von diesen riesigen Cornflakes Kartons. Wenn sie geöffnet werden sind die Tüten drin in der Regel immer wesentlich kleiner als das Kartonage Volumen es von draussen vermuten lässt.

    An dieser Stelle ein ganz dickes Lob an Oliver Fritsch für seine Zeit, seinen Einsatz und die wunderbare EM Begleitung durchs Turnier. Bis zum nächsten Turnier !!

  83. zola schrieb am 1. Juli 2008:

    geehrter max, nur eine kurze anmerkung: arrigo sacchi hat die erfolge des ac milan nicht ausschließlich durch das finanzielle engagement eines berlusconi einfahren können. ihre darstellungsweise – und ich muss sie damit nerven – ist verkürzt und reproduziert tendenziell die gängigen klischees, die über den italienischen fußball zur zeit en vogue sind (die geldhaie, die lobbyisten, die berlusconisten etc.). sacchi war ein vordenker (pressing plus raumdeckung plus viererkette plus absteisfalle), der innerhalb seiner konzeptionellen vorstellungen dem individuellen immer einen großen entfaltungsspielraum gab. seine erfolge hätte er wahrscheinlich auch mit anderen spielern als eingefahren, zumal zu sacchis zeit nur drei ausländer (die drei holländer) auflaufen durften. sein konzeptfußball versuchte er auch in die italienische nationalmannschaft zu übertragen, hatte systematisch betrachtet auch erfolg damit, fuhr aber keine trophäen ein. erst vor einigen tagen hat mehmet scholl nochmal im tv mit beckmann darüber berichtet, wie die deutsche mannschaft während der em 1996 während des gesamten spiels nur wenig ballkontakte bekam, weil “sacchis netz” zu engmaschig gestrickt war. die übrigen spieler der großen mailänder mannschft der achtziger und frühneunziger waren zum großen teil eigengewächse oder spieler, die jahrelang in dem verein spielten (maldini, baresi, costacurta, ancelotti, donadoni etc.).
    ansonsten vermisse ich in der gesamten öffentlichen diskussion über die euro, stimmen, die die tendenz zur komplett-eventisierung des fußballsports analysieren: fahnenwahn allerorten, massenmediale schleimerei gegen die türken, pr-gelalle auf allen kanälen, selbst aus der dfb-delegation (“die mannschaft entwickelt sich”), ein ballack, der nach der bitteren niederlage gezwungen wird, ein fan-plakat in die luft zu halten und sich deshalb mit bierhoff anlegt, ein durchnationalisierter fußball (deutschlandfahne ist jetzt ok, entkrampfter patriotismus ist jetzt ok – vielleicht ist das wirklich ok, komischerweise wird darüber kaum mehr diskutiert), hoher anteil von modefans, die wenig ahnung, aber zu allem eine meinung haben, alles macht auf gute stimmung, selbst in momenten der trauer (zwanghaft gute laune ist programm)usw.

  84. 7gscheiter schrieb am 1. Juli 2008:

    Ballacks Problem bei dieser EM war, dass er zu viel gemacht hat, weil er zu viel machen musste. Er war überall, am eigenen Strafraum, auf den Flügeln, hinter den Spitzen, eben überall. Er versuchte vor der Abwehr aufzuräumen, das Spiel mit einem Pass zu eröffnen, dann noch im Strafraum als zweite Spitze aufzutauchen, und und und… Dabei legt er einen Kilometer nach dem anderen zurück, nahm jeden Zweikampf, den er kriegen konnte. Am Ende betrieb er einen ungeheuren Aufwand,doch der Ertrag war recht bescheiden.

    Warum tat er das? Weil er bemerkte, dass es in der Mannschaft nicht so lief wie vor zwei Jahren, weil er bemerkt, dass er sich auf seine Mitspieler nicht verlassen konnte. Zu viele Leistungsträger waren außer Form oder bei weitem nicht so in Form wie noch bei der WM 06. Die Mannschaft war nicht komplett, zu viele Positionen waren nicht gut genug besetzt.

    Ein Hitzlsperger im defensiven Mittelfeld genügt internationalen Ansprüchen kaum, ein Podolski auf der linken Mittelfeldseite kann ebenfalls nur eine Notlösung sein, er kann und möchte einfach nicht verteidigen, ein Metzelder war nie der überragende Verteidiger, ein bewundernswerter Frings quälte sich durch das Finale, scheute keinen Zweikampf, aber es war eben nicht der Frings von vor zwei Jahren.

    Das alles führt dazu, dass auf der linken Seite erst Janssen und dann Lahm Einzelkämpfer waren, und sich ständig gegen einen oder zwei Gegenspieler wehren mussten, es führte dazu, dass die Zone vor den beiden Innenverteidigern nicht genug genug verteidigt wurde, und es führt dazu, dass die beiden Innenverteidiger einen Zweikampf nach dem anderen nehmen mussten, und jeder schnelle und wendige Stürmer weiß, wie lustig es ist, sich mit Speed in Zweikämpfe gegen großgewachsene Stopper zu stürzen. Und es führt auch dazu, dass der Spielaufbau aus dem zentralen Mittelfeld mangelhaft war, wenn er denn überhaupt stattfand.

    Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Ballack versuchte, all diese Lücken zu schließen, manchmal alle auf einmal, um die Mannschaft wieder funktionieren zu lassen, und das musste in überfordern. Vielleicht wäre es effizienter gewesen, wenn er sich mehr auf eigentliche Rolle konzentriert hätte.Den “Chelsea-Ballack”, den wir alle aus dem Championsleaguefinale kennen – insbesondere den aus der zweite Hälfte – der offensichtlich dominiert, der schnelle Pässe in alle Richtungen spielt, der den Abschluss aus der Distanz sucht, und der bei Standards seine Kopfballstärke ausspielt, den konnten wir deshalb bei der EM nicht beobachten.

  85. Nixwisser schrieb am 1. Juli 2008:

    ??? Ich habe nicht gesehen, daß Ballack versucht hat, alles an jedem Ort zu tun. Selbst wenn es so gewesen wäre, was hätte ihn daran gehindert, die Sachen richtig zu tun? Er spielte zu viele Fehlpässe und zu viele passive Bälle, wo ein konstruktiver gefragt war. Ballack ist nicht alleine schuld, daß es nicht so lief, wie es sollte. Aber er trägt seinen Teil dazu bei. Und der ist größer als der der anderen. Das sind die Anforderungen die an Leader gestellt werden. Und das will er doch sein, oder? Wenn er sich an den eigenen Ansprüchen messen läßt, war seine Turnierleistung enttäuschend. Das weiß er auch. Alles andere ist Schönfärberei. Daß die UEFA ihn in die Topspieler-Riege gewählt hat, spricht für ihre höflichkeit oder ihre Ahnungslosigkeit.

    Wollen alleine reicht nicht. Das Können ist entscheidend.

  86. lootschi schrieb am 1. Juli 2008:

    das problem mit ballack ist, dass noch nie ein kapitän einer nationalmannschaft derartig hochgejazzt wurde: folge der eventkampagne, dieses elende capitano gelalle. wenn irgendein spieler nicht in diese rolle passt, dann doch ballack. seine besten auftritte hatte er immer schon als teil eines ganzen, nicht als “leader”, führungsspieler etc. selbst ein matthäus, weißgott kein kleines ego, wurde nicht dermaßen überhöht. das widerspricht sowohl dem modernen fußball, der diese rolle garnicht kennt – deswegen diese erschreckende diskrepanz zwischen dem hype und dem, was auf dem platz passiert – als auch ballacks charakter. leider scheint er diese rolle immer mehr annehmen zu wollen, die indizien sprechen gegen ihn. bestritt er noch bei beginn seiner chelsea zeit diese führungsansprüche, kommen jetzt so gesprenstische interviews wie das von oliver fritsch zitierte aus der sz. und auf dem platz verwechselt ein mensch, der keine stille und natürliche autorität hat, lautes rumbrüllen und angemeckere mit führungskraft. aber das weiß man noch aus der schule: auf die lehrer, die am lautesten brüllen, hört man am wenigsten.

    es ist eh nur spekulation, aber ich bin sicher, dass die mannschaft im finale ohne ballack besser gespielt hätte. freier. wagemutiger. und auf der bank hätte er gesessen und als waffe ab der 65. minute eingesetzt werden können, falls es dann noch unentschieden gestanden hätte. wie rummenigge 82 im wm-halbfinale gegen frankreich. als rummenigge kam, bekamen die franzosen plötzlich muffen.

  87. nedfuller schrieb am 1. Juli 2008:

    Aber ein Jogi lässt ein Ballack nicht auf der Bank.
    Ein Klinsmann hat es getan.

    Ein Jogi zweifelt keine sekunde an der Nummer eins im Tor.
    Ein Klinsmann hat dies getan.

    Wenn die Rolle von Ballack in der NM eine andere als bei Chelsea ist, dann liegt es daran, dass eben in Deutschland kein Lampard, kein Makelele, kein Cole zur Seite steht.
    Aber dann muss ich als Trainer doch versuchen, dass Ballack nicht versucht alles alleine zu machen. Zumal er ja auch verletzt in die Partie gegangen ist.

    hach, bei der WM2010 wird alles besser.

    Wer ist übrigens beim PublicViewing vom Spiel Cottbus gegen Bielefeld dabei?

  88. Max Diderot schrieb am 1. Juli 2008:

    zola, Sie nerven ganz und gar nicht. Ihr Verweis das Phänomen Arrigo Sacchi respektive die Hervorhebung von dessen Kompetenz ist vollkommen richtig und von mir vernachlässigt dargestellt worden. Die Autorin Birgit Schönau schreibt dazu in ihrem Buch “Calcio – Die Italiener und ihr Fußball”, Verlag Kiepenheuer & Witsch 2005, Seite 85,

    “Interessanterweise ist dieser asketisch wirkende Savonarola der reinen Calcio-Lehre sein Image als nibelungentreuer Berlusconianer nie losgeworden, obwohl die Tugenden, die der Trainer Sacchi seiner Mannschaft einzubläuen versuchte (unbedingte Kooperation, Respekt vor den menschlichen Qualitäten des Mitspielers, Gruppenethik), im Sinne Menottis genauso wie seine Orientierung auf Angriffsfußball für ‘linken’ Fußball standen. Doch allzu unkritisch und nachgerade eilfertig hatte Sacchi seinem früheren Arbeitgeber – bei dem er später als Fernsehkommentator erneut auf der Payroll stand – Ergebenheitsadressen nachgesandt und für Berlusconis neue Politbewegung geworben. Das hat seinen Ruf in Italien nachhaltig ramponiert, dabei hatte der notorisch bescheidene, ja demütige Arrigo Sacchi wohl einfach nur nicht verstanden, dass Silvio Berlusconi ihm sehr viel dankbarer sein musste als der nach oben katapultierte Übungsleiter seinem Patron.”

    Nun unterscheiden sich hinsichtlich der Besitzverhältnisse und der Akquirierung liquider Mittel die Gegebenheiten in Spanien und Italien nicht wesentlich. Nur um einen Bezug zur Finalpartie zu schaffen. Und der merkantile Wildwuchs ist enorm. Gestatten Sie mir, noch ein Zitat aus dem o.a. Buch wiederzugeben, Seite 215/216, über die finanzielle Situation der meisten italienischen Fußball-Vereine,

    “Der tiefere Grund liegt vielmehr in der allen ökonomischen Grundwahrheiten widersprechenden Finanzpolitik der meisten Klubs. Über Jahre wurde Geld ausgegeben, das noch gar nicht eingenommen war, wurden Spieler in kreativer Buchführung von einem Bein auf das andere geschoben, damit am Ende doch noch irgendwie null herauskam, wurden Steuerschulden in dreistelliger Millionenhöhe (Euro!) aufgehäuft, immer darauf vertrauend, dass es schon irgendwie weitergehen würde.”

    Natürlich läßt sich diesbezügliche Aussage auch über einige Bundesligateams treffen – Dortmund, Kaiserslautern, 1860 München, u.a. Der Unterschied zwischen italienischen und deutschen Verhältnissen dürfte in den größtenteils geringeren Personalkosten, den attraktiveren Stadien und dem strengen Lizenzierungsverfahren der Bundesligisten bestehen.

    Ihre Einwände gegen den Event-Charakter von Fußballspielen ist ja nicht ganz neu. In Deutschland (Bayern München) und England (Manchester United) gab es ja auch schon vehementen Protest. Und die Presse berichtete ja durchaus kritisch über die von Herrn Bierhoff initiierte Dankes-Choreografie. Nur, hier sind wir wieder beim Punkt: Solange die Regeln des Respekts und der Toleranz eingehalten werden, kann ich doch nicht Menschen von etwas ausschließen, das ihnen vielleicht nur oberflächlich und vorübergehend gefällt.

  89. zola schrieb am 1. Juli 2008:

    max, ich bin voll ihrer meinung und werde ihnen nicht wiedersprechen, was die “italienischen verhältnisse” angeht. vielleicht habe ich das auch etwas zu verkürzt wiedergegeben: ich meinte natürlich nicht nur den event-charakter von fußball allgemein. ich wäre hinterweltlerisch, wenn ich das heute als neuigkeit verkaufen würde. die darstellung der deutschen elf und des damit einhergehenden allerms um den natioanbewegten fußball hat schon endgültig einen neuen status quo erreicht, der erst heute, meiner meinung nach, breit in der presse diksutiert wurde bzw. eben nicht mehr diskutiert wird: die wm 2006 hat ein neues niveau gesetzt und die em hat es bestätigt, daß schein und wirklichkeit eines spiels immer weiter verschmelzen und sich sozusagen symbiotisieren zu einem neuen, höheren wischiwaschi-dilirium, in dem keine schlechte laune mehr möglich ist, in dem in den strassen kritik als miesepetrigkeit interpretiert wird, in dem letztendlich jede kritik an der deutschen mannschaft vielleicht sogar als verrat an den deutschen fahne gesehen wird – solche gespräche habe ich wahnsinnigerweise geführt: man kritisiert die merkwürdigen tendenzen hierzulande mit dem fußball umzugehen und bekommt sofort seinen platz im vermeintlichen heimatland zugewiesen, mit dem grund, dort wäre das auch nicht besser, oder dort wären die menschen ja auch patriotisch und ließe die spaßsau raus. ich hoffe, sie verstehen mich richtig: es geht mir nicht um deutsch oder nichtdeutsch oder sowas. diese sichtweise bringt einen ja nicht voran. es geht um höheres.

  90. Rumpel schrieb am 1. Juli 2008:

    Das jetzt alle wieder auf dem Ballack rumhacken…
    …auch ein Klinsmann hätte ihn in einem Endspiel aufgestellt, aber dass das Trainergebahren des Herrn Löw manchmal schwer nachzuvollziehen war, ist nicht von der Hand zu weisen. Diese Stürmerauswechslungen waren schon komisch.

    Nunja, vielleicht sollten Ballack und Dirk Nowitzki mal ne Selbsthilfegruppe gründen, vielleicht klappt es ja dann mal.

  91. Tom schrieb am 1. Juli 2008:

    Ballack-Bashing war schon immer “IN”. Diejenigen, die von einem Trainer verlangen seinen Spielführer in einem Endspiel draußen zu lassen haben von der Realität wenig Ahnung. Dies würde man nicht einmal in der Kreisklasse machen und bei einer EM schon gar nicht. Mit Frings verhält es sich ähnlich. Aber auf der Couch redet es sich halt leicht. Das “Ballack = ewiger Zweiter” Gelabere geht ehrlich gesagt auch ein wenig auf den Geist. Würde man gleiche Maßstäbe anlegen, wäre Uwe Seeler die größte Null aller Zeiten.
    Ich wundere mich, dass niemand den spielentscheidenden Fehler von Lehmann thematisiert. Jeder, wirklich jeder Abwehrspieler stellt auf diesem Niveau seine Bemühungen ein, wenn der Torwart kommt. Ohne das unnötige Herauslaufen von Lehmann, wäre dieser Treffer niemals gefallen. Er hat die Spielsituation vollkommen falsch eingeschätzt.

  92. Tom schrieb am 1. Juli 2008:

    Um Oliver Kahn geht es hier aber nicht. Es geht darum, dass der Fehler Lahm “gutgeschrieben” wird und allenfalls in Nebenbemerkungen Lehmanns Verhalten erwähnt wird. Und falsches Herauslaufen ist nun mal falsches Herauslaufen, egal ob man Lehmann oder Nikopolidis heißt. Wobei ich hier nicht auf Lehmann eindreschen will. Er war mangels (eingespielter) Alternativen insgesamt die richtige Lösung. Es geht mir allein um dieses Tor, welches man normalerweise dem Torwart ankreiden muss und nicht dem Abwehrspieler.

  93. indian summer schrieb am 1. Juli 2008:

    Rumpelfußball wird in der nm, mit ganz wenigen ausnahmen, seit den späten siebzigern gespielt, nur so genannt, dass wird er erst seit ca. zehn jahren.

  94. Tom schrieb am 1. Juli 2008:

    Das erste Exemplar von “Rumpelfußball” habe ich schon 1954 gesehen. In seiner übelsten Form.
    Sogenannte Experten greifen diesen von einer gewissen “Zeitung” vor einigen Jahren geschaffenen Begriff heutzutage gerne ab, um ihrer fehlenden Argumentation Nachdruck zu verleihen. Ihn ausschließlich auf Deutschland und die jüngere Vergangenheit zu beziehen halte ich für etwas verwegen. Andere Nationen holten auf diese Art und Weise ebenfalls zahlreiche Titel.

  95. Max Diderot schrieb am 1. Juli 2008:

    Tom, diese Fehlerkaskade in der deutschen Abwehr wird ebenso tiefsinnig wie ironisch in der Presse analysiert. Christof Kneer bezeichnet es in seinem lesenswerten Artikel in der Süddeutschen als Wackelkontakt im Spiel. Lahm wird auch nicht zum Sündenbock degradiert.

    http://www.indirekter-freistoss.de/home/deutscheelf-010708.html

  96. Tom schrieb am 1. Juli 2008:

    Max, habe ich gelesen. Aber wohl der einzige Kommentar, der es auf den Punkt bringt. Sind nur so wenige (ein!?) Berichterstatter in der Lage eine spielentscheidende Situation in einem EM-Finale richtig zu schildern. Armselig, oder?

  97. Max Diderot schrieb am 1. Juli 2008:

    Ich denke, die Leistung der Spanier war so berauschend, dass es einer kilometerlangen Analyse bedurft hätte, um den Nebel, der den Gipfel umwabte, für die deutsche Mannschaft kenntlich zu machen. Vielleicht akquirieren sie ja, so die Qualifikationen erfolgreich sind, Reinhold Messner, der sich in solchen Regionen auskennt, für die nächsten Gipfelstürme.

    Es bringt ja nichts, einzelne Spieler für ewig an den fußballerischen Marterpfahl zu binden. Man darf auch nicht vergessen, dass viele der deutschen Akteure interessante Charaktere sind, sozial engagiert und bestimmt auch mit jenem Grad an Selbstkritik ausgestattet, der sie über das Gewesene reflektieren läßt. Irgendwo meinte ich vor kurzem ‘mal gelesen zu haben, dass die gesamte DFB-Elf 10% der EM 08-Prämien für ein soziales Projekt der Frauen-WM 2011 spendet. Das verdient Applaus.

    Ich möchte aber noch auf einen anderen Punkt hinweisen. Die spanische Auswahl gewannn 1984 bei der EM in Frankreich die Silbermedaille und nun wurden sie Campiones. Die weiteren, dazwischen liegenden Resultate lesen sich verheerend:

    1988 – ausgeschieden in der Vorrunde
    1992 – keine Qualifikation
    1996 – ausgeschieden im Viertelfinale
    2000 – ausgeschieden im Viertelfinale
    2004 – ausgeschieden in der Vorrunde

  98. Tom schrieb am 1. Juli 2008:

    Du unterschätzst welche Spiele ähnlichen Spielverlaufs in der Vergangenheit von den spanischen Gegnern gewonnen wurden. Die spielen seit zig-Jahren so. Komisch, dass ausgerechnet diesmal niemand ein Gegenmittel eingefallen ist. Zur Spendenbereitschaft: Würde ich mit soviel Kohle genauso machen und nebenbei noch ein paar Stiftungen (wie Lahm z.B.) gründen. Gute Geldanlage! Oder glaubst Du echt, die spenden das völlig uneigennützig? Tolle Jungs, gell?

  99. lootschi schrieb am 1. Juli 2008:

    ich will ja gar nicht auf ballack eindreschen, das ist billig. ich war immer ein fan von ihm, wenn er fußball spielt, finde ihn aber in seiner pseudoaggressivität ziemlich unerträglich. es hätte natürlich großen mutes bedurft, ihn im finale erstmal nicht zu bringen, und wer weiß, wie es dann ausgegangen wäre. auf jeden fall hätte sich löw bei einem fehlen ballacks und änhlichem spielverlauf noch im stadion sehr warm anziehen müssen.

    das traurige ist nur, dass in der nm seine qualitäten nicht mehr zur geltung kommen, weil es immer nur darum geht, diese alpha-tierchen-capitano-scheiße abzuziehen. bin ich der einzige, der denkt, dass das garnicht zu ihm passt?

    vielleicht ist auch einfach nur die schlechte laune, die ballack und frings auf dem platz ausstrahlen. das muss die mitspieler doch nerven, dieses gehabe und diese angeberische platzhirsch masche. spaß am fußball vermitteln die beiden “anführer” auf jeden fall nicht. da lob ich mir doch einen lahm, oder podolski. dagegen war ja selbst kahn noch angenehm. der konnte diese brüllerei wenigstens echt rüberbingen, der war darin glaubwürdig.

  100. Max Diderot schrieb am 2. Juli 2008:

    Tom, Herbert Achternbusch soll einmal gesagt haben, “Das schöne Gefühl, Geld zu haben, ist nicht so intensiv, wie das Scheißgefühl, kein Geld zu haben.”

    Und wenn diejenigen, die es haben, anderen davon abgeben und zudem noch die steuerlich legalen Möglichkeiten ausschöpfen ohne nach Liechtenstein zu transferieren, sehe ich das als eine Chance für jene, die nicht haben. Bedauerlich nur, dass davon so wenig Gebrauch gemacht wird. Es gäbe noch viel mehr Projekte, die national und international der finanziellen Unterstützung (oder besser: Anschubfinanzierung) bedürfen.

  101. moritz schrieb am 2. Juli 2008:

    @94: schon um ‘86 herum wurde der begriff rumpelfussball gebraucht meist von einer spezillen fankultur, unter voigts wurde er salonfähig auch in den gazetten

  102. Max Diderot schrieb am 2. Juli 2008:

    Ich lach mir einen Ast ab! Warum, dazu später.

    Die FIFA-Rangliste ist aktualisiert worden, Spanien ist der neue Spitzenreiter, die DFB-Elf rückt von 5 auf 3. Nun aber der Grund für mein Verhalten:

    England rangiert auf Platz 15! – und verliert damit sechs Positionen. Der absolute Brüller ist aber Österreich: Rang 105! Jetzt könnte es selbst unter Peter Neururer nur noch besser werden.

  103. sznajdr schrieb am 2. Juli 2008:

    Mich treiben neben den vielen richtigen Analysen in diesem Blog hinsichtlich Bravheit, Lethargie etc. noch zwei andere Fragen um: Warum traut sich niemand ind er Öffentlichkeit zu sagen, dass der hochgelobte “Leader” Ballack in diesem Finale zwar an nahezu allen Offensivaktionen der Deutschen beteiligt gewesen sein mag (auch wenn deren Zahl ja nun freilich überschaubar war), aber ansonsten eine bemerkenswert hohe Fehlpass- und Ballverlust-Quote hatte, und derart so manchen Gegenangriff der Spanier einleitete? Aber, wichtiger noch: Warum setzten die Deutschen, bei allem Respekt vor dem taktischen Verständnis von Jogi Löw, gegen die im Schnitt gefühlte zweieinhalb Köpfe kleineren Spanier nicht instinktiv auf Flanken, Flanken, Flanken bzw. warum kamen bis auf eine (von, na gut, in dem Fall Ballack) keine halbwegs verwertbare, sondern nur der übliche halbhohe (Hitzlsberger) oder viel zu weite (Schweinsteiger) Mist, selbst bei Ecken? Wozu hat man denn den “weltbesten Kopfballspieler” (Klose), den “torgefährlichsten Mittelfeldspieler” (Ballack) und dergleichen mehr (Mertesacker, von mir aus auch Metzelder)? Man muss ja nicht gleich in deutsche Untugenden à la WM 1998 verfallen, wo gar nichts anderes ging, aber gegen einen derartigen Gegner, und noch dazu, wo erkennbar auch nicht anderes ging, hätte es von mir aus gern ein bisschen mehr Brechstange sein können. Es war schließlich kein Gruppenspiel, sondern das Finale, aber letztlich fehlte es wohl in der Tat an Mut, Siegeswillen und leider, leider vielem anderen mehr. So bleibt nur der schale Beigeschmack, dass Deutschland zwar völlig verdient verloren hat, dass es aber mit einer anderen Leistung gegen zweifellos den besseren Fußball spielende (und noch dazu absolut faire und sympathische), aber keineswegs übermächtige Spanier durchaus hätte gewinnen können. Allen Konjunktiven zum Trotz.

  104. Rob schrieb am 2. Juli 2008:

    Langsam nervt mich dieses ständige Ballack Bashing. Wenn wir auf nur auf allen Positionen einen Spieler seiner Klasse hätten …

  105. indian summer schrieb am 2. Juli 2008:

    Ich war als kind und jugendlicher selbstverständlich bei den länderspielen, sei es freundschaft, sei es wettbewerb, stets supporter der deutschen nm. Spätestens seit der wm 1978 wurde das anders.

    Welchen hinreichenden grund sollte es geben, eine nm, deren fußballerische darbietungen ab dann sukzessive schlechter wurden, weiterhin zu unterstützen? Etwa deswegen, weil es die germans sind?

    Nur weil ich, zufällig, in diesem land geboren und aufgewachsen bin, muss ich doch nicht das, was vergleichsweise qualitativ abfällt, goutieren, oder?

    Ich weiß, es gibt keine gerechtigkeit beim fußball, weder auf nm-niveau noch auf dem hartplatz. Dieses wissen jedoch hält mich nicht davon ab, klartext zu reden/schreiben, wenn es um die sachlich gebotene einordnung von leistungen in einen offensichtlichen kontext geht – und hierbei bleibt den jeweiligen editionen der dt. nm seit 1978 nur allzu selten lob auszusprechen übrig.

  106. myLaola: Blog von StefanoMillinotti: Millinotti's EM-Tagebuch - Teil 13: Millinotti's Euro-Ensemb... schrieb am 2. Juli 2008:

    [...] EM-Tagebuch – Teil 13: Millinotti's Euro-Ensemble (2/2) Spanien ist Europameister. Und das völlig verdient. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Kommen wir also zu den wichtigen [...]

  107. tony adams schrieb am 2. Juli 2008:

    Luca Toni beklagte sich in einer SMS darüber, er habe schwerwiegende Probleme mit seinem besten Freund, dem Ball. Wir konnten nun feststellen, dass die Unsrigen wohl schon immer ein distanziertes Verhältnis zu ihm pflegten. Vielleicht nähern sich auch nur Publikum und Darsteller im Niveau an – und keiner merkt es in dem ganzen künstlich verursachten Trubel. Denn wenn Event-Fans Verlierern einen derartigen Empfang bereiten, und sich Verlierer so feiern lassen, ist das schon peinlicher Ausdruck mangelnder Fachkenntnis. Gehört sich vielleicht so in Zeiten von Deutschland sucht seine Superstars: Da wird ja auch für den Hausgebrauch akzeptabel, aber äußerst banal und unspektakulär gesungen. Und Millionen kreischen begeistert dazu.

    So wenig war ich noch nie über eine Finalniederlage enttäuscht. Über den wahren Stand des deutschen Fußballs wurde schon alles gesagt und geschrieben, dem ist nichts hinzuzufügen. Meine ganz persönlichen Topps und Flops der EM: Endlich wurden die Nationalhymnen nicht mehr von furchtbaren Opernstimmen vorgetragen, sondern in natürlichen Tonlagen von Spielern und Fans intoniert. Die Bildregie war durchweg katastrophal. Und Monsieur Platini hat mich gelehrt, dass man(n) nicht zwingend Franzose UND Charmeur ist.

    Und jetzt wende ich mich wieder – gerne – dem grauen Fußballalltag zu: Wie wird sich Hoffenheim schlagen? Was bringt Kloppo in Dortmund zustande? Wird Klinsi an Rummenigge scheitern (ja)? Wird Mister Leeman bester Torhüter der Runde 2008/2009? Müssen wir uns wie gehabt quälende Spiele in der CL bis zum unvermeidlichen Aus nach der Vorrunde anschauen (gilt auch für den Verlierer-Cup, das war auch sehr, sehr schlimm)? Wird Kuranyi aufgrund mangelnder Torausbeute wieder einen S04-Triumph verhindern? Oder starten meine Schalker mit Westermann, Jones, Rakitic und vor allem Manuel Neuer (mein Herz gehört ihm, er wird den Adler überflügeln!) in dieser Saison so richtig durch? Es kann wieder losgehn!

  108. Max Diderot schrieb am 10. Juli 2008:

    Die Fußball-Koryphäe Ralf Rangnick hat sich aus seinem Hoffenheimer Innovationszentrum zu Wort gemeldet und die mediokere Entwicklung im deutschen Fußball beklagt. Dabei liegt sein Fokus mehr auf der Vergangenheit, und er konstatiert auch aktuell positive Effekte. Vermutlich werden wieder jene, die alljährlich für die deutsche Version des Nobby-Stiles-Award in Frage kämen, Zeter und Mordio schreien und die Blöd-Presse schließt sich dem an.

    Hier der Link:
    http://www.kicker.de/news/fussball/nationalelf/startseite/artikel/212757/

    Apropos Trainingsdidaktik. Die FAZ berichtete gestern über enormen Nachholbedarf im deutschen Sport.

    http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~E91F24B2AFCF94D6BB00849D2B54125CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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