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Ein bemerkenswertes Interview hat Jürgen Klinsmann Günther Jauch in Stern TV gegeben. Bemerkenswert, weil Klinsmann bislang alle Angriffe über sich ergehen lassen hatte. Und Klinsmann musste einige Angriffe über sich ergehen lassen – als Bayern-Trainer und, noch mehr, als Nationaltrainer. Doch diesmal hat er sich gewehrt, wenn auch diplomatisch verpackt und ohne persönlich zu werden.

„Ich komme mit meiner Denkweise an Grenzen, wenn ich es mit Leuten zu tun habe, die sich nicht weiterentwickeln wollen und die nur auf Besitztümer fixiert sind“, sagt Klinsmann. Eine unverhohlene Kritik an seinen ehemaligen Arbeitgebern aus München, denn wen könnte er mit dieser Bezichtigung des Konservatismus anders gemeint haben als Beckenbauer, Rummenigge, Hoeneß und Breitner? Also die „Alphatiere, die ihren Platz haben möchten“.
Enttäuscht zeigt sich Klinsmann in Stilfragen. Etwa darüber, dass sein Nachfolger Jupp Heynckes an dem Wochenende vor der Entlassung bereits im Stadion gesehen wurde. Und dass Uli Hoeneß das als Zufall zu deklarieren versucht. „Nein, das kann man nicht glauben“, entgegnet Klinsmann überraschend offen. Bemerkenswert auch, dass Klinsmann offensiv seine Rolle als „Vorreiter“ vertritt, die er als Nationaltrainer gespielt habe. Heute sei die Arbeit mit Psychologen, Scouts und Fitnesstrainern etabliert. „Wir haben uns damals die Beulen geholt.“ Diesen Selbstzuspruch überließ Klinsmann bisher seinen Fürsprechern.

Bemerkenswert deutlich distanziert sich Klinsmann von der Aufgeregtheit, von der sich der FC Bayern anstecken lasse. „Die Stimmung an der Säbener Straße“, blickt er zurück, „ist immer sehr abhängig vom letzten Ergebnis“. Klarer muss man nicht werden, wenn man wissen lassen will, dass der Vereinsführung Geduld und Weitsicht fehlen. Seine eigene „mediale Unabhängigkeit“ werde ihm geneidet, ergänzt er. „Das wurde mir auch klar kommuniziert.“ Paff, noch ein Treffer!

Zur Wehr setzt sich Klinsmann gegen das Establishment, etwa Günter Netzer, Udo Lattek oder auch Felix Magath, auf den er von Jauch angesprochen wird. Da existierten „nicht nur inhaltliche Differenzen“, sondern auch welche „in Fragen des Lebensstils“. So abstrakt das formuliert ist, so bemerkenswert substanziell ist der Vorwurf, der dahintersteckt: Ein deutscher Fußballtrainer werde nicht nur an seiner Arbeit gemessen, sondern auch an seinem Privatleben. „Ich respektiere die Menschen, so wie sie sind“, sagt Klinsmann, sich von seinen Kritikern absetzend.

Doch in einigen Punkten muss man Klinsmann widersprechen. Sehr einfach macht er es sich, indem er behauptet, er wäre mit Bayern noch in dieser Saison Meister geworden. Seit sein Nachfolger Jupp Heynckes tätig ist, hat der FCB drei von vier Spielen gewonnen, und selbst wenn die komplette Punktebeute eingefahren worden wäre, läge Wolfsburg wahrscheinlich noch immer auf Platz 1 – und würde übermorgen Meister. Auch wenn er „Kompromisse“ gemacht habe, die er „als Bundestrainer nie gemacht hätte“. Zum Beispiel bei der Kaderauswahl. Den Rückstand auf den VfL hat Klinsmann schon selbst mitzuverantworten. Und viele schlechte Leistungen seiner Elf.

Es wäre entgegen Klinsmanns Bestreiten besser gewesen, eine Nummer kleiner angefangen zu haben als bei Deutschlands wichtigstem Klub. Bayern München ist sicher keine Adresse, wo man in aller Ruhe das kleine Trainer-Einmaleins erlernt – und der Beweis steht noch aus, dass Klinsmann das beherrscht. Zudem muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er naiv gewesen ist. Es war abzusehen, dass er mit den Groß-Egos Hoeneß und Co. zusammenstoßen würde. Das hätte er aus seiner Zeit als Nationaltrainer und aus seiner Zeit als Spieler wissen können.

Ein bemerkenswerter Fußballabend, dem sicher noch ein Nachspiel folgen wird. Nach diesen höflich gesprochenen, aber deutlich kritischen Aussagen Klinsmanns darf man auf die Reaktion von Uli Hoeneß gespannt sein. Nicht vorstellbar, dass er das auf sich sitzen lässt. Klinsmann hingegen dürfte mit seiner Verteidigungsrede seine Gegner (besser: Feinde) bestätigt haben. Sie werden sie ihm als Nachtreten auslegen, zumal er ein Tabu gebrochen hat: Ein deutscher Fußballtrainer hat zu schweigen, wenn er entlassen wird.

Bezeichnend für die Misere des deutschen TV-Sportjournalismus, dass eine Boulevardsendung das alles ans Tageslicht gefördert hat. Günther Jauch hat nicht mehr getan als ein Pflichtprogramm, er hätte an manchen Stellen härter nachfragen können. Und doch stellt er in nicht mal dreißig Minuten fünfzig Folgen des ZDF-Sportstudios in den Schatten, das sich seit Jahren auf seinen Status als PR-Plattform für den Profifußball zufrieden gibt.

In der FAZ schreibt Christian Kamp: „Dass er allerdings behauptet, er habe die Einflüsse von außen unterschätzt, ist kurios. Schon für die Bayern vor Klinsmann galten stets eigene Mediengesetze und -maßstäbe. Dass mit ihm aus dem Münchner Treibhaus allzu leicht ein Tollhaus werden konnte, muss auch ihm vom ersten Tag an klar gewesen sein. Für das Reizklima trägt Klinsmann eine Mitverantwortung.“

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26 Kommentare

  1. Daily News About Tv : A few links about Tv - Friday, 22 May 2009 00:43 schrieb am 22. Mai 2009:

    [...] Klinsmann wehrt sich gegen die Alphatiere [...]

  2. Joshtree schrieb am 22. Mai 2009:

    Ich verstehe es echt nicht: Du sagst selber, dass Klinsmann erhebliche Defizite in der Trainingsarbeit hat. Ist es dann nicht geradezu ein Zeichen von Weitsicht, den dann nicht ewig weiterwurschteln zu lassen? Hast Du mal ein Bayernspiel gesehen in diesem Jahr? Fällt Dir nicht auf, dass die Mannschaft nicht fit ist, dass sie keinen taktischen Plan hatte, dass der Trainer während des Spiels nichts unternommen hat, was irgendwie konstruktiv war?

    Und: warum sollte Klinsmann eher Recht haben als Uli Hoeneß? Wieso soll ich ihm glauben und nicht dem Manager, der gesagt hat, dass Heynckes zufällig im Stadion war? Er bezeichnet Hoeneß als Lügner und Du stellst das als Kritik dar.

    Der Satz mit den “Menschen, die sich nicht weiterentwickeln wollen” ist eine leere hohle Blase, die aber als Totschlagargument wirkt: “wenn Du mir nicht folgst, bist Du ein Reaktionär und rückständig und faul, auch wenn mein Weg in die Irre führt.” das ist selbstgerecht und überheblich.

    Und schuld sind dann immer die Medien. Kritik gehört zum Job und die kam nicht nur aus der Bild-Zeitung. Und das Interview hatte bestenfalls Boulevard-Niveau: sowohl die Bayern-Hasser als auch die Klinsmann-Basher haben vergebens auf nur eine Nachfrage gewartet, die Erkenntnisgewinn gebracht hätte, vor allem fußballspezizisch.

    Aus meiner Sicht ist da ne Blase geplatzt – eine Wortblase, gefüllt mit Selbstüberschätzung.

  3. Oliver Fritsch schrieb am 22. Mai 2009:

    Ich habe Bayern gegen Hoffenheim gesehen, da waren sie sehr stark. 5:1 in Stuttgart, das hat wehgetan. So aggressiv und druckvoll wie beim 3:1 gegen Dortmund hatte ich Bayern aus der Vor-Klinsmann-Zeit nicht in Erinnerung. Es waren schlechte Spiele dabei: das 5:1 gegen Hannover, die erste Halbzeit in Lissabon, das 1:0 gegen Karlsruhe war dürftig. Insgesamt ist mein Eindruck, dass die Bayern einige Punkte verschenkt haben (in Hamburg, in Berlin, gegen Schalke). Ich hab Bayern schon wesentlich schlechter Meister werden sehen, 2001 etwa. Ich hab sie aber auch schon wesentlich stabiler verteidigen sehen. Und einen besseren Torwart hatten sie auch schon mal.

    Aber darum geht es in dem Beitrag gar nicht. Hier gehts darum, dass Klinsmann in der Tat beginnt, Wäsche zu waschen. Natürlich macht er es sich hier und da zu leicht. Er hat aber auch sicher in einigen Punkten recht. Doch er ist rhetorisch ungeschickt. Je mehr er in die Defensive gerät, desto eher bläst er seine Worte auf. Klassischer Fehler. Kennt man auch aus der linksalternativen Szene. Lest Luther, redet Deutsch!

    Und Hoeneß in der Heynckes-Frage glauben? Sorry, dazu fehlt mir Dein Sand in den Augen. Warum Hoeneß überhaupt glauben? Das wäre zudem eine falsche Berufsauffassung. Genausowenig glaube ich übrigens Klinsmann in dieser Frage.

  4. Oliver Fritsch schrieb am 22. Mai 2009:

    dogfoods Analyse:
    http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/05/22/sceensport-am-freitag/

  5. Joshtree schrieb am 22. Mai 2009:

    ja genau, für Klinsmann ging es um die Wahrung seiner beruflichen Perspektive – ein Schelm, wer ihm eine sehr subjektive Sicht auf die Dinge unterstellt.

    Zu Deinem Berufsethos: solange Du keine Gegenbeweise für irgendetwas hast, ist es unzulässig, Leute der Lüge zu bezichtigen und damit Deine herausgehobene Stellung (na ja) zur Stimmungsmache auszunutzen. Wo genau hast Du das denn gelernt, mir graust’s!

  6. probek schrieb am 22. Mai 2009:

    Ein deutscher Fußballtrainer hat zu schweigen, wenn er entlassen wird.

    Eine Empfehlung, die es übrigens für andere Angestellte nach einer Trennung vom Arbeitgeber auch gibt. Da gilt es aus gutem Grund als unfein, in der Öffentlichkeit über den ehemaligen (und bei Klinsmann sogar aktuellen) Brötchengeber zuviel (negative) Worte zu verlieren oder gar “Wäsche zu waschen”.

    Bemerkenswert an der ganzen Sache finde ich eher, wie bereitwillig aber vorhersehbar hier versucht wird, eine Eskalation herbei zu schreiben (oder ein Interview zu feiern, dass bemerkenswert unkritisch gegenüber dem Interviewten ist). Es tut beiden Seiten, Bayern und Klinsmann, nicht gut, wenn nachgetreten wird.

    Und bemerkenswert finde ich auch, dass es der Autor schafft, den Namen des von ihm gerne und oft kritisierten Managers hier korrekt zu schreiben. Schön zu sehen, dass zumindest im Blog auf korrekte Schreibweisen von Namen so viel Wert gelegt wird. Woanders scheint das ja nicht zu gelten.

  7. ballerer schrieb am 22. Mai 2009:

    Ich finde es geradezu vorbildlich wie Klinsmann sich nach dem Rausschmiss verhalten hat. Er hat sich ruhig verhalten und nun nach einiger Zeit ein Interview gegeben, in dem er seine Arbeit verteidigt, aber auch Selbstkritik übt. Das ist stilvoller, als man es von vielen anderen Trainern gewohnt ist.

    Komisch ist im Fußball auch dieser Begriff des “Nachtretens” oder der “schmutzigen Wäsche”. Wieso sollte ein Trainer nicht das Recht haben, seine Arbeit zu verteidigen oder darauf hinzuweisen, dass vielleicht auch andere Verantwortung für schlechte Ergebnisse tragen? Klinsmann wurde über Wochen von fast ganz Fußball-Deutschland heftig angegriffen, in Teilen auch unter der Gürtellinie.

  8. rmartens schrieb am 22. Mai 2009:

    Zu Olivers Hinweis auf die ungeschickte Sprache: Mir fiel die inflationäre Verwendung der Begriffe “Lernprozess” bzw. “Prozess” auf. Da hieß es nicht nur immer wieder in diversen Variationen, man habe die Mannschaft einem “Lernprozess ausgesetzt”. Es ging sogar weit, dass Klinsmann sagte, die Familie habe mit dem Umzug nach München einen “Prozess eingeleitet”. War das nun der Anspannung geschuldet, unter der er angesichts der Entlassung immer noch steht, oder sagt es etwas über Klinsmann aus, dass er sich von diesem technokratischen Unternehmensberater-/Wirtschaftshierarchenjargon nicht einmal lösen kann, wenn es um Persönliches geht?

  9. Oliver Fritsch schrieb am 22. Mai 2009:

    Wen hab ich der Lüge bezichtigt, joshtree? Wo ist Dein Beweis? Langsam hört der Spaß auf.

    Ich sage nur, dass man allen Funktionsträgern mit Zweifel zu begegnen hat, so wie man jedem Politiker mit Zweifel zu begegnen hat. Lügen gehört ja zu deren Job. Das ist eine Grundtugend für einen Journalisten – und sei es nur ein Blogger. Und vielleicht sagen Dir die Stichworte Kirch und Deisler etwas in der Hoeneß-Glaubwürdigkeitsfrage.

  10. ballerer schrieb am 22. Mai 2009:

    @rmartens:
    Er hat von auch von einem “familiären Schritt” gesprochen. “Prozess” ist sicher eines seiner Lieblingswörter, ebenso wie “Entwicklung”. Seine Frau und die 2 Kinder sind im Grunde in ein fremdes Land gekommen. Kann er, um das zu beschreiben, nicht diese Wörter benutzen, ohne dass diese auch noch gegen ihn verwendet werden?

  11. franzferdl schrieb am 22. Mai 2009:

    ich geb nicht auf, ich schreibs nochmal: sprechblasen, nix als sprechblasen sondert mcklinsi ab. rmaertens deutets an: diese ganze ökonomistische kacksprache, die nicht einmal vor seiner eigenen familie halt macht, dieses dauer-prozess-gefasel, die dazu ausgeschüttete larmoyanz, die unfassbare selbstüberhöhung & selbststilisierung bei gleichzeitiger einnahme eines opfer-habitus… unglaublich. der absolute gipfel schliesslich jauchs obszöne gleichsetzung von klinsmann mit obama. das ist in der tat das i-tüpfelchen auf dem sahnehäubchen der unverfrorenheit & zeigt nur, wie sehr sich mittlerweile & immer noch fussballrhetoriken und politiksprech zu einer unangenehmen neoliberalistischen sosse vermischen.

    ausserdem scheint mir die entlassung mcklinsis für viele die willkommene gelegenheit zu sein, ihr ganzes, einfach gebautes weltbild wieder einmal vorzuführen. wir wussten es ja schon immer: pösepöse reaktionäre bayern versus den nahezu genialischen rucker, heilsbringer und reformator klinsmann. dass dabei sogar der zurzeit scheinbar erfolgreichste deutsche trainer in die schublade der ewiggestrigen gepackt wird, der zwar keine laktat-tests abhält oder schweizer uhren zusammenbauen lässt, aber immerhin sehr ansehnlichen, modernen fussball spielen lässt (& absolut zurecht meister wird!), scheint dann fast folgerichtig zu sein & kündet davon, dass der sand in vielen anderen augenpaaren wohl auch dauergast ist…

    und bei diesen ganzen ideologischen sandkastenspielen fragt man sich weiterhin, ob mcklinsi womöglich zurecht entlassen wurde, weil ihm grundsätzliche fähigkeiten hinsichtlich der umsetzung seiner ideen fehlen. dass das ideengebäude stimmt, darin stimmen im übrigen auch die verlachten und verhassten bayern überein. man könnte insofern auf die idee kommen, dass sie ihren selbstmodernisierungsweg fortzuführen versuchen. oder zählt van gaal mittlerweile auch zu den restaurativen bremsern, vielleicht weil er um die 57 lenze zählt?

  12. Joshtree schrieb am 22. Mai 2009:

    “Und Hoeneß in der Heynckes-Frage glauben? Sorry, dazu fehlt mir Dein Sand in den Augen. Warum Hoeneß überhaupt glauben?”

    Is klar, hab ich wohl falsch verstanden. Wohl wegen des Sands in meinen Augen.

    Und: halt den Deisler hier raus bzw. lies Dir die Geschichte nochmal ganz durch. Die Empörung über den Kirch-Deal begründest Du mir sicher auch nochmal, aber bitte über Boulevard-Niveau.

  13. ballerer schrieb am 22. Mai 2009:

    @franzferdl:
    schreibt du für die BILD? Überprüf mal dein eigenes Weltbild… und deine Sprache.

  14. Oliver Fritsch schrieb am 22. Mai 2009:

    Lügen und Halbwahrheiten gehören zum Job von Politikern und Quasi-Politikern wie Fußballoffiziellen. Das bewerte ich erstmal nicht moralisch. Außerdem geht es hier in dem Beitrag um die Frage, ob Klinsmanns Interview einen Nachrichtenwert hat (und wenn ja, welchen). Und weniger darum, ob er Recht hat. Ich finde, dass man von Stern TV nicht mehr erwarten kann.

    Man wird auf die Reaktion aus München gespannt sein dürfen. Ich freu mich drauf. Ich hab auch überhaupt nichts gegen Boulevard, solange er nicht so menschenverachtend daher kommt wie in der Bild-Zeitung. Was soll dieser Purismus im Fußball?

  15. Joshtree schrieb am 22. Mai 2009:

    @ballerer: Wieso? Weils nicht Deins ist? Dann aber immer rauf mit der BILD-Keule!

  16. ballerer schrieb am 22. Mai 2009:

    @Joshtree:
    Nein, weil er anderen Dinge vorwirft (z.B. die Art der Kommunikation oder das “Weltbild”), die er selbst in seinem Beitrag nicht besser macht.

    Und: Die Keule hat er selbst mitgebracht.

  17. Richtiger Trainer für die falsche Mannschaft « Kabinenpredigt schrieb am 22. Mai 2009:

    [...] auf alle los”. Wesentlich gemäßigter und vor allem treffsicherer sah es Oliver Fritsch, der eine Abwehrreaktion Klinsmann “gegen die Alphatiere” des FCB konstatiert. Dirk Brichzi von SpiegelOnline war in Klinsmann gar “der Buddha aus dem [...]

  18. Doerk schrieb am 22. Mai 2009:

    Oliver Fritsch: Ich finde Deinen Kommentar zu Klinsmann gut. Ich finde auch, dass der Bayern-Vorstand Mitschuld an dieser schlechten Saison trägt.

    Was ich aber an Klinsmann vermisse ist Selbstkritik. Aus meiner Sicht zeigt er ein ungeheures Mass an Selbstgerechtigkeit.

    Ausserdem dieses ganze Geseiere von Prozess und Entwicklung und Besitzstanddenken ist ja schön und gut. Entscheidend ist aber immer noch aufem Platz! Und da hat die Mannschaft, wie Du richtig sagst, gute Leistungen gebracht gegen Hoffenheim, Stuttgart, Lyon, Dortmund usw. Letzen Endes hat aber Klinsmann eine Mannschaft nicht in den Griff bekommen, die letztes Jahr mit deutlichem Abstand die Bundesliga dominiert hat: Jetzt dies ausschliesslich den Spieler anzulasten (“Sie haben sich allein auf die CL konzentriert”), ist sehr billig. Als Trainer ist er für das Auftreten und die Einstellung der Mannschaft auf dem Platz letztendlich verantwortlich. Er hat zudem nicht die Defensivschwächen in den Griff bekommen und auch nicht die Linkslastigkeit. Sich jetzt damit herauszureden, er hätte keine Verstärkungen erhalten und der Torhüter wäre zu schlecht gewesen, schlägt dem Fass den Boden aus. Er hat doch immer davon gesprochen, jeden Spieler jeden Tag besser machen zu wollen! Damit hat er sich doch profilieren wollen (und hat dann im übrigen Jansen verkauft)

    Ich habe damals die Klinsmann Verpflichtung befürwortet. Leider bleibt nach Beobachtung der Geschehnisse doch der Eindruck, dass es sich bei Klinsmann um einen weltfremden “Blender” (Motto: Yoga statt Flankentraining) handelt, und dass das “Sommermärchen” entweder Zufall oder Glück war, jedenfalls mit Klinsmanns Kompetenz als Trainer nichts zu tun hat.

  19. hawe schrieb am 23. Mai 2009:

    heynckes ist ein fußball lehrer.

    daraus folgt > klinsmann ist keiner.

    aber dieser fakt war im januar 2008 auch schon bekannt.

  20. Thor schrieb am 23. Mai 2009:

    1. Klinsmann hat nicht gebracht, was er (und andere sich) versprochen hat (haben).
    2. Er ist nicht Luzifer.
    3. Die Art und Weise wie er, der sich absolut loyal zum FCB bekannt hat, von vermeintlichen Fans sowie zahlreichen Journalisten davongejagt wird, ist erstaunlich. Man stelle sich nur mal die Reaktion vor, Klinsi und die Bayern wären tatsächlich vier Spieltage vor Schluss auf Platz eins gewesen und es wäre rausgekommen, dass er nach Saisonende zu Schalke wechselt. Dann hätte ihn nicht die taz gekreuzigt, sondern die Bild sowie alle im Verein.
    4. Ich habe keinerlei Mitleid mit Klinsman. Er wusste worauf er sich einließ (Hoeness, Rummenigge, Hinko), er suchte das Risiko und weil er nicht blöd ist, ließ er es sich gut bezahlen.
    5. Ich staune, dass selbst in Blog wie diesen immer wieder bei einigen der Schaum vor dem Mund sichtbar wird.

  21. Carlos schrieb am 24. Mai 2009:

    Den Kommentar von Doerk (#17) würde ich bis auf die letzte Aussage, die meiner Meinung nach eine Mutmaßung ist (dass er ein Blender sein) unterschreiben. Ich vermisse ebenfalls echte Selbstkritik! Aber ich kann mir denken, dass er da ohne ins Mark treffende Fragen (wenn Jauch und Du, Oliver, behaupten, dass dies von SternTV nicht zu erwarten sei, wozu gibt es dann diese Sendung? Ich weiß schon, warum ich sie nie angucke…) nicht von allein drauf zu sprechen kommt.

    Ich denke, er kann aus dieser Zeit eine Menge mitnehmen, falls er hinter der Kamera zur Selbstreflexion fähig ist. Wer weiß denn heute schon, was dabei noch rauskommt, wenn einer bei Bayern in Lehre geht? ;) – Jedenfalls möchte ich ihm selbst den “Prozess” :D der Weiterentwicklung nicht absprechen und warte mit der Verurteilung als “Blender”, bis diese durch weitere Trainerstationen tatsächlich belegt wird (Obwohl ich bis heute nicht verstehe, was an Donovan so toll sein soll – wenn dieser nicht zu Stande gekommene Transfer Ernst gemeint worden sein soll, dann möchte ich Klinsmann doch schon Defizite anlasten).

    Bayern nimmt nun das Positive mit (tolles Trainingszentrum, hat der Herr Hoeneß selbst in der Schwadronierrunde Doppelpass zugegeben) und holt sich dazu einen Trainer, der schon seinen Meister gemacht hat. Ich vermute, nächste Saison werden alle (mich eingschlossen) wieder neidisch auf einen abgeklärten Durchmarsch der Lederhosen blicken…

  22. koo schrieb am 24. Mai 2009:

    Ich finde Klinsmanns Verhalten unerträglich. Er wird nach wie vor fürstlich von den Bayern bezahlt. Er hatte vor der Saion alle Freiheiten (Fitnesszentrum, Trainerstab und wohl auch in der Teamzusammenstellung). Auch in der Winterpause kam ihm nur der Name Donovan in den Kopf. Er ist an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Und nun geht er zu stern.tv. und weint sich dort aus, obwohl der FCB ihn weiterhin gut bezahlt (das dürfte auch der Grund sein, warum er in München bleiben möchte). Ein wenig mehr Selbstkritik und ich hätte dieses Interview so wie die Klinsmann-Verteidiger ernst nehmen können. Aber nun zu jammern, dass man ihn hintergangen habe, weil Jupp Heynckes bei der Niederlage gegen S04 im Stadion war, ist stillos. Die Mannschaft hätte die Partie nur gewinnen müsssen und dann wäre es ein rein privater Termin seines Nachfolgers geblieben. Hinterfragt einfach mal die Leistungen eines Jürgen Klinsmann. Der schlechteste Saisonstart seit rund 30 Jahren, der höchste Gegentorschnitt seit Anfang der 90er, kaum Erfolge gegen direkte Konkurrenten, niemals Tabellenführer, zwei Niederlagen mit 5 Gegentoren, die es zuletzt vor 30 Jahren gab (http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/0904/Artikel/bayern-muenchen-reformer-klinsmann-gescheitert-entlassung-rauswurf-rummenigge-hoeness-heynckes-gerland.html) – das ist eine Bilanz, bei der jeder Trainer in München gefährdet ist. Und dann will er nichts davon geahnt haben. Es war lediglich die miserable Saison der anderen Teams, die ihn so lange im Spiel hielten. Aber solche Fakten konnte ein Herr Jauch ja nicht bringen. Das ist so weit weg von kritischen Journalismus wie es nur geht. Diese Fakten waren leicht recherchierbar (s. Internetlink) und die muss man dann bringen. Wer es nicht tut, macht einen schlechten Job. Wer es hier auch nicht tut, macht auch einen schlechten Job. Ich erwarte mehr von Journalisten als nur eine Story zu machen. Fangt endlich an zu differenzieren!

  23. ruppI1 schrieb am 25. Mai 2009:

    Audiiatur et altera pars. Das ist ein Grundsatz, den man auch hier berücksichtigen sollte. Der Beitrag ist der entlarvende Höhepunkt des Bayern-Bashings von Oluver Fritsch. Die als Verteidigung gegen Klinsmann-bashing getarnte Bayernantipathie ist dieser Seite unwürdig.

  24. Blog für den kritischen Fußballfreund | direkter-freistoss.de » Mutter Teresa gegen Obama schrieb am 25. Mai 2009:

    [...] Schweigen gebeten (ohne sich freilich selbst daran zu halten). Dann reagierte Klinsmann mit einer unüblichen und selbstgefälligen Gegenattacke. Die Antwort Hoeneßens fiel relativ gemäßigt, vor allem souverän, aus. Bemerkenswert ist jedoch [...]

  25. Der Gert schrieb am 25. Mai 2009:

    An der ganzen “Klinsmann ist Obama oder Bush”-Diskussion halte ich mich raus. Das überlasse ich lieber den Fachleuten hier.

    Interssanter finde ich den vorletzten Absatz, dass so ein Interview nur bei RTL möglich sei. Klar: Ist ja auch der einzige Sender, der keine Millionen in das Produkt Bundesliga steckt. Und nur in einer solchen Position kann man es sich erlauben, sich mit Fußballmächtigen anzulegen. Bei ARD, ZDF, SAT, DSF und Premiere werden grundsätzlich nur Mehrheitsmeinungen und Jubelberichte gesendet. Die wären ja auch schön blöd, Millionen zu zahlen und sich dann mit den vom eigenen Geld gemästeten anzulegen. Deshalb: Fußball im Fernsehen nur live (am besten ohne Ton) und ab und zu mal zum Lachen den Doppelpass.

    Für vernünftigen Hintergrundstoff nur Print oder Blogs. So wie hier.

  26. ruppI1 schrieb am 25. Mai 2009:

    Wo gibts denn hier Hintergrundstoff?

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