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Nein, wir reden jetzt mal nicht von den zum Teil grotesken Torhüterpannen bei der WM. Auch anderswo wird kräftig ins Fettnäpfchen getreten, wofür man sich dann entschuldigen, ja bis zur höchsten Instanz rechtfertigen muss. Nehmen wir drei Beispiele mit Fernsehbezug, aus England, Deutschland und Korea.

Die Engländer traf es hart. Die einzige nennenswerte Szene der englischen Auftaktpartie, die von Erfolg gekrönt war, hatte der übertragende Sender ITV ausgeblendet. Werbung lief, als Steven Gerrard in der 4. Minute das 1:0 gegen die USA erzielte. Hatte ITV nicht damit gerechnet, dass England so schnell oder überhaupt ein Tor schießen könnte? Der Erklärungsversuch des Moderators (in der Halbzeit!) war jedenfalls ziemlich lahm: “Ich glaube, es gab eine Unterbrechung in unserer Übertragung.” (Ob ITV auch im vergangenen Jahr so lapidar vermerkt hat, dass man ganz ähnlich den Siegtreffer von Everton gegen den FC Liverpool im FA-Cup verpasste?)

Noch härter, weil wesentlich brisanter und politischer ist der Fall in Deutschland. ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ließ in der Halbzeitanalyse zu Kloses Tor gegen Australien die Sau raus: “Und für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass er heute hier trifft.” Unschön, ganz zweifellos und nicht gerade sehr überlegt. Ob deswegen aber gleich Regierungsstellen den Vorfall und die Entschuldigungsreaktion des ZDF bewerten müssen, ist doch recht fraglich (“Dementsprechend sind wir mit der Reaktion des ZDF zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden”, sagte ein Regierungssprecher). Viel verwunderlicher erscheint in dem Zusammenhang doch eher, dass sich bislang niemand (noch nicht mal das ZDF) damit auseinandersetzt, was die Dame fachlich sonst so absondert. Momentan fällt sie eigentlich nur durch eine gewisse Hingerissenheit gegenüber ihrem Duz-Kumpanen und “Ko-Experten” Oliver Kahn auf.

Wie viel irdischer dagegen die “Panne” in Korea. In Nordkorea wurde, ohne die Rechte dafür zu haben, das Eröffnungsspiel übertragen. Der zuständige südkoreanische Sender warf den Brüdern im Norden daraufhin “Sendepiraterie” vor und will die Lücken im Übertragungsnetz suchen, um danach über “Gegenmaßnahmen” zu entscheiden. Da Piraterie zwischen den beiden Koreas ja eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielt in den letzten Jahren und Monaten, kann es sich eigentlich nur um eine Variante der Programmpiraterie handeln: nur noch südkoreanische Spiele übertragen und so zur Destabilisierung Nordkoreas beitragen.

Und noch was, das aber nicht in unsere Zuständigkeit fällt: Um den quasistaatlichen Versuch der FIFA, 36 holländische Supporterinnen in einem FIFA-Büro festzusetzen, weil Blatters Truppen ihnen wegen ihrer orangenen Trikots (!) Guerrilla-Marketing für eine nichtlizenzierte Biermarke vorhielt, sollten sich nicht Blogger sondern Gerichte kümmern. Oder zählt so etwas nicht mehr als Freiheitsberaubung, wenn es die präpotente Fußballorganisation “for the good of the game” tut?

10 Kommentare

  1. juwie schrieb am 15. Juni 2010:

    Sie sprechen mir aus der Seele!

  2. Sven schrieb am 16. Juni 2010:

    Das ist schon der Wahnsinn, worauf einige Stellen und Instanzen so achten. Vielleicht wird ja in Zukunft darauf geachtet, dass nur Zuschauer ins Stadion gelassen werden, die Kleidung von der FIFA lizenzierten Marken tragen. Ohne Worte…Und was die Übertragungen der Spiele in England angeht, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wie können sich die Vermarkter eigentlich auf einen Deal mit Sendern einlassen, die während des Spiels Werbung schalten. Und wie kommen die Sender ÜBERHAUPT auf die Idee, Werbung in einem WM-SPIEL auszustrahlen. Aber auf der Insel ist ja so vieles anders :-)

  3. matz schrieb am 16. Juni 2010:

    Handelt es sich wirklich um eine beabsichtigte Werbeeinblendung? ITV vermutet doch eine Panne oder gar Sabotage.

  4. Oliver Fritsch schrieb am 17. Juni 2010:

    35 Model im Mini – mein Text auf Zeit Online:
    http://www.zeit.de/sport/2010-06/beer-babes-bavaria-fifa-ambush

  5. Andreas schrieb am 17. Juni 2010:

    JA JA super… Fußball WM Südafrika … habe aber irgendwo gehört, das /dass Trainerteam von Ottmar Hitzfeld mit einer neuen Fußballer-Analysesoftware von @krib DAT gearbeitet hat.

  6. Kurz gefragt: Fan-Vermarktung im Fußball? schrieb am 19. Juni 2010:

    [...] die präpotente Fußballorganisation “for the good of the game” tut?", hinterfragt unterdessen » direkter-freistoss.de die Aktion. "Die Frauen sind völlig traumatisiert. Sie wurden behandelt wie Gewalttäter", sagt [...]

  7. Desminko Klitastrom schrieb am 23. Juni 2010:

    Na ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen dass sowas eine “Panne” war. Ich denken da eher an einen kleinen stich in die Nierengegend…:-)

  8. Lena schrieb am 5. Juli 2010:

    Hallo Herr Globes,

    freuen Sie sich eigentlich über Löw’s Erfolge? Weil er ist doch so ein schlimmer Trainer in Ihren Augen…

    (musste ich dann doch nochmal auspacken…)

  9. gclobes schrieb am 5. Juli 2010:

    welche wahl habe ich denn, um nicht als ewiger “nörgler” dazustehen? natürlich freue ich mich über die erfolge – und sicherlich hat der herr löw seinen anteil daran. und das (zumindest hier und jetzt) ohne wenn und aber…

  10. wolli schrieb am 5. Juli 2010:

    Günnä,
    Du wirst doch jetzt auf die alten Tage nicht noch altersmilde? Nörgeln hält gesund…

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