Gestern sollte die Meldung die Runde machen, dass der DFB ein Interview mit dem 54er Weltmeister Horst Eckel in der Wochenzeitung Junge Freiheit zensiert habe. Angeblich weil die Junge Freiheit in der Vergangenheit kritisch über Theo Zwanziger berichtet habe. So steht es in der Pressemitteilung der Zeitung.
Der Autor des Interviews Moritz Schwarz sagt auf fernmündliche Nachfrage, dass er während eines Telefonats mit Thomas Hackbarth, einem Mitglied der DFB-Presseabteilung, mitgehört habe, wie Eckel, in einer anderen Leitung, dazu gedrängt worden sei, dem Abdruck seines Gesprächs nicht zuzustimmen.
Hackbarth, in der Pressemitteilung der Jungen Freiheit fälschlich als DFB-Pressesprecher bezeichnet, verneint hingegen auf Nachfrage. Er habe der Zeitung lediglich mitgeteilt, dass Eckel einen Abdruck ablehne – in Absprache mit Eckel.
Schwarz beharrt auf seiner Version: “Herr Eckel wurde vom DFB bevormundet und manipuliert. Der DFB hat uns belogen und zensiert.” Und so erscheint heute in der Jungen Freiheit der Artikel “Das gestohlene Interview. Chronologie eines Skandals: DFB setzt Horst Eckel unter Druck”. Statt des Interviews sieht man ein verschwommenes Blatt Papier, ergänzt mit der Chronologie der Ereignisse.
Die eine Seite schreit Skandal, die andere mauert. Vielleicht wollte der DFB einfach verhindern, dass der 78-jährige Eckel in einem fraglichen Umfeld zitiert wird. Die Junge Freiheit ist eine konservative Wochenzeitung, die die Zeit und ihrer Plattform Netz gegen Nazis in der Nähe des Rechtsextremismus einstufen. Auch die taz beäugt die politische Ausrichtung der Zeitung immer wieder. Für Aufsehen sorgen oft die Interviews auf Seite 3. Auch weil dort rechtskonservativen Gedanken und rechtskonservativ Denkenden Platz eingeräumt wird. Politiker, die dieser Zeitung Rede und Antwort stehen, machen sich allein deswegen leicht angreifbar, wie jüngst der CDU-Chef Thüringens Mike Mohring.
Jens Peters bloggt auf catenaccio.de
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mars (spielbeobachter) schrieb am 25. Juni 2010:
“Konservative Wochenzeitung” finde ich allerdings auch wenig verharmlosend.
rmartens schrieb am 27. Juni 2010:
Ich hatte mir auch kurz überlegt, auf diesen “Skandal” einzugehen, aber letztlich ist damit immer eine Aufwertung der JF verbunden. Interessant bleibt allemal die Frage, ob Horst Eckel dem Blättchen ein Interview gegeben hat, weil er mit diesen Typen sympathisiert, oder ob er sich keine Gedanken darüber gemacht hat, wer da mit ihm reden will.
Bastian (Chemieblogger) schrieb am 27. Juni 2010:
“Neurechte Wochenzeitung” wäre sicherlich eine angebrachte Einordnung. Nachvollziehbar, wenn der DFB so agiert, wenn eines seiner ergrauten Aushängeschilder droht, falsch abzubiegen – egal ob gewollt oder unbewusst. Umso bemerkenswerter, dass die JF jetzt die Zwanziger-vs.-Weinreich-Debatte instrumentalisiert, um sich als Opfer darzustellen.
christian P schrieb am 28. Juni 2010:
Ob man die JF jetzt als “neurechte Wochenzeitung”, oder die taz als “linkes Käseblättchen” einordnet, muß jeder mit seinem politischen Gewissen selbst vereinbaren.
Hier eine Liste der Interview-Partner der JF:
http://www.jungefreiheit.de/Interview-Partner.51.0.html
Klar, dort finden sich viele Vertreter des rechtskonservativen Gedankeguts, jeodch auch Mitgleider des “20. Juli”, oder der Vorsitzenden des Islamrates in der BRD, etliche MdB verschiedener Parteien und viele andere Interviewpartner die ideologisch unumstritten sind und nicht nach dem JF-Interview vom rechten Weg abgekommen sind.
Die Begründung Eckel wäre durch die JF instrumentalisiert worden, kann ich so nicht nachvollziehen. Der DFB steht nun mal nicht besonderes auf kritische Fragen.
Lawhoudini schrieb am 29. Juni 2010:
“fragliches Umfeld”? Sollte das nicht jeder selbst entscheiden? Herr Eckel ist dem Vernehmen nach volljährig… und was ist so schlimm an “Rechtskonservativen”? Es sagt niemand, dass Ihr sie lieben müßt, aber ihnen den Mund zu verbieten zeigt einen bemitleidenswerten Argumentationsnotstand, nichts weiter
…
Will Thewes schrieb am 29. Juni 2010:
Lawhoudini liegt richtig. Das ist doch unsägliche Gedankenkontrolle, solche Publikationen, die wirklich nicht Nazi sind, aber auch nicht (pseudo-)linksliberaler mainstream, im übrigen kein großes Publikum haben, anzupissen. klar, ist ein ideologisches Blatt und auch ein bisschen ein verlorener Haufen. Aber mitunter ganz erfrischend zu lesen, mir immer noch angenehmer als die altbekannt hämisch-gehässige Taz, die die Backenzähne voller Eiter (=linker Neid, Hass, linkes Ressentiment)hat.
kumpel schrieb am 9. Juli 2010:
@Will Thewes, @Lawhoudini, @christian P:
Aua… jetzt habt Ihr aber den eitrigen Backenzähnen einen Vollschlag versetzt! Hoffentlich erholen die sich davon… Euren Kampf *PRUST* ohne respektable Gegner ausfechten zu wollen hat nach meinem Geschichtswissensstand nicht nur einen äußerst unsportlichen Aspekt.
Glück Auf!
Igel schrieb am 29. Juli 2010:
Ja, Kumpel, auch wenn’s schwer fällt, man muss irgendwann mal lernen, andere Meinungen zu respektieren. Alles, was “rechtskonservativ” ist, gleich in die Nazi-Ecke zu stellen, ist arm.