Theo Zwanziger schließt seinen Rücktritt ein
von Oliver Fritsch
Die Sache wird immer rätselhafter: Theo Zwanziger hat auf einer Pressekonferenz heute mitgeteilt, über seinen Rücktritt nachdenken zu werden, verlöre er ein viertes Mal vor Gericht gegen Jens Weinreich. „Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe.“ (Weiterlesen …)
Hochverrat am DFB
von Oliver Fritsch
Felix Magath ist vom Sportgericht wegen Schiedsrichterbeleidigung zu 10.000 Euro Strafe verdonnert worden und legt Berufung gegen das Urteil ein. „Wer jetzt denkt“, schmunzelt Peter Penders im FAZ-Kommentar, „das sei doch in einem Rechtsstaat eine normale Angelegenheit und mache ebendiesen aus, hat natürlich Recht – aber was hat das mit dem DFB zu tun?“ (Weiterlesen …)
Rückspiel in Stuttgart
von Oliver Fritsch
Darf ich Sie mit einer Pressemitteilung der Hartplatzhelden behelligen? Es geht um den Rechtsstreit mit dem Württembergischen Fußballverband. Das Rückspiel findet am 18. Dezember statt – was also bedeutet, dass ich an meinem Geburtstag vor Gericht stehe (und was ich einfach mal als gutes Omen betrachte). Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat im Mai 2008 den Betreibern des Video-Fußballportals hartplatzhelden.de per Gerichtsbeschluss untersagen lassen, Fußballszenen aus seiner Region zu zeigen, und die Hartplatzhelden haben Berufung gegen das Urteil eingelegt (Weiterlesen …)
Basisferne Fußballpolitik
von Oliver Fritsch
Dass Theo Zwanziger wohl nicht zu bremsen ist, haben die meisten bestimmt ja schon mitbekommen. Nachdem Jens Weinreich in dieser Woche eine Einstweilige Verfügung gegen den DFB erwirkt hat, hat sich Zwanziger entschlossen, die zuvor fallen gelassene Klage gegen Weinreich wieder aufzunehmen. Fürs erste mehr dazu bei Jens Weinreich hier und hier, auch bei Stefan Niggemeier hier und hier, in der Stuttgarter Zeitung und in der Süddeutschen Zeitung.
Der DFB scheint jetzt allen zu verkaufen zu wollen, dass Weinreich angebliche Gesprächsangebote ausgeschlagen habe. Unabhängig von der Frage, wer hier angesichts des juristischen Zwischenstands von 3:0 wem Gespräche anbieten und Entschuldigungen abverlangen kann – der DFB will Weinreich in die Bittstellerposition zwingen. Eine Position, in die sich ein Mann mit cojones natürlich nicht begibt. So geht also die Sache wohl wieder vor Gericht.
Lassen wir uns jedoch davon nicht ablenken und blicken auf bedenkliche, weil basisferne Entscheidungen im deutschen Fußball:
Die DFL hat am Freitag die TV-Rechte an den Bundesligen in den nächsten vier Jahren für viel Geld verkauft und Lob erhalten. Immerhin ist der Status quo gewahrt: rund 410 Millionen Euro (bislang 405) durchschnittlich pro Jahr. Was man so hört, muss DFL-Chef Christian Seifert hart verhandelt haben. Das war keineswegs selbstverständlich, denn die Umstände waren zumindest in Teilen ungünstig: 1. Das Kartellamt bestimmt in Deutschland über das Fernsehen mit. 2. Die Finanzkrise trifft auch den Profisport. 3. Dem wichtigsten Partner Premiere geht es schlecht.
Dabei wird oft übersehen, dass die DFL den Sendern ein großes Zugeständnis gemacht hat, die weitere Zersplitterung Spielpläne der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga der nächsten Saison: In der Bundesliga gibt es je ein Spiel am Samstag um 18.30 und am Sonntag um 15.30 Uhr. Das Samstagsspiel kollidiert mit der Sportschau und damit einhergehend mit den Interessen der Sponsoren, denen die Reichweite durch die Sportschau wichtig ist. Das frühe Sonntagsspiel findet nahezu zeitgleich mit vielen Amateurfußballspielen statt. Was sagt eigentlich Egidius Braun dazu, der sich als amateurfußballfreundlicher DFB-Präsident vehement für den Bundesliga-freien Sonntag einsetzte?
Und so spricht Brauns Nachfolger in der Welt am Sonntag heute über mögliche Finanzausgleiche für Amateurvereine: „Wird der Nachweis zweifelsfrei erbracht, sind für betroffene Vereine Ausgleichssysteme denkbar.“ Der Nachweis rückgängiger Zuschauerzahlen wird vielleicht gar nicht so schwer anzutreten sein. Doch ob diesen Worten jemals Taten folgen? Zwanziger gesteht immerhin: „Ich kann die Kritik am Sonntagsspiel um 15.30 Uhr nachvollziehen. Für das Miteinander zwischen Spitzen- und Breitensport muss man aber Verständnis für die andere Seite haben.“ Dieser Kampf um Zuschauer und (letztlich) Geld ist ein politisches Problem, der Amateurfußball hat im Gegensatz zu den Profis keine Stimme mit Gewicht – und wird sich daher mit wohlfeilen Reden begnügen müssen.
Doch man muss genauer sein, denn auch die Zweite Liga hat zurückzutreten, wenn es um die Maximierung von TV-Geld geht. Ab der nächsten Saison wird samstags um 13, sonntags um 13.30 Uhr angepfiffen. Für Fans ein Graus, weswegen sich viele der Initiative Kein Kick vor Zwei angeschlossen haben. Dort heißt es:
„Vor drei Jahren wurden Zweitligaspiele noch sonntags um 15 und freitags um 20 Uhr angepfiffen. Seitdem haben sich die Terminierungen rasant in Richtung Mittag entwickelt, nun sind wir schon bei 13 Uhr und 13.30 Uhr, zudem in englischen Wochen wochentags um 17.30 Uhr. Das ist für auswärtige Fans nicht mehr zu machen, wenn nicht ein erheblicher Teil des Jahresurlaubs aufgewendet wird. Und es ist zu erwarten, dass diese Änderungen, einmal in der Zweiten Liga eingeführt, im nächsten Schritt auch in der Bundesliga angewendet werden.“
Doch die Mahnungen bleiben wohl zunächst ungehört.
Anderes Beispiel, auf das mich Ingrid in den Kommentaren und einige User per Mail aufmerksam machen: Der DFB hat das Regionalliganachholspiel Altona FC gegen den 1. FC Magdeburg auf Mittwoch, den 3. Dezember, 14 Uhr verlegt, weil das Stadion „Hoheluft“ nicht über fernsehtaugliches Flutlicht verfügt. Dem AFC dürften immense Zuschauereinnahmen flöten gehen – denn welches Team bringt schon so viele Fans wie Magdeburg mit? Die Website ringfahndung.de nennt diese Entscheidung einen „Frontalangriff auf den Amateurfußball“. Wenn es den Klub trösten sollte, vielleicht schau ich am Mittwoch mal rein.
Einen guten aufklärerischen Beitrag über die basisfeindliche Fußballpolitik lesen wir von Thomas Haid in der Stuttgarter Zeitung; er nennt die Verlierer des neuen Spielplans, also alle unterhalb der Bundesliga:
„Schon die Zweite Liga leidet massiv unter dem Modell, das samstags und sonntags einen Spielbeginn um 13 Uhr und um 13.30 Uhr vorsieht – also zu einer völlig familienunfreundlichen und Sportarten-untypischen Anstoßzeit. Wahrscheinlich hätte die DFL auch einem Anpfiff um 10 Uhr zugestimmt, wenn ein Sender dafür noch mal in die Tasche gegriffen hätte. Noch härter trifft es den Amateurbereich, für den bisher der Sonntagmittag (15 Uhr) als exklusiver Spieltermin reserviert war. Nun hat die DFL diese heilige Kuh geschlachtet, obwohl viele Klubs in den niedrigeren Regionen bereits über einen Zuschauerschwund klagen und ums Überleben kämpfen.“
Weiter heißt es:
„Den Amateuren fehlt die Lobby. Der für sie zuständige DFB besitzt offensichtlich keinen Einfluss mehr bei der DFL. So hat Theo Zwanziger in den vergangenen Wochen nicht einmal richtig protestiert, um angesichts des sich abzeichnenden Szenarios die Rechte seiner Amateure zu schützen.“
Der DFB und die Dead Kennedys …
von René Martens
… gehören ja normalerweise nicht in einen Text, aber meine erste Assoziation zu den Artikeln über die Planungen des DFB, die Fernsehgelder für die Vereine der Regionalliga radikal zu reduzieren, war der Refrain dieses Songs (in dem es selbstverständlich um etwas ganz anderes geht). Der DFB und seine Anti-Amateur-Politik – es könnte ein Dauerthema werden.
Dr. Z. und die Amateure
von René Martens
Was dem undemagogischsten DFB-Präsidenten aller Zeiten und seinen Männern fürs Grobe in den letzten Tagen ja ganz nebenbei auch gelungen ist: Der Auslöser für 20 Cents Abgang bei der Diskussion in Gießen ist etwas aus dem Blick geraten. Es ging um die Frage, welche Folgen die ab der Saison 2008/09 geplanten Erst- und Zweitliga-Anstoßzeiten für den Amateurfußball haben. Wobei man vielleicht präzisieren sollte, dass unter dem Irrsinn (zweimal 2. Liga samstags um 13 Uhr, einmal 1. Liga sonntags um 15.30 Uhr) auch die Profi- und Quasiprofi- und Halbproficlubs in der 3. und 4. Liga zu leiden haben. Es ist doch offensichtlich: Unterhalb der 2. Liga wird es Einnahmeeinbußen geben, was wiederum mit sich bringt, dass Sponsoren schwerer zu gewinnen sein werden, was weitere finanzielle Probleme nach sich zieht (Weiterlesen …)
Vor Gericht gegen den Verband
von Oliver Fritsch
Was ich davon halte, dass man in Deutschland vor Gericht landet, wenn man Amateurfußballern und ihren Freunden eine zeitgemäße Heimat im Internet geben will, habe ich nun hier angedeutet. Ich bitte nach wie vor auch alle freistoss-Leser um Solidarität und auch um Ihre Meinung (Weiterlesen …)
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