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Das Fußballjahr 2007 ist nun fast vorbei, und wir sollten es ohne Aufhebens begraben. Doch es gab in den letzten zwölf Monaten auch schöne Ereignisse und Erkenntnisse, und es gibt viel Hoffnung für 2008.

Warum wir froh sein sollten, dass das Fußballjahr 2007 nun endlich endet:

- Weil wir endgültig von Sebastian Deisler, dem Unvollendeten, Abschied nehmen mussten, ohne an seiner Eleganz satt geworden zu sein.

- Weil ein Bundesligajahr ohne Jürgen Klopp deutlich langweiliger, leidenschaftsloser, ungeiler ist.

- Weil mit Michel Platini bei der Uefa der Stil seines Ziehvaters, des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter, Einzug zu halten scheint: große Worte, kleine Taten.

- Weil wir zu viele Statements wie die von Heribert Bruchhagen ertragen mussten, hier sinngemäß zitiert: „Das was uns Oliver Bierhoff als moderne Trainingsmethoden verkaufen will, ist alles Mumpitz, außerdem machen wir von Eintracht Frankfurt das schon seit Jahren.“

- Weil das Monatsmagazin „Rund“, der Konkurrenz in Sachen Härte und sogar Kurzweiligkeit voraus, nicht genug Leser, stattdessen sein Ende fand und der Mut und die Geduld seines Verlegers überschätzt wurde.

- Weil auch das Internet einen seiner Besten verliert: Rob Alef vom tazblog mit dem sensationellen Namen „Volk ohne Raumdeckung“.

- Weil Fußball im deutschen Fernsehen nach wie vor oft sehr weh tut. (Inzwischen muss man wohl schon Harald Schmidts Sidekick Oliver Pocher als Hoffnung bezeichnen, wenigstens würde er nicht vor Hoeneß, Völler und Co. in den Staub fallen wie etwa die Fraktionen vom ZDF und von Bayern 3, alias FCB-TV.)

- Weil der Erfolg ein Tourist in Stuttgart ist und VfB-Fans wieder die Lehre erhielten: wenn schon Meister, dann wenigstens daran zugrunde gehen.

- Weil ein weiteres Jahr ohne den 1. FC Köln in der Bundesliga auch bedeutete, dass der gefühlte Champions-League-Teilnehmer nicht aus der Bundesliga absteigen konnte.

- Weil auch dieses Jahr wieder jeder Bericht, der sich irgendwie, und sei es nur am Rande, mit dem Uefa-Pokal befasst, mit Franz Beckenbauers Uralt-Zitat („Cup der Verlierer“) garniert war – als ob man nicht wüsste, dass seine Aussagen das Verfallsdatum von Frischmilch unterschreiten.

- Weil José Mourinho kein Trainer mehr ist.

- Weil Deutschland nach wie vor keinen José Mourinho hat.

- Weil die Schiedsrichter noch immer auf den größten Aua-Schreier der Liga, David Jarolim, reinfallen.

- Weil zu wenig Klinsmann.

- Weil wir ohne England zur EM fahren und nicht garantiert werden kann, dass das Mutterland der Elfmeterfahrkarte von der Schweiz gleichwertig ersetzt wird. (Was gibt es an Englands Ausscheiden zu feiern, Landsleute? Das Turnier braucht doch aufrechte Verlierer.)

- Weil man uns es als Beweis für den Humor und die Lebensfreude von Fußballprofis verkaufen will, wenn sie ihren Kameraden Zahnpasta auf die Türklinke schmieren und ihnen die Socken zerschneiden.

- Weil im DSF-Doppelpass und im ganzen Land noch immer zu viele von denjenigen Leuten das Sagen haben, die Jürgen Klinsmann, also den, der als Reformer des deutschen Fußballs eingegangen sein wird, dass also noch immer diejenigen das Sagen haben, die Klinsmann vor der WM 2006 an die kalifornische Küste schicken wollten. (Warum kann nicht auch als Journalist in die Zweite Liga absteigen?)

- Weil diejenigen, die Klinsmann vor der WM 2006 an die kalifornische Küste schicken wollten, behaupten, sich gar nicht daran zu erinnern, dass sie Klinsmann vor der WM 2006 an die kalifornische Küste schicken wollten – und man ihnen das vielleicht sogar glauben muss.

- Weil Weihnachtsfeiern beim FC Bayern auch nicht mehr das sind, was sie mal waren.

Warum das Fußballjahr 2007 doch nicht ganz so schlecht war:

- Weil Mexikaner Deutscher Meister werden können.

- Weil, wie fast jeder Rekord, auch der deutsche Negativrekord der Champions League (zwei Punkte aus sechs Spielen) beim FC Bayern bleibt.

- Weil wir jetzt wissen, was fünf Tore Vorsprung in der Bundesligatabelle wert sind: 70 Millionen Euro.

- Weil es „Froanck Dribblery“ den Mann, der mehr als zwei Beine haben muss, ein Mal im Jahr in Bochum, Rostock und Wolfsburg zu sehen gibt – genau wie Diego und Rafael van der Vaart übrigens.

- Weil der WDR ein schönes Pflänzchen in die Welt setzt: „Sport Inside“, eine TV-Sendung mit Hintergrundberichten über Sport – bisher aber wohl kaum mehr als ein Feigenblatt.

- Weil DFB-Sportdirektor Matthias Sammer doch nicht die Bremse und das Rumpelstilzchen ist, wofür man ihn zwischenzeitlich halten musste.

- Weil die Meldung vom Anstieg der Geburtenrate durch die WM-Babys, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt, uns glauben ließ, dass der Fußball gesteigerte Zeugungsfreudigkeit und erhöhte Empfängnisbereitschaft verursacht und damit sogar die demographische Krise unseres Lands in den Griff bekommt.

- Weil mit Joachim Löw Klugheit zum Trainerleitbild in Deutschland geworden ist.

- Weil Titanen ins Wanken geraten.

- Weil Oka Nikolov gezeigt hat, dass Torhüter ein guter Tag genügt, um im Gedächtnis zu bleiben.

- Weil es Werder Bremen gibt.

Warum wir uns auf das Fußballjahr 2008 unbedingt freuen müssen:

- Weil es Joachim Löw seinem Kollegen vom Handball, Heiner Brand, gleichtun wird, und mit Arsenals Ersatzkeeper Jens Lehmann, dem Henning Fritz des deutschen Fußballs, Europameister wird.

- Weil die EM 2008 in zwei Ländern stattfinden wird, die gutes Gastgeben gewohnt sind.

- Weil die TSG Hoffenheim noch ein Stückchen näher an Bayern München heranrückt und wir uns auf eine Antikapitalismusdebatte, eingeleitet von Kalle und Uli, freuen dürfen.

- Weil Energie Cottbus mit einem Bruchteil des Etats des VfL Wolfsburg (fast) dieselbe Punktzahl erreichen wird.

- Weil José Mourinho wieder Trainer sein wird.

- Weil vielleicht wieder mehr Klinsmann.

- Weil unsere, zugegeben, mächtigen Fußballfunktionäre Ebay, Google und auch Hartplatzhelden nicht verhindern können.

- Weil wir einfach wahnsinnig darauf gespannt sind und es kaum erwarten können, was Österreich an seiner Heim-EM veranstaltet und weil wir uns auf die gewaltige Aufgabe freuen, diese Sache ohne Schadenfreude zu beobachten.

#9 meiner Kolumne „Anmerkungen aus der Fußballprovinz“ auf stern.de

(Wenn dieser Text auf Spiegel Online, sueddeutsche.de oder bild.de veröffentlicht worden wäre, hätten Sie, liebe Leser, sicher ungefähr vierunddreißig Mal klicken müssen.)

12 Kommentare

  1. kurdt schrieb am 21. Dezember 2007:

    Warum wir uns auf das Fußballjahr 2008 unbedingt freuen müssen:….weil der VfB wieder völlig unerwartet Meister werden wird! Frohes Fest!

  2. jokus1 schrieb am 21. Dezember 2007:

    …da haben sich gerade die Zeilen verschoben – also noch einmal: (vielleicht könnt Ihr den vorhergehenden Beitrag und diesen Zusatz löschen)

    Warum wir froh sein sollten, dass das Fußballjahr 2007 nun endlich endet:
    - weil Arena nicht mehr gebraucht wird und uns die Unsäglichen – hoffentlich – für immer erspart bleiben: Günther Koch, Werner Hansch und ähnliche Dummschwätzer. Bleibt nur noch das dümmliche Gesülze von Fritz von Tu und Mach nix bei Premiere als Ärgernis (na ja, und Beckmann und Kerner und Rety und, und…)!
    Warum wir uns auf das Fußballjahr 2008 unbedingt freuen müssen:
    - weil Werder wieder gegen die Bayern gewinnt und das Spiel von Marcel Reif kommentiert wird!
    - weil Hartplatzhelden gegen die sauertöpfigen schwäbischen Vereinsmeier gewinnt
    - weil der RSV Büblingshausen und der MTV 1846 Gießen mit prima Fußball begeistern werden
    - weil wir Fredi Bobic als Premiere Gastkommentator wieder sagen hören “sie haben sich gegenseitig die Zähne herausgebissen”!
    - weil Du, lieber Oli, im sportlichen und journalistischen Bereich hoffentlich und endlich den vollen Lohn für Deine intelligente und effiziente Arbeit erhältst! (Ich gönne Dir die vielen Millionen!)
    Bleibt alle gesund und froh!!!
    Dieter
    …und denkt dran: am Montag müssen wir alle wieder zurück ins Salzbergwerk…

  3. CLx7 schrieb am 21. Dezember 2007:

    Warum das Fußballjahr 2008 wirklich traurig sein wird:
    Weil Maldini aufhört!

    Warum man sich auf das Fußballjahr 2008 unbedingt muss:
    Weil Italien EM werden könnte ohne einen Volksboykott zum Pizzaessen hervorzurufen;
    Weil England da sein wird wo es hin gehört: zu Hause;
    Weil Bayern-Verfolger das Fernglas nicht zum Einsatz bringen werden;
    Weil Luca Toni von gfühlten 20 Millionen Deutsche zum Tore schießen bei der EM angefeuert sein wird (oder?)
    Weil Pato, Kaka, Ronaldinho, Pirlo, Seedorf, Gattuso etc den Jungsspunds in der CL wieder zeigen werden, was Doppelherz bewirken kann:
    Und weil Maldini den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhalten wird!

  4. Juwie schrieb am 22. Dezember 2007:

    Auf jeden Fall freue ich mich schon auf die “Antikapitalismusdebatte” an der Säbener Straße.

  5. Lajos10 schrieb am 27. Dezember 2007:

    Ich persönlich freue mich ja auf den neuen Feninismus in der Bundesliga. Besonders bemerkenswert ist daran natürlich, dass die Bewegung von Frankfurt ausgeht. Juventus Turin beim Transferpoker ausgestochen, endlich spielen wir wieder im Konzert der Großen mit…

  6. FFL-Blog » Blog Archive » Zeit für eine Bilanz? schrieb am 30. Dezember 2007:

    [...] ersten Hoffnungen endgültig platzen. Oliver Fritsch versucht es dennoch. Unter der Überschrift Zu wenig Klinsmann, Klopp und Köln sagt er, warum man sich freuen sollte, dass das Fußballjahr 2007 vorübergeht. Doch er findet auch [...]

  7. Chuckster schrieb am 3. Januar 2008:

    Warum wir uns auf das Fußballjahr 2008 unbedingt freuen müssen: Weil Werder die Bayern am 19. Spieltag schlagen, die an diesem Tage gewonnene Tabellenführung bis zum Ende der Saison nicht mehr abgeben, und das UEFA-Cup Endspiel in der 89. Minute durch ein Siegtor von Klasnic entschieden wird – gegen Bayern…

  8. kurdt schrieb am 3. Januar 2008:

    An alle zunächst einmal ein gutes neues Jahr 2008!

    Warum wir uns auf das Fußballjahr 2008 unbedingt freuen müssen: Weil Ottmar den Nichtakademikern an der Säbenerstr. den Zahn gezogen hat. Am besten er verabschiedet sich von Kalle mit dem Spruch: “Fußball ist Arithmetik”. Leider werden sie ihn nach den ersten zwei Niederlagen am 19. Spieltag entlassen. “Leider” deswegen, weil der Ottmar ein “Guter” ist, der für die Eitelkeitsneurotiker Kalle und Uli nichts kann.

  9. Linksaussen schrieb am 11. Januar 2008:

    2008: “Weil vielleicht wieder mehr Klinsmann.”

    check. nächster punkt bitte.

  10. ollie schrieb am 12. Januar 2008:

    Ich lach mich scheckig. Da will der Bayern-Hasser Fritsch mehr Klinsmann. Und Hoeness, Rummenigge und co. erfüllen ihm den Wunsch umgehend!!

  11. Oliver Fritsch schrieb am 14. Januar 2008:

    Gibt es einen besseren Beleg dafür, dass ich mit meiner Meinung zu der ganzen Sache nicht so falsch gelegen haben kann?

  12. Doerk schrieb am 15. Januar 2008:

    Ich frage mich ob sich Oliver Fritsch als alter Bayern-Hasser denn gefreut hat, dass sein Schwaben-Idol Klinsmann durch sein Engagement beim “angeblichen” Weltklub (der übrigens Chelsea und Liverpool aus dem Feld geschlagen hat) FC Bayern (der ja für den Niedergang des deutschen Fussballs mitverantwortlich ist) wieder in der Bundesliga präsent ist.

    Ist es nicht beeindruckend, welche Attraktivität eine hochprofessionell geführter Verein wie der FC Bayern für Klinsmann hat? Ich denke nicht, dass er ‘trotz’ des Umfelds zum FC Bayern geht , sondern ‘wegen’, denn Geld und Topspieler konnte er auch in Chelsea haben, aber keinen Rummenigge, Hoeness und Beckenbauer…

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