Birgit Prinz, du bist die beste Frau!
von René MartensWas ist eigentlich die Alexandra Kraft für eine? Die Kollegin schreibt heute anlässlich des Abschiedsspiels von Birgit Prinz bei stern.de, die Spielerin habe nicht „verstanden, dass Fußball weit mehr als ein Spiel ist“. Die Autorin wirft Prinz in ihrem Karriere-Nachruf beispielsweise vor, diese habe Interviews „nicht leiden“ können. Falls die Aversion bei Prinz so groß war, dass sie Kraft niemals ein Interview gegeben hat, kann man angesichts dieses Artikels nur sagen: Herzlichen Glückwunsch! Die Stern-Frau kreidet der Kickerin des weiteren an, sie habe nicht „verstanden“, dass man sich als Star „gut verkaufen“ müsse. Sie habe „neben dem Platz versagt“. Kurz: Prinz müsse noch „erwachsen werden“, diagnostiziert die erwachsene Kraft. Auffällig ist, dass all das, was für Prinz spricht – die Aversion gegen Interviews, das Sich-nicht-verkaufen-wollen – hier gegen sie verwendet wird. Ob das nun symptomatisch ist für eine weit verbreitete Haltung im Sportjournalismus, weiß ich nicht, aber eine diesbezügliche prophylaktische Befürchtung kann ja nicht schaden.
Brauchen wir einen Konkurrenzverband zum DFB?
von René MartensIch habe mich gerade etwas länger mit dem Thema Arbeitersport beschäftigt (der Artikel erscheint im Laufe des März), und an diese Recherchen musste ich nun wieder bei der Debatte um das DFB-Urteil gegen den FC St. Pauli in Sachen Kassenrollenwurf denken.
Von einer Episode aus der Geschichte der Arbeiterkulturbewegung zu einer Zuschaueraussperrung wegen eines missglückten Versuchs, südländische bzw. südamerikanische Atmosphäre zu schaffen – das ist auf den ersten Blick ein sehr großer Gedankensprung, gewiss, also skizziere ich mal die Hintergründe: 1893 gründete sich der Arbeiterturnerbund (ATB), 1919 erfolgte die Umbenennung in Arbeitersportbund (ATSB), von dem sich 1930 noch der kommunistische Rotsport abspaltete. Der Arbeitersport stand für eine Alternative zur bürgerlich-nationalistischen Sportideologie. Es gab im Fußball auch eine Arbeiternationalmannschaft, der Werkstatt-Verlag hat deren Geschichte im vergangegen Jahr veröffentlicht (Disclosure: Dort sind auch Bücher von mir erschienen).
Im Frühjahr 1933 verboten die Nazis die Arbeitersportvereine und beschlagnahmten das Vermögen. Zählt man noch den katholischen DJK (1935 verboten) und die jüdischen Sportverbände Makkabi und Schild (1938 verboten) hinzu, kommt man auf eine Vielfalt von Sport-Massenorganisationen in den 20er und 30er Jahren. Es gab also Zeiten in Deutschland, in denen Alternativen zu den großen etablierten Sportorganisationen selbstverständlich waren.
Und damit in die Gegenwart, in der es solche Alternativen bekanntlich nicht gibt. Das Sportgericht des DFB hat ein Urteil gefällt, das nach allen juristischen Maßstäben unhaltbar ist und erst recht nach moralischen und intellektuellen – auch der Begriff Klassenjustiz sei hier gern einmal in die Debatte geworfen. Jenseits der Parallelgesellschaft DFB hätte so ein Urteil nirgendwo Bestand. Was man als Verein dagegen tun sollte, wissen Volljuristen besser, deshalb sei hiermit auf einen verwiesen. Auch die Forderung, ggf. zivilrechtlich gegen das Urteil vorzugehen, steht im Raum. Erfreulicherweise.
Aber ist nicht langsam der Zeitpunkt gekommen, ein paar Siebenmeilenstiefelschritte weiter zu denken? Hätten wir nicht lieber einen Verband, der Urteile fällt, die sich zumindest ansatzweise durch eine gewisse Plausibilität auszeichnen? Einen Verband, der vielleicht sogar eine gewisse Würde ausstrahlt? Unabhängig vom gerade aktuellen Problem des FC St. Pauli, gibt es ja genug Gründe, sich einen DFB-freien Fußball zu wünschen, man muss das in diesem Blog vermutlich nicht weiter ausführen. Zugespitzt gefragt: Brauchen wir einen Anti-DFB? Einen alternativen Verband? Ja. Ist das eine realistische Forderung? Nein, selbstverständlich nicht. Aber über Utopien nachzudenken, ist ja legitim. Und eine Fußball-Utopie, über die es sich nachzudenken lohnt, wäre ein eigenständiger Verband mit eigenem Ligensystem – wie es halt zu Arbeitersportzeiten der Fall war. Dieser Verband müsste sich auf ähnliche Weise ideologisch vom DFB absetzen wie einst der Arbeitersport. Was jetzt nicht heißen soll, dass sämtliche Positionen von einst auf heute übertragbar wären. Auch der Begriff Arbeitersport hat sich natürlich längst überlebt.
Einem Verein wie dem FC St. Pauli, der – zumindest immer dann, wenn es gerade passt – seine Andersartigkeit betont, stünde es vielleicht gar nicht schlecht zu Gesicht, sich darüber Gedanken zu machen, unter welchen Bedingungen ein paar Generationen später Fußball gespielt wird oder gespielt werden könnte. Auf jeden Fall braucht es einen Verein, der damit anfängt.
Hany Ramzy: “Das war Politik, das hatte nichts mit Fußball zu tun”
von Oliver FritschTelefonat mit dem Trainer der ägyptischen U23 über die tödlichen Krawalle im Stadion von Al-Masry (Weiterlesen …)
Fünf Dinge, die wir aus der Hinrunde gelernt haben
von Christoph AscheErnst Bloch hat über Vermutungen einmal sinngemäß geschrieben, dass sie am Ende selten praktisch bewiesen werden können und dass sie meist in der Versuchsgeschichte der Erkenntnis, der erkannten Irrtümer wandeln. Daher überlasse ich die wilden halb-saisonalen Titelprognosen und die apokalyptischen Untergangsszenarien für den SC Freiburg und den HSV anderen und schaue auf das, was war. (Weiterlesen …)
Wie das Internet die Sportberichterstattung verändert hat …
von René Martens… und wem der Sport quasi „gehört“, das ist aus guten Gründen in diesem Blog oft Thema gewesen, zuletzt hier. Auf zahlreiche Aspekte aus diesem Themenkomplex gehe ich nun in dem Beitrag Social Sport? Wie sich Berichterstattung und Rechtelage im Zeitalter von Twitter, Flickr und Smartphones verändert haben ein, erschienen in dem neuen Buch Sport und Medien. Eine deutsch-deutsche Geschichte. Es geht unter anderem – einige Zwischenüberschriften seien hier mal zitiert – um „die Demokratisierung der Produktionsmittel“ und den „Sportler als Berichterstatter“. Und auch darum, warum ein bestimmtes Interview mit Marcel Eger (früher St. Pauli, heue Brentford) nie erschienen ist. Die erste Fassung meines Textes entstand für diese Tagung in Köln. Und bei dieser Veranstaltung des Social Media Club Hamburg vor etwas mehr als einem halben Jahr konnte man bereits einen Vorgeschmack auf den Buchbeitrag bekommen.
Hartplatzhelden: Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei
von Oliver FritschMit mehr als vier Monaten Verspätung möchte ich einen Beitrag über die republica nachreichen, bei der ich auf einem Podium teilgenommen habe und unter anderem über den Hartplatzhelden-Prozess referiert und diskutiert habe (Weiterlesen …)
Bayern München: Bei Heynckes gehen die Lampen an
von Steffen WenzelWer am Mittwoch die Möglichkeit hatte, Bayern gegen Zürich und danach Barca gegen Real hintereinander zu sehen, bekam einen Eindruck davon, wie weit der FC Bayern von der internationalen Spitze entfernt ist (Weiterlesen …)
Auf eines Neues: Was bringt die Saison?
von Günter ClobesNatürlich herrscht vor der Saison wie immer freudige Spannung. Aber es gibt auch viele Fragen, die schon jetzt auf der Hand liegen. Setzen sich neben der sportlichen Entwicklung die anderen Haupttendenzen der letzten Spielzeit fort? Wir erinnern uns: Trotz eines eher verblüffenden Meisterschaftsverlaufs mit etlichen Überraschungsmannschaften waren die eigentlichen Hauptakteure vor allem Fans und Trainer. (Weiterlesen …)
Vom Sommermärchen zur Morgenröte
von Günter ClobesZwar steht der Turnierhöhepunkt, das Endspiel der Frauen-WM noch aus, die bisherigen Eindrücke und Erkenntnisse dürften aber die Diskussion über die zukünftige Entwicklung des Frauenfußballs auch danach noch bestimmen. Dabei wird es natürlich weniger bis gar nicht um das Drum und Dran dieser WM gehen. (Weiterlesen …)
„Ich bin kein Fan von Stalin, aber …“
von René MartensDie brillante Fußball-Dokumentation „The Other Chelsea“, als TV-Erstausstrahlung kürzlich im ZDF-Nachtprogramm zu sehen, läuft am morgigen Sonntag zur besten Sendezeit noch einmal bei ZDFkultur. (Weiterlesen …)
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