HSV besiegt Bayern: Unwucht im Badstuber-Müller-Förderverein
von Oliver Fritsch
Aus dem Volkspark Uli Hoeneß, das Stimmungsbarometer des FC Bayern, gab sich nach der 0:1-Niederlage in Hamburg gelassen. In der Mixed Zone hatte er einige Fragen nach Zé Roberto zu beantworten, den er im Sommer nach Hamburg ziehen ließ. Er hatte ihm einen Vertrag über ein Jahr Laufzeit angeboten. Der HSV wollte den 35-jährigen zwölf Monate länger binden, was den Ausschlag gab (Weiterlesen …)
Schwacher Gomez schiebt den VfB an die Tabellenspitze ran
von Oliver Fritsch
Notizen zum Spiel VfB-HSV 1:0
Es war kein gutes Spiel, und es war ein glückhafter Sieg für den VfB. Zwar war er gerade gegen Ende das aktivere Team, doch ihm fehlt Kombinationssicherheit und Passgenauigkeit. In erster Linie waren es Dribblings und Schüsse, richtig gute Chancen hat er nicht herausgespielt. Das reicht für die Bundesliga, doch auf internationaler Bühne muss sich Babbel etwas überlegen, da braucht er ein stimmigeres Konzept. Und so wie es aussieht, wird sich der VfB wohl mindestens für den Uefa-Pokal qualifizieren. Serdar Tasci und Matthieu Delpierre bilden zusammen mit Jens Lehmann jedoch eine sehr stabile Mitte. Tasci unterliefen zwar in der ersten Halbzeit zwei Fehler, doch sein Zweikampfgeschick hat ihn ins Notizbuch des AC Milan gebracht (Weiterlesen …)
Gefühltes Tor, gefühlter Loser
von Günter Clobes
Ob er nun getroffen hat oder nicht, spielte nach dem Spiel gegen Wales auf einmal gar nicht mehr die große Rolle. Das Torjägerleid und das Torflautensyndrom von Mario Gomez scheinen auf einen Schlag in den Hintergrund gerückt. Erklärbar ist das nur mit einem anderen Syndrom, eines, dem die Medien ausgesetzt sind: Sensations- und Konfliktgeilheit.
Klar dürfte jedenfalls sein, dass es Gomez auch diesem Umstand verdankt (vorläufig) aus der Schusslinie zu sein. Noch am Sonntag bemühten sich sowohl „Sportschau“ als auch „Sportreportage“ genüsslich darum, Gomez Scheitern gegen Liechtenstein und sein momentanes Daseins als verhinderter Nationaltoreerzieler auszuweiden. Gomez ist jetzt aus den Schlagzeilen, weil Podolski Widerworte gegen den Capitano gab und es deutlich in Richtung Handgemenge ging – wären nicht Lahm und Mertesacker dazwischengegangen. Wenn nicht alles getäuscht hat bei dieser kurzen Intervention, waren diese beiden ähnlich wie Ballack nicht gerade lieb zu Poldi, was durchaus aber auch an seiner sehr mauen bis unterirdischen Vorstellung gelegen haben dürfte.
Doch zurück zum Sorgenkind Mario Gomez. Er hat wieder ein gutes Spiel gemacht, mit viel Laufarbeit, Einsatz und Bewegung – allerdings leider auch wieder ohne Torerfolg, jedenfalls keinen selbst erzielten. Und trotzdem: Es war ein gefühltes Gomez-Tor beim 2:0. Man muss es ihm allein gutschreiben, denn so wie im gesamten Spiel lag es hier an seiner sehr couragierten Balleroberung mit folgender feiner Technikeinlage und walisischem Eigentor. Gomez selbst dürfte trotzdem froh sein, dass alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Gut gespielt, an einem Tor maßgeblich beteiligt (selbst wenn es nicht in seine persönliche Statistik eingeht) und endlich mal nicht am Pranger. Dass dieser Aufwärtstrend anhält, kann man ihm nur wünschen. Denn er ist unstrittig eines der größten Stürmertalente hierzulande. Und: Er ist 23, also genauso alt wie Podolski, allerdings ungleich abgeklärter und reflektierter als der ewige Sunnyboy und Klassenkasper.
Linderung oder Symptom der Gomez-Melancholie?
von Oliver Fritsch
Splitter aus meinem Live-Blog Wales-Deutschland
Nach dem frühen Tor war eigentlich zu erwarten: leichtes Spiel. Denkste! Bis zur 60. Minute war Wales gleichgut. Das Portugal-System (zwei 6er Rolfes und Hitzlsperger, Ballack vorgezogen, Podolski links, eine Spitze) hat heute nicht gegriffen. Andererseits, WM-Qualifikationsspiele sind keine Catwalks (Weiterlesen …)
Notizen zu den Hinspielen Bremens und Stuttgarts im Uefa-Pokal
von Oliver Fritsch
Werder Bremen – AC Mailand 1:1
Milan war die reifere, coolere Mannschaft, die nicht so viel tun musste, um torgefährlich zu sein – und an der sich Bremen lange die Finger verkühlten. Sie schossen zu früh und zu hasenfüßig. Werder war nur in den ersten und in den letzten zehn Minuten so aktiv, mutig und aggressiv, wie es das ganze Spiel hätten sein sollen. Sein Spiel war fehlerreich und brav, aber bemüht und fleißig. Immerhin gereichte es zu einem Unentschieden, fast sogar zu einem Sieg. Das 1:1 dürfte zu wenig sein (Weiterlesen …)
Live Blog Deutschland-Norwegen 0:1
von Oliver Fritsch
Nachbetrachtungssplitter: Die ARD stellt fest, dass das Spiel „keine Auswirkung auf die Tabelle“ hat, was Testspiele meist so an sich haben. +++ Auf welcher Wiese spielen denn Wales und Polen? Sensationelles Hebertor des Brasilo-Polen Guerreiro. +++ Benny Huggel schießt ein Tor für die Schweiz, die Eintracht-Fans neben mir springen auf. Hab ich das richtig verstanden: Gegen Bulgarien kamen weniger Zuschauer als die Schweizer Freikarten verteilt haben? +++ Reporter: „Statt mit Optimismus zu agieren, produzierten die Dänen ein großes Nichts.“ Da will wohl jemand auf Teufelkommraus Flosklen vermeiden. +++ Finsterer Fehler des van-der-Sar-Vertreters im holländischen Tor. +++ Hinweis an Gasprom: Auf schalke04.de werden Trikots mit Victoria-Werbung angeboten. Backup von 2006 ist am Start.
Liebe Leute, jetzt abschalten, legt Euch schlafen so wie ich. Und jetzt bloß nicht mehr Waldis Club. Gute Nacht.
Endstand Deutschland-Norwegen 0:1 Nach dem 1:2 gegen England im November hieß es: Sieger sind Ballack und Frings, sie hatten nicht mitgespielt. Heute haben beide mitgespielt, und das Ergebnis war ein ähnliches. Norwegen ist ohne seine Renommierten Carew und Riise angetreten. Hat im Jahr 2008 kein Spiel gewonnen. Noch arger: In den vergangenen Tagen wurde Lothar Matthäus als norwegischer Nationaltrainer gehandelt. Und er hat dementiert und nicht, wie sonst, betont, welche Ehre es für ihn sei. Eine historische Niederlage. Bei der letzten und einzigen gegen Norwegen verließ Hitler in der zweiten Halbzeit wütend das Stadion.
Deutschland hatte kaum eine Torchance, nicht mal über einen Eckball. Sturm und Mittelfeld ohne Abstimmung, schwaches Timing bei den Pässen. Klose unsichtbar, Frings verschleppte das Tempo, Spielaufbau ohne Ideen. Ballack ohne Torschuss. Das Beste waren Özils Ja-Wort und ein paar nette Lahm-Moves. Gomez hätte vielleicht ein Tor verdient gehabt. Doch gegen die gute Organisation der Norweger suchten die Deutschen vergeblich einen Weg.
Die einzige Lücke, die heute gefunden wurde, war das Typo3-Bug von schalke04.de, von wo aus eine Ente über Kuranyis Freistellung freigesetzt wurde. Liebe Grüße an bundesliga.de und bild.de.
83′ Aus der Rubrik Turnen im Fußball: Braaten macht nach einem Foul eine Rückwärtsrolle in den flüchtigen Handstand. Hab ich zuletzt im Aufwärmprogramm von Rambo Illgner gesehen. In meiner Tunrprüfung im Sportstudium kam das Element auch vor. Die VHS dazu steht in meinem Giftschrank.
78′ Özil wird für Trochowski eingewechselt und ist für immer Deutscher. Gibts schon O-Töne von Fatih Terim? Wie reagiert er? Sendet er seine Liebe nach Düsseldorf? Wirft er sein Goldkettchen an die Mattscheibe?
76′ Norweger sind immer in Überzahl am Ball und bei Kontern gerfährlicher als die Deutschen. Soeben hat Skjelbreds Schlenzer das deutsche Tor gestreift.
70′ Im Internet gibts schon erste Gerüchte: Grindheim zur Eintracht. Nürnberg hatte zuvor schon dementiert.
68′ Wechsel Deutschland: Marin für Frings und Kießling für Gomez, den mit Abstand gefährlichsten Deutschen
63′ Tor für Norwegen 0:1Grindheim Am langen Pfosten grätscht er in einen Flachpass, den die deutsche Abwehr fast durch den ganzen Strafraum passieren lässt.
58′ Beste Chance für Deutschland – Gomez auf Vorlage Lahm aus 16 Metern für links, Jarstein wehrt im Plongeon ab.
21:49 Zeit für ein Blick nach nebenan: Es wird irgendwo gemeldet, dass Kuranyi von Schalke freigestellt worden sei. Andererseits ist von einem Hacker-Angriff und einem Fake die Rede. Die Website von Schalke ist jedenfalls down.
47′ Manchmal frag ich mich: Was hat Westermann dort, wo andere Füße haben?
Drei Wechsel Deutschland: Helmes für Klose, das Gespenst. Tasci für den verletzten Mertesacker. Debütant und Kolumnist Beck für Hinkel, der wenig getan hat, um sich den Status meines Lieblingsspielers zurückzuerobern.
21:34 Halbzeitanalyse: Frage Reporter Bergener: „Brauchen wir nicht mehr Bewegung?“ Antwort Co-Trainer Flick: „Wir brauchen mehr Bewegung.“ Netzer: „Es fehlt die Bewegung in der Bewegung.“ So ungefähr.
Halbzeit 0:0 Fußball kann echt langweilig sein. Wir wollen endlich Tom Buhrow.
41′ Gibts noch die Domains schweinsteiger-muss-raus.de, schweinsteiger-ist-ueberschaetzt.de und schweinsteiger-darf-nicht-mehr-hinters-tor-flanken.de?
35′ Will gerade was über Adler schreiben – und merke in diesem Moment, dass der Reporter das Gleiche sagt. Für mich ein Indiz, mein Urteil nochmal zu überdenken. Andererseits, es ist Tom Bartels (ARD), einer der Besseren.
Ach ja: Auf der Linie stark, bei Flanken oft die Hose voll. Mein Tipp: Irgendwann wird er von Neuer verdrängt.
28′ Das deutsche Zusammenspiel ist ein Fragment, das kann dem Bundestrainer nicht behagen. Jetzt mal eine Kombination über mehrere Stationen, doch Trochowskis Schuss wird geblockt. Und Lahm zirkelt ne Minute später knapp am langen Pfosten vorbei.
22′ Klassisches norwegisches Angriffsspiel. Langer Ball in den Strafraum: zwei Kopfbälle, und Adler ist dran. Kriegt denn Ball mit einer schnellen Aufwärtsbewegung des rechten Arms übers Tor gelenkt.
21′ Was versteht Westermann denn unter Verteidigen? Den Gegenspieler umrennen? Hätte Elfmeter für Norwegen geben dürfen.
13′ Auf Twitter meldet Thomas Knüwer: „Weiter 0:1“. Versteh ich den Gag nicht oder hängt unsere TV-Leitung hinterher?
10′ Erste Chance Gomez: Ecke wird auf den langen Pfosten verlängert, Gomez drüber. Immerhin hat er den Ball getroffen. War nicht immer so in der Nationalmannschaft.
Was ist das eigentlich für ein Ball? Weiß das jemand? Hässliches baby-blau, oder? Und was sind das für Motive? Kontinente?
1′ Angriff Norwegen, doch Lahm hat den Braaten gerochen. Erste Ecke für Norwegen.
20:27 Frings?! ich glaub, es geht los. Kann doch nicht wahr sein. Welche Klöpse dürfen wir von Gomez diesmal erwarten? Kennt eigentlich jemand einen Norweger?
20:20 Einen schönen guten Abend aus Büblingshausen. Glotze läuft, Tee ist gebrüht, Netzer quakt. Alles bereit für ein… tja wofür eigentlich?
Konzeptlose Stuttgarter, defensive Bayern
von Oliver Fritsch
Jens Lehmann zieht heute in der SZ ein Resümee nach einer Vorrunde Bundesliga und gibt zu bedenken, dass in Arsenal und England viel offensiver gedacht und trainiert werde. Außerdem vermisse er einstudierte Spielzüge:
„Ich bin schon überrascht, wie viele Bundesliga-Mannschaften kein verlässliches Spiel haben. In England wusste ich: So, jetzt greifen wir an, jetzt habe ich mal ein paar Momente Ruhe. Das Schema war klarer: Wenn der Fabregas an dieser oder jener Stelle den Ball bekommt, dann spielt er ihn da oder dort hin. Die Spielzüge waren automatisiert. In der Bundesliga dagegen passieren manchmal Dinge, mit denen man nicht rechnet. Ich stehe hinten drin und denke: So, jetzt spielt er einen Pass da rüber – aber der spielt den Pass dann gar nicht da rüber. Auf einmal verliert der Spieler den Ball, und zack, geht das Spiel in die andere Richtung. Das Passspiel in Deutschland ist weniger verlässlich, das Spiel generell weniger automatisiert.“
Jetzt, wo ich 90 Minuten VfB gegen Bayern (2:2) am Fernsehen hinter mir habe, kann ich Lehmann noch besser verstehen. Die Stuttgarter waren aggressiver, stärker in den Zweikämpfen, motivierter, fanden aber keinen Weg, die Bayern-Abwehr auszuspielen. Auf lange Bälle war die Viererkette um Demichelis sehr gut eingestellt, und das Stuttgarter Kombinationsspiel sah sehr zufällig aus. Was auch daran gelegen haben mag, dass die eingewechselten Gomez und Bastürk lange verletzt waren und Trainer Babbel ohnehin erst ein paar Wochen am Ruder sitzt. Dennoch, nach Konzept sah das nicht aus. Kein Wunder, dass die zwei Stuttgarter Tore nach Ecken fielen. Gegen diese arg defensiven Bayern hätte man gewinnen können. Andererseits hätten coolere Bayern das 3:1 gemacht.
Aus meinem Live-Twitter: Khedira Mann des Spiels. Borowski mit Tor und Assist, dennoch ausgewechselt. Bayern-Abwehr stark. Hitzlsperger mannhaft. Rensing, das Fäustchen, wollte beim 2:2 einen Freistoß, vielleicht gar nicht so abwegig. Schiri Kinhöfer insgesamt kleinlich, also „deutsch“. Rot für Oddo kann man geben, 1:1 war knapp Abseits (Klose). Hartes, bissiges, spannendes Spiel. Wie war das, Hoeneß, mit der Schauspielertruppe aus Hoffenheim? Klinsmann wirkt nach dem Spiel mitgenommen, will beim Platzverweis für Oddo was raushaben. Schade, dass man ihn nicht mit dem Abseitstor konfrontiert.
Lehmann übrigens deutet in dem Interview tatsächlich auch an, nochmals den Verein zu wechseln (was vielleicht ja bloß Koketterie ist):
„Ich weiß, dass ich 39 bin, aber ich spüre diese Zahl nicht. Ich stehe morgens auf und fühle mich topfit. Falls ich weiterspiele, will ich nochmal auf höchstem Niveau spielen. Ich mache das ein bisschen von der sportlichen Entwicklung in Stuttgart abhängig. Mir gefällt es in Stuttgart sehr gut, die Atmosphäre ist angenehm, die Leute sind sehr nett zu mir. Aber man kann nie wissen, was kommt.“
Was die Stuttgarter an den Bayern so mögen? Lies die Liste (Felix Magath, Piotr Trochowski, Mario Gomez) der Stuttgarter Zeitung: „Das Verhältnis ist angespannt und von gegenseitigen Nadelstichen geprägt.“
